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Preisverleihung für die Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union 2010

European Commission - IP/10/1523   18/11/2010

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IP/10/1523

Brüssel, 18. November 2010

Preisverleihung für die Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union 2010

Elf Autorinnen und Autoren werden heute Abend bei einem Festakt im Königlichen Flämischen Theater (KVS) in Brüssel mit dem EU-Literaturpreis 2010 ausgezeichnet, der an Nachwuchsautorinnen und –autoren vergeben wird. Die diesjährigen elf Preisträger wurden von nationalen Jurys in folgenden Ländern ausgewählt: Belgien, Zypern, Dänemark, Estland, Finnland, Deutschland, Luxemburg, Rumänien, Slowenien, Spanien und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Alle Autorinnen und Autoren haben sich darüber geäußert, was dieser Preis für Sie bedeutet (siehe Anhang).

Verliehen werden die Preise von Androulla Vassiliou, der Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, zusammen mit Doris Pack, der Vorsitzenden des Ausschusses für Bildung und Kultur des Europäischen Parlaments, sowie von Fadila Laanan, der Kulturministerin der Französischen Gemeinschaft Belgiens als Vertreterin des EU-Ratsvorsitzes.

Mit dem Literaturpreis der Europäischen Union soll der Bekanntheitsgrad der Autorinnen und Autoren außerhalb ihres Heimatlandes gesteigert werden. Jeder Gewinner erhält 5 000 EUR und ihre Bücher werden im Rahmen des EU-Förderprogramms für literarische Übersetzungen vorrangig behandelt. Die Arbeiten von sieben der zwölf Preisgewinner des Vorjahres wurden bereits übersetzt. Darüber hinaus profitieren die Preisträger von anderen Fördermaßnahmen, darunter auch von Werbung im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

Für 2010 sind folgende Preisträgerinnen und Preisträger ermittelt worden: 

Peter Terrin, De Bewaker (Der Parkwächter) – Belgien

Myrto Azina Chronides, To Peirama (Das Experiment) - Zypern

Adda Djørup, Den mindste modstand  (Der geringste Widerstand) - Dänemark

Tiit Aleksejev, Palveränd (Die Wallfahrt) - Estland

Riku Korhonen, Lääkäriromaani (Arztroman) - Finnland

Goce Smilevski , Сестрата на Зигмунд Фројд

(Sigmund Freuds Schwester) – Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien

Iris Hanika, Das Eigentliche – Deutschland

Jean Back, Amateur – Luxemburg

Răzvan Rădulescu, Teodosie cel Mic (Theodosius, der Kleine) – Rumänien

Nataša Kramberger, Nebesa v robidah: roman v zgodbah

(Der Himmel in einem Brombeerbusch: Roman in Geschichten) – Slowenien

Raquel Martínez-Gómez, Sombras de unicornio (Schatten des Einhorns) – Spanien.

Mit einem jährlichen Verkaufsumsatz von 40 Mrd. EUR ist die europäische Bücherbranche ein wichtiger Motor für Kreativität, Wachstum und Arbeitsplätze in der EU.

Der EU-Literaturpreis wird in einem Zeitrahmen von drei Jahren an Autorinnen und Autoren aus 35 Ländern verliehen. Im Jahr 2009 kamen die Gewinner aus Österreich, Kroatien, Frankreich, Ungarn, Irland, Italien, Litauen, Norwegen, Polen, Portugal, der Slowakei und Schweden. Nächstes Jahre werden die Gewinner in Bulgarien, der Tschechischen Republik, Griechenland, Island, Lettland, Liechtenstein, Malta, Serbien, den Niederlanden, der Türkei und im Vereinigten Königreich ermittelt.

Der Preis wird von der Europäischen Kommission gemeinsam mit dem Europäischen Schriftstellerkongress, dem Europäischen Verlegerverband und dem Europäischen Buchhändlerverband ausgeschrieben. Mitfinanziert wird die Preisverleihung aus dem Budget des EU-Programms „Kultur“, in dessen Rahmen auch die Übersetzung literarischer Werke gefördert wird. Seit 2007 wurden in diesem Rahmen 8,5 Mio. EUR für die Übersetzung von 1 500 Büchern zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen:

Videoansprache von Kommissarin Vassiliou:

Website für den EU-Literaturpreis:

Webseite zum Thema Literaturpreis, Generaldirektion Bildung und Kultur:

Anhang: Stellungnahmen der Autoren zur Preisverleihung

Peter Terrin, Belgien

„Ich kann nur sagen, ich fühle mich geschmeichelt, denn Belgien hat ziemlich viele hervorragende Schriftsteller vorzuweisen. Die ehrenwerte Jury muss wohl der Meinung gewesen sein, „Der Parkwächter“ sei ein Roman, der in ganz Europa Leserschaft finden könnte und sollte. Wie könnte ich dem widersprechen? Ich hoffe, die nächsten Jahre werden den Beweis erbringen, dass wir dabei richtig lagen.“

Myrto Azina Chronides, Zypern

„Für mich war Literatur schon immer ein innerer Drang, mein Innenleben anderen mitzuteilen. Literatur ist ein ständiger Prozess, bei dem im innersten Geistes- und Seelenkern des Menschen Türen aufgemacht werden, durch die der Leser hindurchtreten und so am Wesen des Schriftstellers teilnehmen kann. Mit dieser Preisverleihung wird die größte Tür aufgeschlossen. Dieser Preis trägt dazu bei, dass Grenzen und Barrieren verschwinden. Ich werde mich auch eben dieses Schlüssels bedienen, um den sozialen, kulturellen und religiösen Hintergrund anderer Schriftsteller zu entdecken. Mit diesem Preis werden das Recht auf freien Ausdruck und die Verbreitung von Ideen über alle Grenzen hinweg gefördert. Darüber hinaus werden die sprachliche Vielfalt gefördert und die gemeinsamen Werte und Wurzeln herausgestellt. Diese Investition Europas in Literatur hat mich stolz darauf gemacht, ein Europäer zu sein.“

