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Brüssel, den 24. Juni 2010

Euroraum-Quartalsbericht – Schwerpunkt auf künftigen Herausforderungen für Exporteure des Euroraums

Exporte aus dem Euroraum, Exportleistung vor der Krise und bevorstehende Herausforderungen – das sind die Themen des Hauptteils der zweiten Ausgabe des Quartalsberichts im Jahr 2010. Während des Jahrzehnts vor der Krise profitierten die Exporteure aus dem Euroraum von dem robusten Wachstum der aufstrebenden Nachbarmärkte und der starken Spezialisierung in einigen wichtigen Exportsektoren, die den Export kräftig ankurbelten. Ihre relativ starke Wettbewerbsposition lässt eine erfolgreiche Nutzung der sich aus der derzeitigen Erholung des Welthandels ergebenden Möglichkeiten erwarten. Dafür müssen jedoch einige wichtige, in der Krise zutage getretene Herausforderungen bewältigt werden. Politiker können Unternehmen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen durch die Schaffung von Innovationsanreizen und die Verbesserung des Unternehmensumfelds unterstützen. Neben dem Außenhandel wirft der Bericht auch ein neues Licht auf die Ursachen der jüngsten Rezession im Euroraum und die Auswirkungen der Krise auf die Konvergenz der Konjunkturzyklen der Mitgliedstaaten des Euroraums.

Die jüngste Krise und die schweren Turbulenzen im Welthandel haben die Aufmerksamkeit auf die Rolle, die die Außenwirtschaft bei der Ausbreitung von Konjunkturschocks spielt, gelenkt. Im Hauptteil des Berichts wird genauer auf den Exportsektor des Euroraums eingegangen und versucht, seine Stärken und Schwächen zu untersuchen, um mehr Kenntnisse über seine erwartete Leistung in der Nachkrisenzeit zu erhalten. Dem Bericht zufolge war die Exportleistung des Euroraums im Jahrzehnt vor der Krise relativ stark. Dies ist umso bemerkenswerter, als der Euro während dieses Zeitraums einen breiten Aufwertungstrend zeigte.

Die relativ starke Exportleistung des Euroraums ist auf die strukturellen Merkmale des Exportsektors zurückzuführen. Exporteure aus dem Euroraum profitierten von einer starken Position in den schnell wachsenden Nachbarländern wie Russland und den neuen EU-Mitgliedstaaten. Die Struktur der Exporte des Euroraums erwies sich als relativ wachstumsfördernd, obwohl sie eine geringere Spezialisierung in IKT-Produkte und eine größere Konzentration auf arbeitsintensive Produkte als in den USA oder Japan aufweist. Insbesondere erbrachten Exporteure des Euroraums eine gute Leistung in einigen wichtigen Exportsektoren, wodurch der Export kräftig angekurbelt wurde. Diese Sektoren umfassen Spitzentechnologiesektoren wie Arzneimittel, für die die weltweite Nachfrage schnell ansteigt, aber auch langsamer wachsende Sektoren mit mittlerem Technologieniveau wie Maschinenbau und Verkehr, in denen der Euroraum Marktanteile gewann. Exporteure konnten nachweislich auch durch die Spezialisierung auf die Erzeugung von Produkten des oberen Qualitätssegments einer Produktgruppe im Wettbewerb mithalten.

Trotz der relativ guten Leistung vor der Krise hatte der Einbruch des Welthandels während der Krise schwerwiegende Auswirkungen auf die Exporteure des Euroraums. Die Nachkrisenzeit dürfte auch eine Reihe von Herausforderungen bringen. Erstens sollen Schwellenländer wie Asien und Lateinamerika im Welthandel an Bedeutung gewinnen. Dadurch werden zwar neue Möglichkeiten für Exportunternehmen in fortgeschrittenen Volkswirtschaften geschaffen, gleichzeitig aber auch der Wettbewerb in den globalisierten Märkten verstärkt. Zweitens dürfte die erforderliche Bilanzsanierung in einigen wichtigen Exportbestimmungsorten des Euroraums, wie Osteuropa oder den USA, dauerhafte negative Folgen für die Auslandsnachfrage bei Exporten des Euroraums mit sich bringen. Außerdem hat die Krise strukturelle Ungleichgewichte in einigen wichtigen Exportsektoren des Euroraums aufgezeigt, vor allem im Verkehrssektor. Die künftige Position der Exporteure des Euroraums hängt daher davon ab, wie sich die Unternehmen an diese Entwicklungen anpassen.

In einem anderen Teil des Berichts wird darüber hinaus eingehender untersucht, auf welche Weise preisunabhängige Faktoren wie Innovationen und Unternehmensumfeld das Exportwachstum beeinflussen. Die ökonometrischen Ergebnisse zeigen, dass innovative Volkswirtschaften mit günstigen Geschäftsbedingungen einen höheren Export verzeichnen. Aus diesem Grund können Politiker Unternehmen im Euroraum durch die Schaffung günstiger Bedingungen für unternehmerische Initiative und Innovation in der heimischen Wirtschaft dabei unterstützen, von der derzeitigen schnellen Erholung im Welthandel zu profitieren.

Ein weiterhin wichtiges Thema, das in dieser Ausgabe des Quartalsberichts ebenfalls behandelt wird, bezieht sich auf bessere Kenntnisse über die Ursachen und Mechanismen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Im Bericht wird auf der Grundlage der letzten Version des QUEST-Modells der Kommission eine quantitative Bewertung der relativen Bedeutung verschiedener Faktoren bei der Erklärung der Rezession im Euroraum durchgeführt. Der Analyse zufolge war der Rückgang des BIP im Euroraum hauptsächlich auf die erhebliche Produktivitätseinbuße und den Investitionsrückgang zurückzuführen. Die Rezession wurde durch den Einbruch des Welthandels weiter verschärft. Andere Faktoren, denen während der Krise viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wie das Platzen der Immobilienblase und die Verschärfung der Kreditkonditionen für Haushalte, scheinen allerdings keine wesentliche treibende Kraft für den Konjunktureinbruch im Euroraum gewesen zu sein.

Die Auswirkungen der Krise auf Konjunkturunterschiede im Euroraum stellen ein anderes krisenbezogenes Thema dar, das im Bericht analysiert wird. Die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten haben sich zwar seit der Einführung des Euro sehr parallel zueinander bewegt (d.h. ihre Konjunkturhöhepunkte und ‑tiefpunkte lagen nahe beieinander), einige Mitgliedstaaten profitierten in den Jahren kurz vor der Krise allerdings von einem vergleichsweise stärkeren Konjunkturaufschwung (Irland, Griechenland, Spanien und Finnland). Dies ist hauptsächlich auf starke Kreditzyklen (Irland, Griechenland, Spanien) sowie den Boom des Welthandels (Finnland) zurückzuführen. Dieser Phase des zyklischen Ungleichgewichts folgte kürzlich eine erneute Konvergenz, da die betroffenen Länder aufgrund der erforderlichen Konsolidierung ihrer überlasteten Bilanzen vergleichsweise stärkere Rezensionen verzeichneten. Diese Konvergenz kann möglicherweise auch nur vorübergehend sein. Im Fall von nicht ausreichend flexiblen Volkswirtschaften können die Deleverage-Prozesse eine verzögerte Wirkung haben. Eine erneute Divergenz der Konjunkturzyklen kann aufgrund einer verlangsamten Konjunkturerholung und einer dringend erforderlichen Verringerung des Fremdkapitals in einigen Ländern daher mittelfristig nicht ausgeschlossen werden.


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