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IP/11/148

Brüssel, den 14. Februar 2011

Digitale Agenda: Europäer nutzen laut EU-Studie Mobiltelefone auf Auslandsreisen stärker, fürchten jedoch weiterhin Kosten

Den heute von der Europäischen Kommission vorgestellten Ergebnissen einer Erhebung zufolge machen sich fast drei Viertel der Europäer bei Reisen in der EU Sorgen über die Kosten der Nutzung ihres Mobiltelefons. Der Mehrheit der Befragten ist zwar bekannt, dass die Preise seit 2006 gefallen sind, dennoch schränken sich 72 % der Reisenden beim Telefonieren im Ausland ein. Nur 19 % derjenigen, die im Ausland Internetdienste auf ihrem Mobiltelefon nutzen, sind der Ansicht, dass die für das Datenroaming (beim Surfen im Internet oder Abrufen von E-Mails) anfallenden Kosten fair sind. Die Ergebnisse dieser Erhebung und der öffentlichen Konsultation zur Zukunft der Roamingverordnung (IP/10/1679), die am 11. Februar endete, fließen in die bis Juni 2011 fällige Überarbeitung der derzeitigen Roamingvorschriften der EU durch die Kommission ein. Im Rahmen der Digitalen Agenda für Europa (siehe IP/10/581, MEMO/10/199 und MEMO/10/200) wird bis 2015 eine nahezu vollständige Einebnung der Unterschiede zwischen Roamingtarifen und nationalen Tarifen angestrebt.

Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission, sagte hierzu: „Die Telekom-Gesellschaften müssen auf ihre Kunden hören. Die Verbraucher meinen, dass insbesondere beim Datenroaming noch große Verbesserungen möglich sind. Ich möchte, wie in der Digitalen Agenda für Europa angekündigt, bessere Roaminglösungen für die europäischen Bürger und Unternehmen gewährleisten.“

Mehr Roaming

Die Erhebung zeigt, dass heute mehr Menschen bei Reisen in der EU ihre Mobiltelefone benutzen als vor vier Jahren, als die EU erstmals Roamingvorschriften eingeführt hat. Obwohl die Reisetätigkeit zwischen 2006 und 2010 um circa 13 % zurückging, stieg das Gesamtvolumen der auf Reisen in der EU entgegengenommenen Anrufe und versandten SMS während dieses Zeitraums an. Die Reisenden gaben an, gegenüber 2006 32 % mehr Anrufe zu tätigen, 31 % mehr Anrufe zu empfangen und 43 % mehr SMS zu versenden.

Unterschiedliche Gewohnheiten

Daneben macht die Erhebung deutlich, wie die Gewohnheiten sich innerhalb von Europa unterscheiden. Einige Beispiele:

  • Männer führen eher Telefongespräche (57 %), während SMS überwiegend von Frauen versandt werden (56 %).

  • 88 % der Zyprioten nutzen zumeist Sprachtelefoniedienste, hingegen nur 44 % der britischen Reisenden.

  • 81 % der irischen Mobilfunknutzer ziehen auf Reisen in der EU SMS vor, hingegen nur 24 % der Portugiesen.

  • 32 % der Bulgaren nutzen ihr Handy im Ausland überhaupt nicht.

  • Jüngere Nutzer nehmen Roamingdienste heute sehr viel stärker in Anspruch als 2006 (abgehende Sprachanrufe: +43 %, eingehende Anrufe: +42 %, versandte SMS: +51 %).

  • 30 % der Rentner und 15 % der 25- bis 39-Jährigen nutzen ihr Mobiltelefon im Ausland überhaupt nicht.

Besorgnis über hohe Kosten von Sprach- und Datenroaming

Von den Befragten, die häufig Reisen unternehmen, wussten 61 %, dass die Roaminggebühren nach dem Eingreifen der EU gesenkt wurden. Der Wandel im Verbraucherverhalten war jedoch nicht rundweg positiv:

  • Etwa ein Fünftel der Mobilfunknutzer hat die Inanspruchnahme von Roamingdiensten in den letzten vier Jahren verringert. Ursache hierfür ist ihre Wahrnehmung der Kosten.

