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Start einer großen gemeinsamen europäischen Forschungs­initiative für Ernährungssicherheit vor dem Hintergrund von Klimawandel und wachsender Nachfrage

European Commission - IP/10/714   10/06/2010

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IP/10/714

Brüssel, den 10. Juni 2010

Start einer großen gemeinsamen europäischen Forschungs­initiative für Ernährungssicherheit vor dem Hintergrund von Klimawandel und wachsender Nachfrage

Heute treffen in Paris zwölf hochrangige Wissenschaftler zusammen, um ein europäisches Arbeitsprogramm für die Koordinierung der durch die einzelnen Staaten finanzierten Forschungsarbeiten zur Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung zu erstellen. Es handelt sich um die erste Sitzung des wissenschaftlichen Beirats der gemeinsamen Programmplanungsinitiative der EU zum Thema „Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Klimawandel“. An dieser Initiative sind insgesamt zwanzig europäische Länder beteiligt. Sie soll unter gemeinsamer Federführung von Frankreich (durch das Nationale Institut für Agrarforschung - INRA) und Vereinigtem Königreich (durch den Forschungsrat für Biotechnologie und Biowissenschaften - BBSRC) Forscher zusammenführen, die Wirksamkeit der nationalen Investitionen erhöhen (die jährlich insgesamt über eine Milliarde EUR betragen), zum Austausch vorhandener Forschungsergebnisse führen und die künftigen Arbeiten koordinieren, damit Doppelarbeit vermieden und das Kosten-Nutzen-Verhältnis optimiert wird. Die Europäische Kommission war an der Konzipierung und Ausgestaltung der heute eingeleiteten gemeinsamen Programmplanungsinitiative beteiligt und stellte sie am 28. April auf eine förmliche Grundlage, indem sie eine Empfehlung verabschiedete. Die Kommission wird einen Finanzbeitrag von etwa 2 Mio. EUR leisten.

Dazu Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft: „Die Nahrungsmittelsicherheit ist eine Frage von Leben und Tod, und jede andere Art von Sicherheit ist von ihr abhängig. Zu Recht investieren die öffentliche Hand und der Privatsektor Milliarden von Euro in die Bewältigung dieser enormen Aufgabe. Kein Mitgliedstaat kann das Problem jedoch allein lösen. Unsere öffentlichen Forschungsmittel können wir nur effizient einsetzen, wenn wir zusammenarbeiten. Diese gemeinsame Programmplanungsinitiative wird statt Fragmentierung und Doppelarbeit mehr Kohärenz und Koordinierung schaffen und damit einen bedeutenden Beitrag zur Europa-2020-Strategie leisten.“

Im Rahmen der gemeinsamen Programmplanung sollen die Mitgliedstaaten bei der Festlegung, Entwicklung und Umsetzung gemeinsamer strategischer Forschungspläne in den Bereichen eng zusammenarbeiten, die für Lebensqualität und Wohlstand der Europäer am wichtigsten sind. Heute werden weniger als 15 % der öffentlich finanzierten Zivilforschung europaweit koordiniert. Nur etwa 5 % der öffentlichen Forschungsmittel werden über den EU-Haushalt ausgegeben, die Kommission will sich jedoch soweit irgend möglich dafür einsetzen, dass auch die verbleibenden 95 % besser koordiniert werden.

Die gemeinsame Programmplanungsinitiative zum Thema „Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Klimawandel“ verfolgt das Ziel, gemeinsame Forschungsarbeiten auf eine gemeinsame Vision zu konzentrieren: eine sichere und nachhaltige Nahrungsmittelversorgung, bei gleichzeitiger Eindämmung der Auswirkungen der Landwirtschaft auf das Klima. Neben den französischen und britischen Koordinatoren (s. o.) sind an der Initiative auch Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Irland, Israel, Italien, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Rumänien, Schweden, die Slowakei, Spanien, die Tschechische Republik, die Türkei, Ungarn und Zypern beteiligt.

An dem Treffen am Sitz des INRA in Paris nehmen zwölf hochrangige Wissenschaftler teil1 (zwei davon aus den USA), die bis Jahresende die Forschungsagenda der Initiative festlegen wollen. Der Beirat wird ferner förmlich seinen Vorsitzenden für die nächsten zwei Jahre wählen.

Gemeinsame Programmplanungsinitiativen sind für die Partner Europas außerdem zentrale Ansprechstellen.

Hintergrund:

Am 28. April 2010 veröffentlichte die Kommission eine Empfehlung, mit der die gemeinsame Programmplanungsinitiative zum Thema „Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Klimawandel“ mit Beteiligung 20 europäischer Länder auf den Weg gebracht wurde. In der Empfehlung verpflichtete sich die Kommission ferner, durch die Unterstützung des Sekretariats und des wissenschaftlichen Beirats einen Beitrag zur Initiative zu leisten.

Die gemeinsame Initiative soll die bereits bestehenden Bemühungen auf EU-Ebene ergänzen. Über ihr Forschungsrahmenprogramm hat die Europäische Kommission in den letzten fünf Jahren rund 300 Mio. EUR für gemeinsame Projekte in den unter die Initiative fallenden Bereichen zur Verfügung gestellt. Daneben werden durch 12 ERA-NET-Maßnahmen nationale europäische Forschungsprogramme in denselben Bereichen vernetzt (s. http://netwatch.jrc.ec.europa.eu/nw/).

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Landwirtschaft, die vor der Aufgabe steht, eine bis 2050 auf 9 Milliarden ansteigende Weltbevölkerung zu ernähren. Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln dürfte bis 2030 um 50 % zunehmen, bei einer gleichzeitig stark steigenden Nachfrage nach Biomasse für andere Zwecke als die Ernährung (z. B. Biokraftstoffen).

Die Landwirtschaft wird nicht nur mit höheren Temperaturen, Wassermangel und unvorhersehbaren klimatischen Bedingungen fertig werden, sondern auch Wege finden müssen, die Emissionen zu verringern, die etwa 14 % der globalen Treibhausgasemissionen ausmachen.

Herausforderungen wie die vorliegende im Zusammenhang mit Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Klimawandel sind zumindest von europäischer und häufig auch von globaler Tragweite. Insgesamt werden in Europa in diesen Bereichen jährlich 1,3 Mrd. EUR an öffentlichen Mitteln investiert.

Neben der heute vorgestellten Initiative verzeichnen derzeit drei weitere gemeinsame Programmplanungsinitiativen bei der Suche nach Lösungen für zentrale gesellschaftliche Herausforderungen stetige Fortschritte:

  • Für eine Pilotinitiative zu neurodegenerativen Erkrankungen werden nach einer Sitzung des zuständigen wissenschaftlichen Beirats im April 2010 voraussichtlich demnächst erste Maßnahmen verabschiedet (vgl. IP/10/431).

  • Fünfzig führende europäische Wissenschaftler werden im Juni 2010 zusammentreffen, um eine gemeinsame Vision für die Initiative „Gesunde Ernährung für ein gesundes Leben“ zu formulieren.

  • Die Initiative „Kulturerbe und globale Veränderungen“ baut auf den Vorarbeiten der Aktion NET-HERITAGE auf.

Mehr dazu:

http://ec.europa.eu/research/era/areas/programming/joint_programming_en.htm

http://www.era.gv.at/space/11442/directory/11614.html

1 :

Kenneth Cassman, Elias Fereres, Stephen P. Long, Frits Mohren, Bernd Müller-Röber, Pirjo Peltonen-Sainio, John R. Porter, Johan Rockström, Thomas Rosswall, Jean-François Soussana, Henning Steinfeld, Joachim von Braun


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