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EU-Justizkommissarin Viviane Reding drängt auf höheren Frauenanteil in den Vorstandsetagen europäischer Unternehmen

European Commission - IP/11/242   01/03/2011

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IP/11/242

Brüssel, den 1. März 2011

EU-Justizkommissarin Viviane Reding drängt auf höheren Frauenanteil in den Vorstandsetagen europäischer Unternehmen

Europas Unternehmenslandschaft ist noch immer männlich dominiert: nur jedes zehnte Vorstandsmitglied in Europas größten Unternehmen ist eine Frau, und in 97 % der Fälle ist der Vorstandsvorsitzende männlich. Studien haben ergeben, dass Unternehmen mit einer höheren Zahl an weiblichen Führungskräften besser abschneiden als solche mit „rein männlich“ besetzten Vorständen. Sie erzielen höhere Betriebsergebnisse, sind attraktivere Arbeitgeber für junge Talente und haben ein besseres Kundenverständnis. Nicht nur für Europas Unternehmen ist das Potenzial der Arbeitnehmerinnen unverzichtbar – auch Wirtschaft und Gesellschaft profitieren davon. Frauen stellen 60 % der Universitätsabgänger, sind aber in Entscheidungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Auf einem speziell zu diesem Thema einberufenen Gipfel in Brüssel trifft die Vizepräsidentin der EU-Kommission Viviane Reding heute Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende von börsennotierten Unternehmen aus zehn europäischen Ländern (siehe Anhang). Vizepräsidentin Reding leitet das Treffen heute gemeinsam mit Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank. Auf dem Programm stehen Diskussionen darüber, wie erreicht werden kann, dass mehr Frauen in die Vorstandsetagen einziehen und ob eine deutliche Veränderung der Situation eher über Selbstverpflichtungen oder auf dem Verordnungsweg erreichbar ist. Am Nachmittag wird in der Generaldirektion Justiz der Kommission ein „Mini-Hearing“ mit den Sozialpartnern zum selben Thema abgehalten (siehe Anhang).

Das heutige Treffen zwischen der Kommission und den Führungskräften und Sozialpartnern ist der erste Schritt zu einem ausgewogeneren Geschlechterverhältnis in den Vorstandsetagen und den leitenden Positionen der größten europäischen Unternehmen. Dieses Thema stand zum ersten Mal im September 2010 auf der Tagesordnung, als die Europäische Kommission in ihrer auf Vorschlag von Vizepräsidentin Reding hin erstellten Strategie zur Chancengleichheit (siehe IP/10/1149) erklärte, „die Möglichkeit gezielter Initiativen zur Verbesserung des Geschlechtergleichgewichts in Entscheidungsprozessen prüfen” zu wollen. Mittels eines Meinungsaustausches mit Unternehmen und Sozialpartnern auf der Grundlage von heute veröffentlichten neuen Zahlen möchte die Kommission in Erfahrung bringen, welche Maßnahmen sie getroffen haben oder in naher Zukunft treffen wollen, um das Gleichgewicht der Geschlechter in den Leitungsgremien zu verbessern. Über die nächsten zwölf Monate wird die Kommission den Fortschritt genau beobachten, danach wird sie entscheiden, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.

„Ich möchte eine klare Botschaft an die europäischen Unternehmen richten: Frauen sind ein Gewinn“, sagte die für Justiz zuständige Kommissarin Reding. „Wir müssen alle Talente unserer Gesellschaft nutzen, damit die europäische Wirtschaft erfolgreich ist. Deshalb ist der Dialog zwischen der Kommission und den Sozialpartnern so wichtig. Ich glaube, dass Selbstverpflichtungen schon etwas ändern könnten, wenn sie glaubwürdig sind und in ganz Europa Wirkung zeigen. Ich werde das Thema in einem Jahr noch einmal aufgreifen. Wenn die Selbstverpflichtungen wirkungslos sind, werde ich weitere Maßnahmen auf EU-Ebene ergreifen.“

Der neue Bericht über das Geschlechtergleichgewicht in Führungspositionen (Gender Balance in Business Leadership, in englischer Sprache) kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen im Durchschnitt 12 % der Vorstandsmitglieder der größten börsennotierten Unternehmen in der EU und lediglich 3 % der Vorstandsvorsitzenden stellen (siehe Anhang). Die Zahlen sind je nach Land unterschiedlich, von 26 % weiblichen Vorstandsmitgliedern in Schweden und Finnland bis zu 2 % in Malta.

Obwohl das Ziel eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses (ein Mindestanteil von 40 % Frauen bzw. Männern) in Europa nur langsam erreicht wird, gibt es in einigen Ländern Fortschritte. Finnland, Schweden, die Niederlande und Dänemark haben Corporate-Governance-Kodizes und/oder freiwillige Vorgaben eingeführt, die zu einem höheren Frauenanteil in den Vorstandsetagen geführt haben. In Norwegen sind bereits gesetzliche Quoten vorhanden, in Frankreich und Spanien hat man diese soeben beschlossen. In den Niederlanden, Italien und Belgien wird eine Einführung diskutiert.

