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Auswirkungen der weltweiten Krise auf unterschiedliche Wett­bewerbs­fähigkeit und Leistungsbilanz­ im Eurogebiet

European Commission - IP/10/398   31/03/2010

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IP/10/398

Brüssel, den 31. März 2010

Auswirkungen der weltweiten Krise auf unterschiedliche Wett­bewerbs­fähigkeit und Leistungsbilanz­ im Eurogebiet

Diese Sonderausgabe des Quartalsberichts über das Eurogebiet enthält eine umfassende Bewertung der Auswirkungen der Krise auf externe Divergenzen im Eurogebiet: Nach einem Jahrzehnt konstanter Abweichungen hat die weltweite Wirtschaftskrise dazu geführt, dass sich die Unterschiede bei den Leistungsbilanzen teilweise angeglichen haben. Diese Entwicklung hat sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Ursachen und könnte sich mit dem Aufschwung teilweise wieder umkehren. Unterschiede bei der Preiswettbewerbsfähigkeit wurden jedoch kaum korrigiert. Daher besteht weiterhin ein erheblicher Anpassungsbedarf, der umfassende, auf die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Mitgliedstaaten zugeschnittene Maßnahmen erforderlich macht. Die Krise hat die Notwendigkeit von Reformen und einer stärkeren Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten deutlich gemacht. Gut abgestimmte und ehrgeizige politische Maßnahmen würden nicht nur die notwendige Anpassung erleichtern, sondern gleichzeitig auch die langfristigen Wachstumsaussichten des Eurogebiets verbessern. Die Bewältigung dieser Herausforderungen ist ein Schlüsselelement der neuen Strategie „Europa 2020“ für ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum.

Nachdem die Ergebnisse bei Leistungsbilanzen und Wettbewerbsfähigkeit im Eurogebiet ein Jahrzehnt lang durch Unterschiede gekennzeichnet waren, hat die weltweite Finanzkrise bis zu einem gewissen Grad eine – zum Teil vorübergehende – Verringerung der Leistungsbilanzdefizite bzw. -überschüsse der Mitgliedstaaten bewirkt. Mitgliedstaaten, die mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit in die Rezession eingetreten sind, erlebten einen stärkeren Rückgang der privaten Nachfrage und einen weniger dramatischen Exportrückgang als der Rest des Eurogebiets. Diese Entwicklungen haben zu einer Abschwächung ihres Leistungsbilanzdefizits beigetragen. In Mitgliedstaaten, die zu Beginn der Rezession hohe Leistungsbilanzüberschüsse aufwiesen, zeigte sich die private Nachfrage stabiler und machte sich der Rückgang im Welthandel aufgrund ihrer exportorientierten Wirtschaft und ihres größeren Offenheitsgrads dagegen stärker bemerkbar. Die daraus resultierende Anpassung der Leistungsbilanzen ging jedoch nicht mit einer signifikanten Angleichung von Kosten- und Preisunterschieden einher, so dass sie sich zumindest teilweise wahrscheinlich als vorübergehend erweisen wird.

Wie die Kommission bereits in ihrem WWU@10-Bericht aus dem Jahr 2008 hervorgehoben hatte, trugen inländische makroökonomische Ungleichgewichte wie Immobilien- und Kreditblasen in den Jahren vor der Krise zur Ausweitung der starken Leistungsbilanzdefizite einiger Mitgliedstaaten bei. Die Krise hat einige dieser Ungleichgewichte korrigiert und u. a. zu einer allmählichen Abkühlung am Wohnungs- und Kreditmarkt geführt.

