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IP/10/1541

Straßburg, 23. November 2010

Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten: EU-Maßnahmen sollen Beschäftigungsfähigkeit steigern und Reformen antreiben

23 Millionen Menschen – also 10 % der erwerbstätigen Bevölkerung – sind in der EU derzeit arbeitslos. Dies hat schwerwiegende Folgen für das Wachstum und die Wohlfahrtssysteme in Europa. Gleichzeitig melden manche Arbeitgeber Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen, insbesondere bei hochqualifizierten Tätigkeiten. In Zukunft könnte es in Bereichen wie der IKT oder dem Gesundheitswesen an Arbeitskräften mangeln: Schätzungen zufolge fehlen bis zum Jahr 2015 700 000 IKT-Spezialisten und bis 2025 eine Million Forscher. Um diese Herausforderungen zu meistern und die EU-Beschäftigungsquote bis zum Jahr 2020 auf 75 % der Männer und Frauen steigen zu lassen, hat die Europäische Kommission heute die Leitinitiative „Eine Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten“ auf den Weg gebracht. Darin werden 13 Leitaktionen festgelegt, mit denen die Arbeitsmärkte reformiert, das Niveau der Kompetenzen angehoben und diese auf die Marktnachfrage abgestimmt werden sollen. So sollen die Beschäftigungsfähigkeit gesteigert, ein Arbeitsplatzwechsel erleichtert, Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzqualität verbessert und Arbeitsplätze geschaffen werden.

László Andor, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration: Es ist unsere Priorität, Menschen zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen. Wir können uns eine Arbeitslosenquote von knapp 10 % einfach nicht leisten. Die Krise hat die Fortschritte der Vergangenheit zunichte gemacht – daher müssen wir nun dringend die Arbeitsmärkte reformieren und sicherstellen, dass nach den Qualifikationen auch Nachfrage besteht und die Arbeitsbedingungen die Schaffung von Arbeitsplätzen zulassen.“ Andor weiter: „Ich bin zuversichtlich, dass alle EU-Bürgerinnen und -Bürger von den vorgeschlagenen Maßnahmen profitieren werden, allen voran gefährdete Gruppen, die von der Krise am schlimmsten betroffen sind.“

EU-Kommissarin Vassiliou: „Heute ist es wichtiger denn je, dass alle Bürgerinnen und Bürger eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten und sie mit den Kompetenzen ausgestattet werden, die sie benötigen, um einen Arbeitsplatz zu finden. Lebenslanges Lernen muss in Europa Wirklichkeit werden. Dazu sind gemeinsame Anstrengungen aller Partner – Regierungen, Arbeitgeber, Gewerkschaften sowie Bürgerinnen und Bürger – von großer Bedeutung.“

Im Rahmen der Strategie „Europa 2020“ für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum trägt die Europäische Kommission mit der Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten dazu bei, dass die anvisierte EU-Beschäftigungsquote für Frauen und Männer von 75 % für die Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen bis zum Jahr 2020 erreicht wird. Diese Strategie verdeutlicht zudem das Ziel der EU, die Schulabbrecherquote auf unter 10 % zu senken und die Zahl der jungen Menschen in der höheren oder vergleichbaren beruflichen Bildung auf mindestens 40 % zu steigern.

Mehr Menschen zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen ist von zentraler Bedeutung bei der Aufrechterhaltung des Sozialmodells und der Wohlfahrtssysteme Europas, da schon bald die EU-Bevölkerung im erwerbstätigen Alter zahlenmäßig abnehmen wird.

Um die Funktionsweise der Arbeitsmärkte Europas zu verbessern, schlägt die Europäische Kommission 13 konkrete Maßnahmen vor, die zu folgenden Punkten beitragen werden:

  • Schnellere Arbeitsmarktreform zur Verbesserung der Flexibilität und Sicherheit in den Arbeitsmärkten („Flexicurity“). Konkret vorgeschlagen wird beispielsweise die Ausweitung der Verwendung von vertraglichen Vereinbarungen ohne Laufzeitende – mit einer hinreichend langen Probezeit und einer graduellen Erhöhung der Rechte, Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen, Anspruch auf lebenslanges Lernen und Berufsberatung für alle Beschäftigten. Dies würde die bestehenden Unterschiede zwischen den Beschäftigten mit Zeitvertrag und denen mit festem Vertrag verringern.

