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Brüssel, 22. Juni 2010

Neue Umfrage zur Armut: Immer mehr Menschen haben Probleme, über die Runden zu kommen

Ein Sechstel der Europäer hat nach eigener Aussage permanent Schwierigkeiten, die Haushaltsrechnungen zu bezahlen, und drei Viertel glauben, dass die Armut in ihrem Land letztes Jahr zugenommen hat. Dies sind die Kernaussagen einer neuen Eurobarometer-Umfrage über die sozialen Auswirkungen der Krise, die heute von der EU‑Kommission vorgestellt wurde. Die im Mai 2010 durchgeführte Umfrage liefert einen Überblick über die Situation zur Mitte des Europäischen Jahrs gegen die Armut 2010, nachdem die EU‑Staats- und Regierungschefs am 17. Juni beschlossen haben, 20 Millionen Europäern in den nächsten zehn Jahren aus Armut und sozialer Ausgrenzung herauszuhelfen.

László Andor, EU‑Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, sagte vor den Medien in Brüssel: „Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen, dass Armut in der EU ein großes Problem darstellt und dass die gegenwärtige wirtschaftliche und finanzielle Lage die Situation weiter verschärft. Die Krise verlangt ihren Tribut, und ein großer Teil der Europäer hat heutzutage Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen.“ Weiter fügte er hinzu: „Die neue EU‑Strategie für die nächsten zehn Jahre – Europa 2020 – und ihr Ziel, mindestens 20 Millionen Europäern bis 2020 aus der Armut zu helfen, zeigt deutlich, wie sehr sich die Länder dafür einsetzen, ein gerechteres Europa für alle Einwohner zu schaffen.“

Insgesamt glauben die EU‑Bürger, dass die Armut im Jahr vor der Umfrage überall zugenommen habe: 6 von 10 glauben, die Armut habe in ihrem lokalen Umfeld zugenommen, drei Viertel meinen, sie habe in ihrem Land zugenommen, und 60 % denken, die Armut habe in der ganzen EU zugenommen.

Die Krise und die Aufrufe zu Sparmaßnahmen haben sich auf die Wahrnehmung der Armut durch die Menschen ausgewirkt. Insbesondere in Griechenland sind 85 % der Befragten der Meinung, dass die Armut in ihrem Land zugenommen habe. Auch 83 % der Franzosen, 82 % der Bulgaren, 77 % der Rumänen und 75% der Italiener sind dieser Meinung in Bezug auf ihr eigenes Land. Während in manchen Ländern die Menschen weitere Schwierigkeiten erwarten (z. B. erwarten sieben von zehn Rumänen und Griechen eine Verschlechterung ihrer finanziellen Haushaltssituation), hat sich anderweitig die Erwartung verbessert. 23 % der Letten beispielsweise befürchten eine Verschlechterung ihrer finanziellen Haushaltssituation (gegenüber 65 % im Juli 2009), 32 % der Litauer (gegenüber 58 % im Juli 2009) und 20 % der Ungarn (gegenüber 48 % im Juli 2009). In Lettland, Polen, dem Vereinigten Königreich, Belgien und Finnland gehen nun weniger Befragte davon aus, dass sie arbeitslos bleiben, wenn sie ihre Stelle verlieren sollten.

Ein beträchtlicher Teil der EU‑Bürger spricht von finanziellen Problemen

Ein Sechstel der Europäer berichtete, dass zumindest einmal im letzten Jahr in ihrem Haushalt nicht genug Geld zur Bezahlung laufender Rechnungen oder zum Kauf von Lebensmitteln oder Artikeln des täglichen Gebrauchs vorhanden war, und 20 % hatten zum Zeitpunkt der Umfrage (Mai 2010) Schwierigkeiten mit der pünktlichen Bezahlung von Haushaltsrechnungen und Kreditverpflichtungen.

Für 15 % ist dies ein ständiges Problem, während 3 % mit einigen Rechnungen und Kreditzahlungen in Verzug sind und 2 % vor echten finanziellen Problemen stehen.

Etwa 30 % der Bürger finden es schwieriger, die Gesundheitskosten zu decken

Etwa 3 von 10 Europäern berichteten, dass es in den letzten sechs Monaten schwieriger geworden sei, die Mittel für Gesundheitsfürsorge, Kinderbetreuung oder Langzeitpflege für sie selbst oder ihre Familienangehörigen aufzubringen: 11 % gaben an, es sei „viel schwieriger geworden“, und 18 %, es sei „etwas schwieriger geworden“.

Ein Sechstel der Europäer hat Angst vor Arbeitsplatzverlust

Wie im März 2010 waren 18 % der Befragten, die einen Arbeitsplatz hatten, nicht sehr oder überhaupt nicht zuversichtlich, dass sie ihren gegenwärtigen Arbeitsplatz in den kommenden 12 Monaten behalten werden. 49 % glaubten, dass es relativ oder ganz unwahrscheinlich sei, dass sie im Fall der Entlassung innerhalb von sechs Monaten eine neue Stelle finden könnten.

Befürchtete Auswirkungen der Krise auf künftige Rentenansprüche

Was schließlich das künftige Einkommen anbelangt, so rechnen 73 % der EU‑Bürger mit geringeren Rentenleistungen oder denken, dass sie länger arbeiten oder mehr eigenes Kapital für das Alter ansparen müssen. Mittlerweile sind 20 % sehr besorgt, dass ihr Alterseinkommen für einen guten Lebensstandard unzureichend sein könnte (34 % sind relativ besorgt). In 17 Mitgliedstaaten ist die Mehrzahl der Befragten sehr oder relativ besorgt, dass ihre Altersversorgung für ein menschenwürdiges Leben nicht ausreichen könnte.

Hintergrund

Die öffentliche Wahrnehmung der sozialen Auswirkungen der Krise, die im Herbst 2008 ausgebrochen ist, wird seit Juni 2009 durch spezielle Eurobarometer-Umfragen regelmäßig überwacht. So sollen die Wahrnehmung der Armut, die finanziellen Schwierigkeiten der Haushalte, die Erschwinglichkeit von Gesundheitsversorgung und Pflege sowie die Einschätzung der Menschen hinsichtlich ihrer Finanzsituation im Alter erfasst werden.

Bei dieser letzten Erhebung wurden 25 600 Bürger in allen EU‑Mitgliedstaaten vorwiegend per Telefon befragt. Die Erhebung fand vom 18. bis 22. Mai 2010 auf der Grundlage einer Zufallsauswahl statt, deren Ergebnisse anschließend zur Korrektur bekannter demografischer Unterschiede gewichtet wurden.

Während die Daten, auf die sich das EU‑Ziel der Armutsverringerung stützt (EU‑SILC-Erhebung: Einkommen, soziale Eingliederung und Lebensbedingungen), nur mit einer Verzögerung von etwa zwei Jahren verfügbar sind, geben Umfragen über die öffentliche Wahrnehmung der Armut ein rasches Bild (mit nur einem Monat Verzögerung) darüber, wie sich Armut und Ausgrenzung weiterentwickeln könnten.

Weitere Informationen

Memo/10/268

Eurobarometer-Erhebung :http://ec.europa.eu/public_opinion/flash/fl_289_en.pdf

Europäisches Jahr gegen Armut : www.2010againstpoverty.eu


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