IP/11/581
Brüssel, den 17. Mai 2011
Emissionshandel: Emissionsmenge im EU-EHS ist 2010 angestiegen, bleibt aber niedriger als vor der Krise
Im vergangenen Jahr ist die Emissionsmenge der Unternehmen, die am EU-Emissionshandelssystem (EU-EHS) teilnehmen, laut Auskunft der Register der Mitgliedstaaten um mehr als 3 % angestiegen.
Hierzu erklärte Connie Hedegaard, EU-Kommissarin für Klimapolitik: „Der Emissionsanstieg im Jahr 2010 ist ein Ergebnis des wirtschaftlichen Aufschwungs, aber selbst nach der Erholung der Wirtschaft bleiben die Emissionen im EU-EHS erheblich unter der Obergrenze für den Handelszeitraum 2008-2012. Die Zahlen machen aber auch deutlich, dass in einigen Industriezweigen weiterhin überzählige Zertifikate anfallen, die im dritten Handelszeitraum ab 2013 gehandelt werden müssen. Dies zeigt, dass der Emissionshandel den Unternehmen Flexibilität bietet, und beweist, dass in der nächsten Phase noch mehr getan werden kann, um die Emissionen mit einem vertretbaren wirtschaftlichen Aufwand einzudämmen.''
Die Emissionsdaten für 2010
Das EU-EHS umfasst mehr als 12 000 Kraftwerke und Herstellungsbetriebe in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen und Liechtenstein. Die geprüften Treibhausgasemissionen dieser Anlagen1 beliefen sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 1 932 Mrd. Tonnen CO2-Äquivalent, das sind etwa 3 % mehr als 2009.
Der Anstieg der Emissionen war schon vor Bekanntgabe der Daten allgemein erwartet und von Fachleuten vorhergesagt worden. Er erklärt sich durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Rezession, die 2009 zu einem ungewöhnlich starken Rückgang der Emissionen um 11,6 % geführt hatte.
Dieser Anstieg dürfte aber deutlich unter dem Wiederanstieg der Produktion der betreffenden Anlagen liegen, da sich der Produktionsindex der Industrie in der EU-27 im Jahr 2010 gegenüber 2009 um 6,7 % erhöht hat2.
Weitgehende Einhaltung der Vorschriften
Die meisten Unternehmen haben die Regeln des EU-EHS eingehalten. Nur 2 % der an dem System beteiligten Anlagen haben bis zum Stichtag 30. April 2011 keine Zertifikate zur Abdeckung aller ihrer Emissionen für 2010 abgegeben. Dabei handelt es sich in der Regel um kleine Anlagen, die zusammen weniger als 2 % der unter das EU-EHS fallenden Emissionen verursachen. Im selben Zeitraum haben 3 % der Anlagen keine Angaben zu den geprüften Emissionen im Jahr 2010 übermittelt.
Stärkere Verwendung internationaler Gutschriften
Seit 2008 können Industrieanlagen internationale Emissionsreduktionsgutschriften abgeben, die im Rahmen der flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls generiert wurden, um einen Teil ihrer Emissionen auszugleichen. Auf diese Gutschriften (die sogenannten zertifizierten Emissionsreduktionen)3 entfielen im Zeitraum 2008-2010 4,7 % aller abgegebenen Emissionsrechte. Davon stammen 51 % aus China, 20 % aus Indien, 16 % aus Südkorea, 7 % aus Brasilien und die restlichen 6 % aus weiteren 20 Ländern.
Nur 0,4 % aller Abgaben seit 2008 betrafen Emissionsreduktionseinheiten4. Die seit 2008 abgegebenen zertifizierten Emissionsreduktionen und die Emissionsreduktionseinheiten zusammen haben beinahe 21 % der 1,4 Mrd. Gutschriften ausgemacht, die für den Handelszeitraum 2008-2012 vorgesehen sind.
Insgesamt abgegebene Einheiten für Emissionen in der Phase II 2008-2010 | 5 937 783 2725 | 100,0 % |
zertifizierte Emissionsreduktionen und Emissionsreduktionseinheiten | 300 670 872 | 5,1 % |
Kostenlos zugeteilte oder ersteigerte Zertifikate | 5 637 112 400 | 94,9 % |
Hintergrund
Der zweite Handelszeitraum im Rahmen des EU-EHS begann am 1. Januar 2008, läuft fünf Jahre und endet am 31. Dezember 2012. Dieser Zeitraum deckt sich mit dem Zeitraum, in dem die Industrieländer ihre Emissionsziele aus dem Kyoto-Protokoll erreichen müssen. Das EU-EHS wird für den dritten Handelszeitraum, der am 1. Januar 2013 beginnt und bis 2020 läuft, in wesentlichen Punkten überarbeitet. Die Rechtsvorschriften zur Änderung der Emissionshandelsrichtlinie mit überarbeiteten Vorschriften für die Zeit von 2012 bis 2020 und darüber hinaus wurden am 23. April 2009 (IP/09/628) als Teil des Klima- und Energiepakets der EU verabschiedet.
Im Rahmen des EU-EHS müssen Anlagen den Registern der Mitgliedstaaten für jedes Jahr ihre geprüften Emissionen übermitteln. Für 2010 wurden diese Daten am 1. April 2011 über die unabhängige Transaktionsprotokolliereinrichtung der Gemeinschaft (CITL) veröffentlicht. Ab 16. Mai zeigt das CITL auch Daten über die Einhaltung der Verpflichtungen an, aus denen hervorgeht, ob die Anlagen wie vorgeschrieben eine den geprüften Emissionen des Vorjahres entsprechende Zahl von Zertifikaten abgegeben haben.