  • Die richtigen Anreize für die Bevölkerung und die Geschäftswelt, in Weiterbildung zu investieren, damit die Kompetenzen entsprechend den Erfordernissen des Arbeitsmarktes fortlaufend gesteigert werden. Die Europäische Kommission wird in Kürze ein „EU-Kompetenzpanorama“ zur Vorhersage benötigter Kompetenzen ins Leben rufen, das dazu beiträgt, dass die Arbeitskräfte über den richtigen Kompetenzmix (z. B. IKT und Fremdsprachen) verfügen, den sie für eine Verbesserung ihrer Arbeitsplatzaussichten und ihrer Anpassungsfähigkeit benötigen. In der Agenda wird vorgeschlagen, eine gemeinsame Schnittstelle zu entwickeln – die europäische Klassifizierung für Fähigkeiten, Kompetenzen und Berufe –, um die Bereiche Beschäftigung, Bildung und Weiterbildung näher aneinander zu rücken. Die Europäische Kommission fordert ferner Reformen, um die Anerkennung beruflicher Qualifikationen zu gewährleisten, und schlägt die Ausarbeitung eines Europäischen Qualifikationspasses vor, mit dem die Bürgerinnen und Bürger ihre Kompetenzen transparent und vergleichbar angeben können.

  • Gewährleistung angemessener Arbeitsbedingungen bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität der Rechtsvorschriften im Bereich Beschäftigung. Die Europäische Kommission wird vorlegen, wie die Arbeitszeitrichtlinie überarbeitet werden kann, und eine Legislativinitiative für die bessere Durchführung der Arbeitnehmerentsenderichtlinie vorschlagen. Darüber hinaus wird sie die Rechtsvorschriften zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz prüfen und eine neue Strategie für die Zukunft vorbereiten.

  • Sicherstellung, dass die richtigen Arbeitsmarktbedingungen für die Schaffung von Arbeitsplätzen vorhanden sind, wie z. B. weniger Bürokratie und niedrigere Steuern auf Arbeit und Mobilität. Dies ist insbesondere in schnelllebigen Branchen wie FuE-intensiven Bereichen wichtig. Die Agenda fördert auch das Unternehmertum, z. B. durch den Austausch bewährter Verfahren bei der Ausbildung in diesem Bereich und durch das Programm „Erasmus für Jungunternehmer“. Die Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergänzt die Initiative „Jugend in Bewegung“, die die Europäische Kommission vor Kurzem lanciert hat, um mehr junge Leute dabei zu unterstützen, das Wissen, die Kompetenzen und die Erfahrungen zu sammeln, die sie benötigen, um ihren ersten Arbeitsplatz zu finden (siehe auch IP/10/1124).

Hintergrund

Seit sich die Krise 2008 auf die Arbeitsmärkte niedergeschlagen hat, gingen in Europa 5,6 Millionen Arbeitsplätze verloren. Geht man davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt 2010-2011 stabilisiert, so müsste die Beschäftigung durchschnittlich um etwas über 1 % pro Jahr ansteigen, wenn bis zum Jahr 2020 eine Beschäftigungsquote von 75 % erreicht werden soll.

Die Funktionsweise vieler Arbeitsmärkte in der gesamten EU muss durch Reformen verbessert werden. Auch muss mehr Augenmerk auf der Steigerung des Kompetenzniveaus und der Abstimmung der Kompetenzen liegen. Selbst während der Krise hatten einige Arbeitgeber Schwierigkeiten, Arbeitskräfte zu finden, die die richtigen Qualifikationen für die zu besetzenden Stellen mitbrachten. Die Tätigkeiten erfordern immer höhere Kompetenzniveaus: Die Zahl der Arbeitsplätze für hochqualifizierte Personen soll bis zum Jahr 2020 um 16 Millionen ansteigen, die der Arbeitsplätze für Geringqualifizierte um ca. 12 Millionen abnehmen.

Weitere Informationen

MEMO/10/602

Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten:

Mitteilung http://ec.europa.eu/social/BlobServlet?docId=6328&langId=en

Eine Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten:

Bürgerinfo http://ec.europa.eu/social/BlobServlet?docId=6329&langId=en


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