Navigation path

Left navigation

Additional tools

Kartellrecht: Kommission stellt nach Änderung der vertraglichen Bedingungen für die Digitalisierung europäischer Kinos Untersuchung gegen Hollywood-Studios ein

European Commission - IP/11/257   04/03/2011

Other available languages: EN FR IT

IP/11/257

Brüssel, 4. März 2011

Kartellrecht: Kommission stellt nach Änderung der vertraglichen Bedingungen für die Digitalisierung europäischer Kinos Untersuchung gegen Hollywood-Studios ein

Die Europäische Kommission hat eine kartellrechtliche Untersuchung zur Digitalisierung der europäischen Kinos eingestellt, nachdem einige große US-Filmstudios in Hollywood ihre vertraglichen Bestimmungen zur Finanzierung und Installierung digitaler Projektionstechnik in Kinos geändert haben. Die Kommission hatte befürchtet, dass die Bestimmungen in ihrer ursprünglichen Form kleinen Filmverleihern den Zugang zu digitalen Kinos versperren könnten, was gegen das EU-Verbot wettbewerbsbeschränkender Geschäftspraktiken (Artikel 101 AEUV) verstoßen hätte. Die geänderten Bestimmungen erleichtern unabhängigen Produktionen und Autorenfilmen nun den Zugang zu Kinos, die mit neuester Digitaltechnik ausgestattet sind.

Ich freue mich, dass Hollywood-Studios unseren legitimen Befürchtungen Rechnung getragen und die Verträge so geändert haben, dass die Kinogänger nun nicht nur Hollywood-Kassenschlager, sondern auch Low-Budget-Produktionen und Autorenfilme in der neuesten Projektionstechnik anschauen können,” so der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, Joaquín Almunia.

Einige Hollywood-Filmstudios haben die Verträge, die sie mit zwischengeschalteten Dritten („Systemanbietern”) und Kinobetreibern über die Finanzierung und Installierung digitaler Projektionstechnik geschlossen haben, geändert. Vorausgegangen war eine Voruntersuchung der Kommission, bei der es um die Frage ging, ob diese Verträge den Zugang unabhängiger Verleiher zu Kinos mit Digitaltechnik beschränken könnten.

Wie die Fernsehanstalten stellen auch die Kinos auf Digitaltechnik um, da diese neben Kosteneinsparungen und einer gleichbleibend hohen Qualität eine bessere Bild- und Tonqualität bietet. Schätzungen zufolge werden mehr als 18 000 Kinos, d. h. rund 50 % aller Kinos in Europa, bis Ende 2012 auf Digitaltechnik umgestellt haben.

Doch sind digitale Projektionssysteme (einschließlich Installierung, Finanzierungskosten und Garantien) mit erheblichen Kosten verbunden. Um den Kinos einen Anreiz für die Umstellung auf Digitaltechnik zu geben, haben die großen Hollywood-Filmstudios ihr Geschäftsmodell aus den USA nach Europa importiert. Bei diesem Modell, dem so genannten VPF-Modell (Virtual Print Fee = virtuelle Filmgebühr), beteiligen sich sowohl die Filmverleiher (einschließlich der großen Hollywood-Filmstudios) als auch die Kinos an den Investitionskosten.

In der Regel beschafft dabei der Systemanbieter die notwendigen Finanzmittel, übernimmt die Vorfinanzierung für die digitale Ausrüstung und installiert sie in den Kinos. Die Filmverleiher zahlen dem Systemanbieter (der bis zur Rückzahlung Eigentümer der Ausrüstung bleibt) jedes Mal, wenn in einem Kino ein digitaler Film gezeigt wird, zur Abgeltung der Kosten der Ausrüstung eine VPF. Die VPF-Zahlungen decken die Kosten größtenteils ab, den Rest tragen die Kinobetreiber, die dem Systemanbieter hierfür eine Vorauszahlung leisten. Der größte Teil der VPF-Zahlungen dürfte von den großen Hollywood-Studios kommen.

Die Kommission hat aus eigener Initiative eine Untersuchung zu den Verträgen zwischen Hollywood-Studios und Systemanbietern eingeleitet, da viele dieser Verträge dem Filmstudio die günstigsten Bedingungen (einschließlich niedrigerer VPF-Zahlungen) einräumten, die zwischen einem bestimmten Systemanbieter und Filmstudio oder Verleiher vereinbart worden waren. Nach Aussagen der Beteiligten sollten diese Bestimmungen sicherstellen, dass Konkurrenten (in erster Linie die anderen großen Hollywood-Studios) nicht in geringerem Umfang zur Umstellung auf Digitaltechnik beitragen, dabei aber den gleichen Zugang zur digitalen Projektionstechnik in europäischen Kinos erhalten.

Die Kommission vertrat die Auffassung, dass diese Verträge zwar einen Anreiz zur Verbreitung der Digitaltechnik in europäischen Kinos darstellten, die Systemanbieter aber auch davon abhalten könnten, mit den Verleihern von unabhängigen Produktionen/Autorenfilmen, die ein anderes Geschäftsmodell verfolgen als die großen Hollywood-Studios, Verträge zu schließen, da sie den ursprünglichen Vertragsbedingungen zufolge den großen Hollywood-Studios und ihnen die gleichen Konditionen bieten müssten.

Die nun von den großen Hollywood-Studios vorgeschlagenen Änderungen werden den Verleihern von unabhängigen Produktionen/Autorenfilmen den Zugang zu Kinos mit Digitalausstattung erleichtern.

Da große Hollywood-Filmstudios die wettbewerbsrechtlichen Bedenken in einem frühen Stadium ausgeräumt haben, hat die Kommission ihre Voruntersuchung abgeschlossen (ohne ein förmliches Verfahren einzuleiten).

Sie wird die Umstellung vom analogen zum digitalen Kino auch weiterhin eingehend überwachen.

Die Europäische Kommission unterstützt die Digitalisierung der Europäischen Kinos via dem Europäischen Regionalfonds und dem MEDIA Programm (siehe

IP/10/1168).


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website