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Strengere Finanzregulierung kann künftig zur Eindämmung von Vermögenswertblasen und zur Verringerung makroökonomischer Ungleichgewichte beitragen

European Commission - IP/10/1703   14/12/2010

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IP/10/1703

Brüssel, den 14. Dezember 2010

Strengere Finanzregulierung kann künftig zur Eindämmung von Vermögenswertblasen und zur Verringerung makroökonomischer Ungleichgewichte beitragen

Als Teil der Bemühungen um die Ausdehnung der makroökonomischen Aufsicht wird in diesem Quartalsbericht über den Euroraum geprüft, in welchem Umfang eine Aufsichts- und Regulierungsreform im Finanzbereich dazu beitragen kann, schädliche Kredit- und Vermögenswertpreisblasen, beispielsweise auf den Immobilienmärkten, künftig zu vermeiden. Eine strengere Finanzaufsicht kann die Risiken für die Finanzstabilität unmittelbar eindämmen, indem der Verschuldungsgrad der Banken im Auge behalten und strengere Kreditvergabestandards eingeführt werden. In diesem Zusammenhang unterstrichen werden auch die Auswirkungen der Krise auf die grenzübergreifende Integration der Banken im Euroraum. Darüber hinaus wird gezeigt, dass die Staatsschuldenkrise im Jahr 2010 den derzeitigen Prozess der Bilanzbereinigung erschwert. Zudem hat das Einfrieren der Interbankenmärkte im Jahr 2008 Nichtfinanzunternehmen dazu veranlasst, stärker auf die Emission von Anleihen zurückzugreifen und sich von ihrer herkömmlichen Finanzierung durch Banken zu entfernen.

Auch wenn die Finanzthemen der letzten Monate nach wie vor eine wichtige Rolle spielen, geht diese Ausgabe des Quartalsberichts über den Euroraum auf eine Reihe damit eng verbundener Fragen ein. Im Abschnitt 'Focus' wird darauf verwiesen, dass der übermäßige Preisboom bei den Krediten und Vermögenswerten in bestimmten Teilen des Euroraums im Vorfeld der Krise erheblich zur Anfälligkeit der Märkte beigetragen hat. Mit einer einheitlichen Geldpolitik für den Euroraum allein können die negativen Auswirkungen des übermäßigen Kreditwachstums nicht wirksam angegangen werden, das in der Vergangenheit starke regionale Unterschiede aufwies. Auch hat die Finanzkrise die Grenzen der aktuellen Regulierungs- und Aufsichtsstruktur aufgezeigt, die Schwachstellen bei den Bankbilanzen nicht erkannt hat. Diesbezüglich wird der neu geschaffene Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) eine entscheidende Rolle bei der Erkennung von Risiken spielen und folglich eine stärkere Hinwendung zur Beaufsichtigung auf Makroebene unterstützen. Darüber hinaus erhofft man sich viel von Änderungen an den Bankenstandards für Verlustrückstellungen, kombinierten Vorschriften für Beleihungsgrenzen und LTI ('loan to income')-Koeffizienten sowie anspruchsvolleren Kapitaladäquanzvorschriften, die als Regulierungsinstrumente künftig eine exzessive Kreditvergabe verhindern sollen. Im Euroraum sollte das aufsichtsrechtliche Instrumentarium als Teil eines umfassenderen Rahmens für die Beaufsichtigung auf Makroebene angesehen werden.

Was die Sonderthemen dieser Ausgabe betrifft, werden in diesem Bericht die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Bankensektor im Euroraum analysiert, insbesondere im Hinblick auf die grenzübergreifende Integration von Finanzinstituten durch Fusionen und Übernahmen (M&A). Die Ergebnisse zeigen, dass der Prozess der Marktintegration nach wie vor nicht abgeschlossen ist. Allerdings hat er sich infolge der Krise und der anschließenden Umstrukturierung des Bankensektors etwas verlangsamt. Dieser Prozess ist jedoch nicht in allen Ländern gleich, da sich kleinere Volkswirtschaften international schneller integrieren als große, bei denen M&A-Tätigkeiten vorwiegend im eigenen Lande stattfinden. Doch unabhängig von der Ländergröße hat die Krise zu einer klaren Abschwächung der M&A-Tätigkeiten und in fast allen Ländern des Euroraums zu einer erneuten Fokussierung auf inländische Tätigkeiten geführt.

In dieser Ausgabe werden zudem die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise auf die Erholung des Euroraum-Finanzsektors untersucht. Die verschlechterte Einschätzung der Staatsschulden durch die Anleger hat zu einer negativen Rückkopplung zwischen öffentlichen Finanzen und Finanzmarktentwicklungen beigetragen. Schwierige Haushaltspositionen haben die Finanzierungskosten für Banken in einigen Ländern der südlichen und westlichen Peripherie des Euroraums in die Höhe getrieben. Gleichzeitig haben höhere Garantien für den Bankensektor und implizite Verbindlichkeiten gegenüber dem öffentlichen Sektor die Wahrnehmung des öffentlichen Kreditrisikos verschlechtert. Diese Negativspirale kann den Prozess der Sanierung der Bankbilanzen erschweren. Die Tatsache, dass sich einige Staatsanleihen als risikoreiche Vermögenswerte erwiesen haben, hat die Anlegerbasis gespalten und trotz rückläufiger Referenzzinssätze zu höheren Finanzierungskosten für einige dieser Papiere geführt. Daraus lässt sich ableiten, dass das Tempo der Erholung des Finanzsystems in hohem Maße von der Stärke der Erholung der Realwirtschaft abhängt.

Schließlich lässt dieser Faktor vermuten, dass sich die herkömmliche Finanzierung der Unternehmen im Euroraum durch Bankkredite (anstelle einer Finanzierung über die Kapitalmärkte) im Wandel befindet. Der Anstieg bei den Anleiheemissionen durch Nichtfinanzunternehmen im Jahr 2009 und der nach wie vor hohe Anteil von Anleihen bei der externen Unternehmensfinanzierung im Jahr 2010 lassen darauf schließen, dass der Unternehmenssektor im Euroraum auf die Finanzkrise und die verschärften Bankkreditkonditionen durch eine Diversifizierung seiner externen Finanzierungsquellen reagiert hat. Sollte dieser Diversifizierungsprozess anhalten, würde sich die Abhängigkeit eines Teils des Unternehmenssektors im Euroraum – vor allem großer Unternehmen – von den Banken verringern. Gleichzeitig könnte sich dadurch die Kreditvergabekapazität der Banken erhöhen, was den KMU zugute kommen könnte, die in der Regel keine Anleihen begeben können.

Nähere Angaben siehe:

http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/qr_euro_area/2010/qrea4_en.htm


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