Allerdings bestehen erhebliche Ungleichgewichte fort und sind mit der wachsenden Arbeitslosigkeit neue Ungleichgewichte entstanden. Die Krise hat den Anpassungsbedarf somit keineswegs verringert. Insbesondere müssen die verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit ausgeglichen und das Angebot im Exportsektor neu orientiert werden. Die Krise könnte diese Anpassung erschweren, da aufgrund der Kombination von niedriger Inflation, nominalen Starrheiten und niedrigerem Wachstumspotenzial die erforderlichen Lohn- und Preisbereinigungen schwieriger werden könnten. Auch eingeschränkte Finanzdienstleistungen könnten die erforderlichen Anpassungsprozesse behindern. Diesen Herausforderungen soll mit umfassenden und koordinierten Maßnahmen auf verschiedenen Gebieten begegnet werden: Makroökonomie, Arbeitsmärkte, Produkt- und Dienstleistungsmärkte und Finanzsektor. Ziel ist es, die erforderlichen Anpassungen in den Bereichen Wettbewerbsfähigkeit und Ressourcenallokation zu erleichtern, das Potenzialwachstum zu fördern und das reibungslose Funktionieren der Finanzmärkte wiederherzustellen.

In den meisten Mitgliedstaaten des Eurogebiets mit starken Leistungsbilanz­überschüssen ist die kontinuierliche Anhäufung von Überschüssen in den Vorkrisenjahren hauptsächlich auf eine anhaltend schwache Inlandsnachfrage zurückzuführen. Zudem waren diese Länder aufgrund ihrer starken Wettbewerbsposition in der Lage, den Boom des Welthandels in den Jahren vor der Krise voll zu nutzen. Dadurch konnten sie im Vergleich zum Rest des Eurogebiets schnellere Exportzuwächse erzielen. Seit Beginn der Krise haben sich die Überschüsse infolge der sinkenden Ausfuhren, der deutlichen Haushaltsexpansion und der verhältnismäßig stabilen Inlandsnachfrage des Privatsektors deutlich verringert. Ein Blick nach vorne zeigt jedoch schwache Anzeichen für eine strukturelle Stärkung der Privatnachfrage, so dass bei fortgesetzter wirtschaftlicher Erholung mit einer erneuten Ausweitung der Überschüsse zu rechnen ist.

Die Entwicklung der Exportleistung ist bei den Mitgliedstaaten des Eurogebiets seit Einführung des Euro recht uneinheitlich verlaufen, was hauptsächlich auf unterschiedliche Entwicklungen bei der Preis- und Kostenwettbewerbsfähigkeit zurückzuführen ist. Auch nichtpreisliche Wettbewerbsfaktoren (wie Produktqualität, technologischer Gehalt, industrielle Spezialisierung) haben sich in Divergenzen bei der außenwirtschaftlichen Entwicklung niedergeschlagen. Besonders deutlich wurde dies in der aktuellen Krise sichtbar, als sich zeigte, dass die unterschiedlichen Exporterfolge der Mitgliedstaaten großenteils mit der Produktstruktur der Ausfuhren im Zusammenhang standen.

Die Globalisierung der Finanzmärkte hat zu einem drastischen Bruttoanstieg grenzüberschreitender Bestände an Vermögenswerten und Verbindlichkeiten geführt. Da die Preise der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten schwanken, ändert sich auch der Nettowert des Auslandsvermögens (d. h. die Nettogläubiger- und ‑schuldnerposition eines Landes gegenüber dem Rest der Welt). Solche Bewertungseffekte können eine wichtige Rolle spielen, da sie darüber entscheiden, wie hoch der Handelsüberschuss sein muss, um die Nettoauslandsposition stabil zu halten. Seit der Einführung des Euro unterlagen die Nettogläubiger- bzw. -schuldnerposition gegenüber dem Ausland bei einigen Mitgliedstaaten des Eurogebiets erheblichen Bewertungseffekten. Insbesondere Länder mit einem Leistungsbilanzdefizit hatten anhaltende negative Bewertungseffekte zu verkraften, die ihre Auslandsverschuldung belasten. Auch in Überschussländern hat die Krise negative Bewertungseffekte mit sich gebracht, die teilweise auf Veränderungen bei den Risikoprämien bei Anleihen und Verluste infolge der Subprime-Krise zurückgeführt werden können.


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