  • 72 % der Mobilfunkkunden schränken sich bei der Handynutzung im Ausland ein, weil sie sich Sorgen wegen der Kosten machen.

  • 81 % der Schweden, 72 % der Italiener und 57 % der Griechen nutzen Roamingdienste aus Kostengründen weniger.

Die Erhebung belegt auch, dass Datenroamingdienste (wie das Surfen im Internet oder das Herunterladen von Daten) nun beginnen, sich durchzusetzen: 10 % der Befragten nutzen diese Dienste.

  • 17 % der Litauer und 15 % der Spanier geben an, dass Datenroaming der Dienst ist, den sie im Ausland am häufigsten in Anspruch nehmen, während nur 2 % der Ungarn und 4 % der Deutschen diesen Dienst am meisten nutzen.

  • Unter den Jüngeren finden sich mehr Datenroamingnutzer: 15 % der 15- bis 24-Jährigen gehen im Ausland mit ihrem Handy ins Internet – gegenüber nur 6 % der über 55-Jährigen.

  • Allerdings werden die Kosten des Datenroaming generell als überhöht betrachtet, nur 19 % der Befragten bezeichneten die Kosten von Datenroamingdiensten als angemessen.

Hintergrund:

Im Rahmen der Eurobarometer-Sondererhebung zum Roaming wurden im August und September 2010 mehr als 26 500 Bürger in den 27 EU-Mitgliedstaaten befragt. Die Primärstichprobe umfasste EU-Bürger, die ein Mobiltelefon besitzen und in den letzten fünf Jahren Reisen in der EU unternommen haben.

Der EU-Ministerrat und das Europäische Parlament führten 2007 auf Vorschlag der Kommission erste Roaming-Preisobergrenzen ein (IP/07/870), um dafür zu sorgen, dass Mobilfunkkunden überall in der EU vergleichbare Roamingtarife bezahlen. Im Juli 2009 verabschiedeten sie dann geänderte Vorschriften zur weiteren Senkung der Roamingpreise, so dass in der EU ab Juli 2011 als Regelsätze Roamingentgelte von 35 Cent pro Minute für ausgehende Anrufe und 11 Cent pro Minute für eingehende Anrufe gelten werden (siehe IP/09/1064 und MEMO/09/309). Ab dem 1. Juli 2010 wurde die Kostenobergrenze für Datenroaming automatisch auf 50 EUR ohne MwSt. festgesetzt (sofern die Reisenden nicht ausdrücklich eine höhere oder niedrigere Obergrenze gewünscht hatten), und die Betreiber müssen seither den Kunden einen Warnhinweis übermitteln, wenn diese 80 % ihres Datenroaminglimits erreicht haben (IP/10/843). Die Roamingvorschriften von 2009 gelten bis Ende Juni 2012.

Im Hinblick auf die Verwirklichung eines wettbewerbsorientierten Roaming-Binnenmarktes wird die Kommission das Funktionieren der EU-Roamingvorschriften bis zum 30. Juni 2011 einer umfassenden Überprüfung unterziehen und ermitteln, in welchem Umfang die Ziele der Vorschriften erreicht wurden und ob im Bereich der Roamingdienste wirksamer Wettbewerb herrscht.

Weitere Informationen:

Der vollständige Eurobarometer-Bericht kann unter folgender Adresse aufgerufen werden:

http://ec.europa.eu/information_society/activities/roaming/what_is/report/index_en.htm

Die Internetseite von Neelie Kroes:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/kroes/

Die Internetseite zur Digitalen Agenda:

http://ec.europa.eu/information_society/digital-agenda/index_en.htm

Siehe auch SPEECH/11/99


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