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IP/10/752

Brüssel, 17. Juni 2010

Bericht zufolge 14 wichtige mineralische Rohstoffe knapp

Rohstoffe sind ein wesentlicher Bestandteil sowohl von High-Tech-Produkten als auch von Produkten des täglichen Gebrauchs, darunter etwa Mobiltelefone, Dünnschichtphotovoltaikmodule, Lithium-Ionen-Batterien, Glasfaserkabel und synthetische Treibstoffe. Nach dem heute veröffentlichten Bericht einer Expertengruppe unter dem Vorsitz der Europäischen Kommission treten bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen jedoch zunehmend Engpässe auf. In der zum allerersten Mal erstellten Bestandsaufnahme des Zugangs zu Rohstoffen in der EU werden von den 41 analysierten Mineralien und Metallen 14 als „kritisch“ eingestuft. Die Nachfrage nach Rohstoffen steigt durch das Wachstum der Schwellenländer und durch das Aufkommen neuer Zukunftstechnologien weiter an. Die Liste wurde im Rahmen der EU-Rohstoffinitiative von 20081 in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und Interessengruppen aufgestellt. Die Ergebnisse des Berichts werden in den Entwurf für eine Mitteilung über Strategien zur Sicherstellung des Zugangs zu Rohstoffen einfließen, die die Kommission im Herbst 2010 veröffentlichen wird.

Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für Unternehmen und Industrie, erklärte: „Der heute veröffentlichte Bericht enthält sehr wertvolle Informationen, die uns dabei helfen, Unternehmen einen ungehinderten Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Wir benötigen faire Bedingungen auf den außereuropäischen Märkten, einen soliden Rahmen zur Förderung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung aus EU-Quellen sowie einen effizienteren Umgang mit Ressourcen und ein verstärktes Recycling. Wir wollen erreichen, dass die europäische Industrie weiterhin eine führende Rolle bei neuen Technologien und Innovationen spielen kann, und wir müssen sicherstellen, dass wir über die dafür notwendigen Grundstoffe verfügen.“

Nach Auffassung der Expertengruppe sind 14  mineralische Rohstoffe für die Europäische Union von entscheidender Bedeutung, nämlich Antimon, Beryllium, Kobalt, Flussspat, Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Magnesium, Niob, Metalle der Platingruppe, seltene Erden, Tantal und Wolfram. Prognosen zufolge wird sich bis zum Jahr 2030 die Nachfrage nach einigen dieser Rohstoffe gegenüber 2006 mehr als verdreifachen.

Die große Gefahr einer Verknappung der „kritischen“ Rohstoffe hängt vor allem damit zusammen, dass ein großer Teil der weltweiten Produktion auf einige wenige Länder entfällt, dies sind vor allem China (Antimon, Flussspat, Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Magnesium, seltene Erden, Wolfram), Russland (Metalle der Platingruppe), die Demokratische Republik Kongo (Kobalt, Tantal) und Brasilien (Niob und Tantal). Diese Konzentration der Produktion geht in vielen Fällen mit geringer Nachhaltigkeit und einem niedrigen Recyclinganteil einher.

Im Rahmen ihrer Strategie zur industriellen Entwicklung suchen viele Schwellenländer, sich durch handelspolitische und fiskalische Instrumente sowie durch Investitionslenkung die alleinige Nutzung ihrer Ressourcen zu sichern.

Einer der Hauptfaktoren, der die zukünftige wirtschaftliche Bedeutung von Rohstoffen beeinflusst, ist der technologische Wandel, der voraussichtlich zu einem drastischen Anstieg der Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen führen wird (siehe Prognosen in der Mitteilung MEMO/10/263).

Die wichtigsten neuen Technologien, die die Nachfrage nach den kritischen Rohstoffen in die Höhe treiben, sind bei Antimon Antimon-Zinn-Oxid und Mikrokondensatoren, bei Kobalt Lithium-Ionen-Batterien und synthetische Treibstoffe, bei Gallium Dünnschichtphotovoltaikmodule, integrierte Schaltkreise und weiße Leuchtdioden, bei Germanium Glasfaserkabel und Infrarotoptik, bei Indium Bildschirme und Dünnschichtphotovoltaikmodule, bei Platin Brennstoffzellen und Katalysatoren, bei Palladium (Metall der Platingruppe) Katalysatoren und Meerwasserentsalzung, bei Niob Mikrokondensatoren und Eisenlegierungen, bei Neodym (seltene Erde) Dauermagnete und Lasertechnologie und bei Tantal Mikrokondensatoren und medizinische Technologien.

Zur Überwindung der derzeitigen Probleme empfiehlt die Gruppe folgende Maßnahmen:

  • fünfjährliche Aktualisierung der Liste der für die EU lebenswichtigen Rohstoffe und weiter gefasste Bewertung, ob die Versorgung mit einem Rohstoff als „kritisch“ einzustufen ist,

  • politische Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu Primärressourcen,

  • politische Maßnahmen zum effizienteren Recycling von Rohstoffen oder rohstoffhaltigen Produkten,

  • Förderung des Ersatzes bestimmter Rohstoffe durch andere Werkstoffe, insbesondere durch Unterstützung der Forschung zu Ersatzstoffen für knappe Rohstoffe,

  • Verbesserung der allgemeinen Werkstoffeffizienz bei knappen Rohstoffen.

Die vollständige Liste der Empfehlungen findet sich in der Mitteilung. MEMO/10/263

Vizepräsident Tajani ist soeben von dem Treffen der Europäischen Kommission mit der Kommission der Afrikanischen Union in Addis Abeba am 8. Juni 2010 zurückgekehrt. Dort wurden die Entwicklung einer bilateralen Kooperation auf dem Gebiet der Rohstoffe und die gemeinsame Arbeit an weiteren Fortschritten und Initiativen, insbesondere bei Themen wie der Governance, der Infrastruktur, den Investitionen und des geologischen Know-hows vereinbart.

Weitere Informationen

http://ec.europa.eu/enterprise/policies/raw-materials/critical/index_de.htm

1 :

Mitteilung über die Rohstoffinitiative „Sicherung der Versorgung Europas mit den für Wachstum und Beschäftigung notwendigen Gütern“ – KOM(2008) 699 endg.


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