Weitere Informationen:
CITL-Homepage:
http://ec.europa.eu/environment/ets/
Homepage „Register“ der GD Klimapolitik auf EUROPA
http://ec.europa.eu/environment/climat/emission/citl_en.htm
Das überarbeitete EHS und häufig gestellte Fragen
http://ec.europa.eu/environment/climat/emission/ets_post2012_en.htm
Anhang
MS |
| Zahl der Anlagen | |||||||||||
Österreich | 31 864 806 | 32 612 313 | 27 283 950 | 30 916 759 | 225 | ||||||||
Belgien | 56 797 576 | 55 968 339 | 46 206 938 | 50 103 979 | 362 | ||||||||
Bulgarien | 40 578 499 | 35 186 005 | 31 997 215 | 33 496 716 | 145 | ||||||||
Zypern(2) | 4 815 090 | 5 371 033 | 84 286 | 0 | 13 | ||||||||
Tschechische Republik | 85 902 427 | 86 219 063 | 73 757 440 | 75 579 502 | 422 | ||||||||
Deutschland | 392 298 971 | 400 535 778 | 428 180 008 | 454 718 053 | 1986 | ||||||||
Dänemark | 23 912 314 | 23 906 256 | 25 461 030 | 25 266 343 | 406 | ||||||||
Estland | 11 855 527 | 11 855 527 | 10 322 875 | 14 421 275 | 54 | ||||||||
Spanien | 150 990 564 | 150 623 015 | 136 931 407 | 121 493 412 | 1130 | ||||||||
Finnland | 37 071 449 | 37 926 007 | 34 289 536 | 41 300 761 | 656 | ||||||||
Frankreich | 128 665 409 | 135 130 876 | 111 072 187 | 114 696 993 | 1125 | ||||||||
Vereinigtes Königreich | 217 028 432 | 220 649 151 | 231 936 035 | 237 427 775 | 1136 | ||||||||
Griechenland | 63 246 705 | 64 649 046 | 63 661 572 | 59 939 996 | 160 | ||||||||
Ungarn | 23 917 066 | 25 685 698 | 22 401 259 | 22 995 066 | 271 | ||||||||
Irland | 19 971 563 | 21 034 103 | 17 215 223 | 17 356 018 | 124 | ||||||||
Italien | 203 972 455 | 199 969 821 | 184 799 623 | 191 489 539 | 1192 | ||||||||
Liechtenstein(2) | 19 497 | 17 622 | 13 379 | 1 796 | 2 | ||||||||
Litauen | 7 573 712 | 8 160 865 | 5 786 742 | 6 393 952 | 115 | ||||||||
Luxemburg | 2 488 229 | 2 488 433 | 2 181 694 | 2 252 662 | 15 | ||||||||
Lettland | 3 532 491 | 3 529 165 | 2 489 797 | 3 240 172 | 112 | ||||||||
Malta | 2 121 453 | 2 159 360 | 1 897 113 | 1 878 307 | 2 | ||||||||
Niederlande | 83 834 170 | 84 843 281 | 81 069 057 | 84 429 648 | 443 | ||||||||
Norwegen | 7 957 234 | 7 993 377 | 19 216 690 | 19 333 291 | 119 | ||||||||
Polen | 200 957 640 | 205 349 523 | 190 970 170 | 199 726 907 | 936 | ||||||||
Portugal | 30 505 835 | 32 650 832 | 28 260 550 | 24 167 190 | 280 | ||||||||
Rumänien | 73 711 219 | 74 939 089 | 48 597 209 | 47 334 968 | 271 | ||||||||
Schweden | 21 104 158 | 23 537 861 | 17 480 399 | 22 661 193 | 813 | ||||||||
Slowenien | 8 216 051 | 8 211 776 | 8 067 023 | 8 129 863 | 100 | ||||||||
Slowakische Republik | 32 476 719 | 32 356 123 | 21 595 209 | 21 698 625 | 200 | ||||||||
INSGESAMT | 1 967 387 261 | 1 993 559 338 | 1 873 225 616 | 1 932 450 761 | 12815 | ||||||||
(1) Geprüfte Emissionen für alle Anlagen mit offenen oder geschlossenen Konten im CITL (d. h. auch neue Marktteilnehmer und geschlossene Anlagen). Da dem CITL fortlaufend Informationen zugehen (einschließlich Berichtigungen von geprüften Emissionen, neue Marktteilnehmer und Schließungen), könnten nach dem 30. April durchgeführte Aggregierungen zu einem anderen Ergebnis führen. | |||||||||||||
(2) Die geprüften Emissionen von 2010 für Zypern und Liechtenstein sind unvollständig. | |||||||||||||
Die Anlagen in Zypern haben ihre geprüften Emssionen für 2010 noch nicht übermttelt.
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/4-14022011-AP/EN/4-14022011-AP-EN.PDF
Durch emissionsmindernde Projekte, die im Rahmen des Mechanismus für eine umweltverträgliche Entwicklung (CDM) des Kyoto-Protokolls durchgeführt werden, werden Emissionsrechte, die sogenannten zertifizierten Emissionsreduktionen (CER), generiert.
Emissionsreduktionseinheiten (ERU) sind Gutschriften, die durch emissionsmindernde Projekte des Joint Implementation Mechanism (Verfahren zur gemeinsamen Durchführung von Klimaschutzprojekten) des Kyoto-Protokolls generiert werden.
Insgesamt wurden 136 97 618 Einheiten von CER und ERU zur Einhaltung der Vorschriften für 2010 abgegeben, was 7,1 % der der zur Einhaltung der Vorschriften abgegebenen Einheiten entspricht.