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Brüssel, 25. Februar 2010

EU-Zwischenprognose: Erholung schreitet voran, bleibt aber fragil

Die EU-Wirtschaft erholt sich allmählich, hat aber immer noch mit Hindernissen zu kämpfen. Im dritten Quartal 2009 wuchs das reale BIP erstmals wieder und setzte damit der längsten und tiefsten Rezession in der Geschichte der EU ein Ende. Die außergewöhnlichen Maßnahmen, die in der EU zur Bekämpfung der Krise getroffen wurden, haben maßgeblich zu dieser wirtschaftlichen Trendwende beigetragen. Der Herbstprognose 2009 entsprechend schwächte sich das Wachstum im vierten Quartal allerdings wieder etwas ab, da die Wirkung einiger temporärer Faktoren allmählich nachließ. Die aktuelle Prognose sieht die Wirtschaftsaussichten für die EU weitgehend unverändert. 2010 soll das BIP in der EU und im Euroraum um 0,7 % wachsen. Auch die Inflationsprojektionen für die EU und den Euroraum bleiben mit 1,4 % bzw. 1,1 % im Großen und Ganzen unverändert. Wie die jüngsten Entwicklungen auf den Finanzmärkten zeigen, sind diese Projektionen nach wie vor mit großer Unsicherheit behaftet.

Hierzu Wirtschafts‑ und Währungskommissar Olli Rehn: „Der Aufschwung der EU‑Wirtschaft wird erkennbar, steht aber noch auf wackeligen Beinen. Unser Hauptziel sollte es sein, die europäische Wirtschaft wieder auf einen soliden und nachhaltigen Pfad zu führen. Hierfür müssen wir an zwei Fronten arbeiten: am wirtschaftlichen Aufschwung und an der Konsolidierung unserer öffentlichen Finanzen. Die neue Strategie „Europa 2020”, die unsere Volkswirtschaften modernisieren soll, muss mit der Konsolidierung unserer öffentlichen Finanzen Hand in Hand gehen. Nur so kann nachhaltiges Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum gesichert werden.“

Wachstumsprognosen für die EU und den Euroraum auf Kurs

In der Kommissionsprognose werden die Wachstumsprojektionen für die EU und den Euroraum für die erste Jahreshälfte leicht nach oben korrigiert. Aufgrund geringfügiger Abwärtskorrekturen für die zweite Jahreshälfte 2010 bleibt die projizierte BIP-Wachstumsrate im Jahr 2010 insgesamt aber in beiden Zonen praktisch unverändert bei 0,7 %. Berechnungsgrundlage sind die aktualisierten Prognosen für Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen, Spanien und das Vereinigte Königreich, die zusammen rund 80 % des EU-BIP erwirtschaften.

Kräftigerer Aufschwung der Weltwirtschaft

Die Weltkonjunktur zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte 2009 robuster als erwartet, insbesondere in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. So verzeichnete das reale BIP (ohne EU) im vergangenen Jahr keinen echten Rückgang und wird 2010 voraussichtlich um etwa 4¼ % wachsen. Auf kurze Sicht sind die globalen Indikatoren ermutigend, was zu einem Teil auf den Lagerhaltungszyklus im verarbeitenden Gewerbe zurückzuführen ist.

Auf längere Sicht dürfte das Weltwirtschaftswachstum dann aufgrund der allmählich nachlassenden Wirkung der Konjunkturmaßnahmen und wegen des Lagerhaltungszyklus’ vorübergehend etwas schwächeln. Die Länderunterschiede sind nach wie vor groß, wobei der Aufschwung in den aufstrebenden Volkswirtschaften deutlich solider ausfällt, da die Kapitalzuflüsse wieder anziehen und die Risikofreude der Investoren zurückkehrt. Auch wenn sich die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die EU rascher verbessern als erwartet, bleibt abzuwarten, inwieweit dies der EU in diesem Jahr nutzt.

Auswirkungen auf die Binnendynamik bislang nur gering

Zwar deuten die verbesserten Indikatoren der wirtschaftlichen Einschätzung in der EU auf eine fortschreitende Zunahme der Wirtschaftstätigkeit hin, doch sind die harten Daten, insbesondere aus der Industrieproduktion und dem Einzelhandel, in letzter Zeit weniger ermutigend. Auch wenn die unerwartet guten außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Exporte weiter ankurbeln könnten, sind die Investitionen aufgrund der außergewöhnlich geringen Kapazitätsauslastung nach wie vor sehr schwach. Auch die Investitionen in Wohnimmobilien dürften 2010 gering ausfallen, da der Wohnungssektor mehrerer Mitgliedstaaten einer Korrektur bedarf. Die Konditionen an den Finanzmärkten haben sich seit Anfang 2009 zwar verbessert, doch sind noch nicht alle Abschreibungen vorgenommen und herrscht nach wie vor weit verbreitete Unsicherheit. Gedämpfte Investitionsaussichten ziehen in der Regel einen schwachen Arbeitsmarkt nach sich, was wiederum den privaten Verbrauch dämpfen dürfte. Da sich die wirtschaftliche Erholung sowohl in der EU als auch weltweit noch immer stark auf temporäre Faktoren stützt, muss sie ihre Robustheit erst noch unter Beweis stellen.

Preisstabilität erhalten

Die kräftige Desinflation über weite Teile des Jahres 2009 ist hauptsächlich auf abnehmende Basiseffekte bei den Komponenten Energie und Lebensmittel und auf die zunehmende Konjunkturflaute zurückzuführen. Die HVPI-Inflation stieg in den letzten Monaten des Jahres 2009 geringfügig, blieb aber mit einer Jahresrate von 1,0 % in der EU und 0,3 % im Euroraum der Herbstprognose entsprechend ausgesprochen moderat. Die starke Konjunkturflaute wird die Inflation vorerst im Zaum halten und Anstiege bei den Energie‑ und Rohstoffpreisen ausgleichen. Die Preise dürften stabil bleiben, denn die Projektionen für die HVPI‑Inflation werden für die EU nur geringfügig auf 1,4 % nach oben korrigiert und bleiben im Euroraum mit 1,1 % unverändert.

Risikobewertung

Die Risiken für die EU‑Wachstumsaussichten scheinen sich 2010 nach wie vor weitgehend die Waage zu halten. Während auf der einen Seite die Lage der Finanzmärkte höchst ungewiss bleibt und mit hohen Abwärtsrisiken behaftet ist, könnten sich auf der anderen Seite die Dynamik der weltweiten Konjunkturerholung, insbesondere in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens, und der unmittelbar bevorstehende Wendpunkt im Lagerhaltungszyklus in der EU stärker auf die Inlandsnachfrage auswirken als derzeit angenommen. Auch für die Inflationsaussichten scheinen die Risiken 2010 weitgehend ausgewogen.

Die genauen Prognosen unter:

http://ec.europa.eu/economy_finance/ articles/eu_economic_situation/2010-02-25-eu_interim_economic_forecast_en.htm

Table 1: Real GDP growth

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED
Note: the quarterly figures are working-day and seasonally adjusted, while the annual figures are unadjusted.

Table 2: Consumer price inflation

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED



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