Chemin de navigation

Left navigation

Additional tools

IP/10/967

Brüssel, den 19. Juli 2010

Die Präsidenten von Kommission, Parlament und Europäischem Rat diskutieren mit Glaubensführern über die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung in Europa

Auf Einladung von Kommissionspräsident José Manuel Barroso kamen heute in Brüssel rund 20 hochrangige Vertreter von Christentum, Judentum, Islam, der Sikh- und der Hindu-Gemeinschaft zusammen. Schirmherren des Treffens waren der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek und EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Sie diskutierten Möglichkeiten der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung als vorrangige Aufgabe der europäischen Politik.

Das auf Initiative von Präsident Barroso 2005 ins Leben gerufene jährliche Treffen wird bereits zum sechsten Mal veranstaltet. Allerdings finden die Gespräche zum ersten Mal seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon statt, der in Artikel 17 fordert, dass die Union einen „offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog“ mit den Religionen, Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften pflegt. Das heutige Treffen unterstreicht die Bedeutung, die die europäischen Organe diesem Dialog beimessen.

Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte: „In Europa leben mehrere Millionen Bürger am Rande der Gesellschaft. Ein echtes Armutszeugnis für eine der reichsten Regionen der Welt! Da sich Europa allmählich von der Krise erholt, ist mein Ziel eine Gesellschaft, die nicht nur auf Wachstum ausgerichtet ist, sondern auch die Schwächsten einbindet. Kirchen und Glaubensgemeinschaften leisten wichtige soziale Dienste in den EU-Mitgliedstaaten. Wenn wir die Armut wirksam bekämpfen wollen, müssen wir uns ihre langjährige und weitreichende Erfahrung zunutze machen.“

Der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek fügte hinzu: „Die Aussicht auf ein besseres Leben für alle, aber auch wirklich alle Menschen muss das Herzstück des europäischen Einigungswerks bleiben. Die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung kann nur in partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Laien und Kirchen auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene erfolgen. An oberster Stelle steht die Wiederherstellung der wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit. Die Kirchen sind hierbei von entscheidender Bedeutung, da sie über langjährige Erfahrung im Umgang mit Menschen und Gemeinschaften verfügen. Gerade in der heutigen Krisenzeit ist diese Erfahrung von unschätzbarem Wert.“

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erklärte: „Wir alle wissen, dass diese Frage in engem Zusammenhang steht mit einem Dach über dem Kopf, einem besseren Zugang zum Arbeitsmarkt und einer ordentlichen Gesundheitsversorgung, d.h. mit den sogenannten materiellen Lebensgrundlagen. Bei der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung geht es aber im Wesentlichen um die Wiederherstellung der Menschenwürde, der Würde von Männern und Frauen. Genau deshalb dürfen gesellschaftliche, kulturelle und ethische Gesichtspunkte nicht außer Acht gelassen werden.“

Im Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung treten die europäischen Organe im Rahmen der Europäischen Plattform zur Bekämpfung der Armut in einen Dialog mit der Zivilgesellschaft, NRO, öffentlichen Verwaltungen und anderen karitativen Einrichtungen, um neue Konzepte, Maßnahmen und Partner für die europaweite Bekämpfung von Armut zu finden.

Neben sozialverträglichem Wachstum und gesellschaftlichem Zusammenhalt steht die Beschäftigung im Mittelpunkt der Strategie „Europa 2020“. Eines ihrer EU-weit vereinbarten Ziele besteht darin, die Zahl der armutsgefährdeten und von sozialer Ausgrenzung bedrohten Europäer um mindestens 20 Millionen zu senken. Die Fortschritte werden anhand der drei folgenden Kriterien gemessen: Armutsgefährdung, materielle Benachteiligung sowie Familien ohne Erwerbstätigkeit. Durch diese EU-Indikatoren und die regelmäßige Überprüfung der Fortschritte werden auch die Mitgliedstaaten in die Verantwortung gezogen.

Zwei weitere zentrale Ziele der Strategie verdeutlichen die Notwendigkeit, die Gerechtigkeit und Qualität im Bildungsbereich zu erhöhen: zum einen soll die Schulabbrecherquote auf unter 10 % gesenkt werden, zum anderen soll der Anteil der 30- bis 40-Jährigen, die ein Hochschulstudium abgeschlossen oder über einen gleichwertigen Abschluss verfügen, auf mindestens 40 % erhöht werden.

Die Gespräche verliefen offen und ehrlich. Die Glaubensführer aus 14 Mitgliedstaaten (Frankreich, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Belgien, Italien, Niederlande, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Ungarn, Slowakei, Polen und Dänemark) erklärten, dass sie hinter der Strategie „Europa 2020“ und ihren sozialen und bildungspolitischen Zielen stehen. Sie legten den europäischen Organen nahe, die Chance zu nutzen, insbesondere im Hinblick auf einen verbesserten Zugang zum Arbeitsmarkt, eine gezieltere Ausrichtung sozialer Dienste in den Mitgliedstaaten und die Gewährleistung von Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung und Ausbildung.

Sie bekräftigten ihr künftiges Engagement für eine Stärkung des sozialen Zusammenhalts sowie für Solidarität und Zivilcourage unter den Europäern. Sie betonten, dass eine Überwindung der gegenwärtigen Krise nur dann möglich ist, wenn der Mensch und die soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt der europäischen Politik stehen.

Folgende Mitglieder der Europäischen Kommission nahmen ebenfalls an den Gesprächen teil: Vizepräsidentin Viviane Reding, Vizepräsident Antonio Tajani, Vizepräsident Maroš Šefčovič, Kommissarin Maria Damanaki und Kommissar László Andor.

Teilnehmerliste: siehe MEMO/10/342

Link zur Strategie „Europa 2020

Link zu „2010: Europäisches Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung

Link zu den Eckdaten zur sozialen Ausgrenzung

Weitere Informationen zum Dialog der EU mit den Religionen, Kirchen und Glaubensgemeinschaften


Side Bar

Mon compte

Gérez vos recherches et notifications par email


Aidez-nous à améliorer ce site