Hintergrund

Die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und Männern an Entscheidungsprozessen ist eines der Ziele der „Charta für Frauen“ (siehe IP/10/237), die von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Vizepräsidentin Reding im März 2010 initiiert wurde. Im September 2010 nahm die Kommission zur Bekräftigung ihres Engagements eine Strategie zur Chancengleichheit für die nächsten fünf Jahre an (siehe IP/10/1149 und MEMO/10/430), in der gezielte Initiativen für mehr Frauen in Entscheidungspositionen in der Wirtschaft enthalten sind.

Es gibt sowohl wirtschaftliche als auch unternehmensinterne Gründe für ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in den Leitungsgremien von Unternehmen. Mehr Frauen (59 %) als Männer (41 %) erwerben in Europa heutzutage einen Universitätsabschluss, auf der Karriereleiter fallen sie jedoch hinter die Männer zurück. Das bedeutet, dass das Arbeitskräftepotenzial für die Wirtschaft nicht voll genutzt wird. Gleichzeitig können Unternehmen von mehr Frauen in Führungspositionen profitieren. Eine Reihe von Studien weist auf Zusammenhänge zwischen Geschlechtergleichgewicht und hervorragenden Leistungen in den Bereichen Kreativität, Innovation, Rechnungslegung, Audit und interne Revision hin. Frauenfreundliche Unternehmen sind auch attraktiver für Kundinnen und potenzielle talentierte neue Mitarbeiterinnen.

Im Geschlechtergleichstellungsbericht für 2010 wird betont, dass zwar überall positive Trends erkennbar sind, der Fortschritt jedoch zu gering ist. Der Unterschied in der EU-weiten Beschäftigungsquote zwischen Frauen und Männern hat sich 2009/2010 von 13,3 % auf 12,9 % verringert, und die Frauenbeschäftigungsquote beträgt nun 62,5 %. Die Arbeitslosigkeit ist jedoch sowohl bei Männern als auch bei Frauen durch die Krise gestiegen. Frauen üben mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Teilzeitbeschäftigung aus als Männer.

Zusätzlich bewältigen die Frauen noch immer den Großteil der Betreuungsaufgaben. Die Arbeitsmarktbeteiligung von Müttern ist um 11,5 % geringer als bei Frauen ohne Kinder, während die Beteiligungsquote von Vätern um 8,5 % höher ist als bei kinderlosen Männern. Die Probleme bei der Vereinbarung von Beruf, Familie und Privatleben sind einer von vielen Gründen für die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede: Frauen verdienen EU-weit durchschnittlich 17,5 % weniger als Männer, und der Lohnunterschied hat sich in den letzten Jahren nicht verringert.

Weitere Informationen

ANNEX

Business Leaders Summit on Women Quota / Participants

In the Chair:

Viviane Reding, EU Justice Commissioner and Vice-President of the European Commission and Gertrude Tumpel-Gugerell, Member of the Exective Board of the European Central Bank

Name of the Company

CEO / Chairman

Sector

Country

Wolters Kluwer

Adri BAAN (Chairman supervisory board)

Media

Netherlands

Guerlain

Laurent BOILLOT

(CEO)

Cosmetics

France

ZON Multimedia

Rodrigo COSTA

(CEO)

Communication

Portugal

Ageas

Jozef DE MEY

(Chairman supervisory board)

Insurance

Belgium

Dexia

Jean-Luc DEHAENE

(Chairman board of directors)

Banking

Belgium

Kongsberg Automotive Holding

Ulla-Britt FRÄJDIN-HELLQVIST

(Chairman board of directors)

Manufacture

Norway

Strabag SE

Alfred GUSENBAUER

(Chairman supervisory board)

Construction industry

Austria

BASF

Jürgen HAMBRECHT

(CEO)

Chemical

Germany

Groupe Delhaize

Georges JACOBS DE HAGEN

(Chairman board of directors)

Food Retailer

Belgium

OMV (Österreichischen Mineralölverwaltung)

Österreichischen Post AG

Telekom Austria AG

Peter MICHAELIS

(Chairman of the three supervisory boards)

Energy

Postal Services

Telecommunication

Austria

Statoil

Svein RENNEMO

(Chairman board of directors)

Energy

Norway

NovoNordisk

Sten SCHEIBYE

(Chairman board of directors)

Pharmaceutical

Denmark

Luxempart S.A.

François TESCH

(CEO)

Financial

Luxembourg

Allami Nyomda Plc

Gabor ZSAMBOKI

(CEO)

Printing

Hungary

List of participants of the mini-hearing on women quota

Network / Organisation

BUSINESSEUROPE

European Trade Union Confederation (ETUC )

European Centre of Employers and Enterprises (CEEP)

European Association of Craft, Small and Medium-sized Enterprises (UEAPME)

European Women's Lawyers' Association

European Professional Women's Network

European Women's Lobby

Women and men on the boards of the largest listed companies (2010)

Source: European Commission, Database on women and men in decision-making.

Share of women and men in decision-making positions (2010)

Employment rates of women and men (25-49) depending on whether they have children under 12 (EU 27, 2009)

Sex distribution of tertiary education graduates for EU (2009)


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