Adda Djørup, Dänemark

„Ich freue mich sehr über diesen Preis und bin der Jury, die mich ausgewählt hat, zum Dank verpflichtet. Ich sehe Literatur ganz idealistisch als ein Schlüssel zur Verständigung zwischen Menschen und Kulturen, so dass die Literaturförderung für mich ein sehr nützliches Instrument beim laufenden Prozess der Entwicklung und Festigung der Demokratie darstellt. Und die Demokratie ist niemals vollständig gesichert, nicht in Europa und nicht in der übrigen Welt. Ich hoffe, dass der EU‑Literaturpreis dazu beiträgt, dass viele Bücher bekannt und vielen Lesern weltweit zugänglich werden.“’

Tiit Aleksejev, Estland

Der Preis bedeutet mir sehr viel. Als Autor ist man froh, ein Feedback für seine Geschichten zu bekommen. Als Historiker, zumindest im Hinblick auf meine Ausbildung, finde ich die europäische Idee ziemlich attraktiv, diesen Traum von Karl dem Großen, der erstaunlicherweise über die Jahrhunderte hinweg seine Gültigkeit bewahren konnte. Die Tatsache also, dass es sich um einen europäischen Preis handelt, hat für mich eine besondere Bedeutung. Ein estnischer Schriftsteller, Karl Ristikivi, sagte einst in den 1960er Jahren, Europa wäre wie eine Kathedrale, etwas, das gleichzeitig zu erbauen und zu schützen sei. Jedenfalls ginge es da nicht primär um Geschäfte und Gewinne. Dies ist, wie ich finde, sehr zutreffend und bis heute gültig.“

Riku Korhonen, Finnland

„Einen Preis zu gewinnen ist für uns Finnen in der Regel etwas leicht Peinliches – zumindest haben wir in der Öffentlichkeit diesen Eindruck zu erwecken. Wahrscheinlich ist es die in unserer Kultur immer noch stark verankerte soziale Bescheidenheit, aus der wir nur langsam herausfinden. Doch ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mir bei der Nachricht von dem Preisgewinn ein Lächeln über die Lippen kam. Ich freue mich sehr darauf, meine Kolleginnen und Kollegen aus Europa kennenzulernen. Und ich spüre auch, dass mir dieser Preis Inspiration für das Buch geben wird, das ich gerade schreibe.“

Goce Smilevski, Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien

„In den Händen der Leser entfalten Bücher viele verschiedene Leben. Die Mission des EU-Literaturpreises besteht darin, die Verbreitung europäischer Literatur zu fördern. Insofern ist für mich die Tatsache, diesen Preis zu gewinnen, gleichzeitig eine Ehre und eine große Freude. Eine Ehre, weil damit mein Roman „Sigmund Freuds Schwester“ auf eine Stufe mit anderen zeitgenössischen Werken der Belletristik gestellt wird, und Freude, weil mein Buch durch diesen Preis ein Leben in verschiedenen Sprachen entfalten kann, mit Lesern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen.“’  

Iris Hanika, Deutschland

„Es freut mich sehr, meine Arbeit in einem europäischen Kontext gewürdigt zu sehen.“’

Jean Back, Luxemburg

„Ich sitze in meinem Zimmer in Luxemburg, vor meinem Bildschirm. Manchmal ist man da schon in seiner eigenen Welt, ich denke mir Geschichten aus, die mit Luxemburg und den germanischen Sprachen zu tun haben… Als ich da die Nachricht von dem Preisgewinn erhielt, war das schon ein unglaubliches Gefühl! Jetzt, als ein Nachwuchsautor fühle ich mich ziemlich verunsichert: Wer weiß, ob ich noch jemals wieder werde Luft holen und eine Schreibpause einlegen können? Aber Spaß beiseite: Durch diesen Preis fühle ich mich in meinem schriftstellerischen Tun sehr bestärkt. Ich will diesen Preis meinen Freund, Mentor und Autor, Roger Manderscheid, widmen, der letzten Juni verstorben ist. Ich bin sicher, er hätte sich auch darüber gefreut.“’

Răzvan Rădulescu, Rumänien

„Eine Woche nach der offiziellen Verkündung der Preisgewinner trat der rumänische Verleger meines Buches an mich heran und schlug eine Zweitauflage vor. Wir hatten dies schon vorher erörtert – da das Buch bereits ausverkauft war – doch diesmal konnte ich in die Verhandlungen eine Idee einbringen, die mir schon immer vorschwebte: Eine Hardcover-Ausgabe mit Illustrationen. Möglicherweise hatte dies mit dem Preis zu tun, oder es war einfach ein Zufall, ich werde es nie erfahren, da ich auch nicht danach fragen werde. Darüber hinaus habe ich Anrufe von Freunden bekommen, von denen ich seit Jahren nichts mehr hörte. Es war schön, zu erfahren, dass sie das Buch gelesen haben und es ihnen gefallen hat. Als ich das Buch schrieb, habe ich nämlich gerade an sie gedacht.“

Nataša Kramberger, Slowenien

„Heute stehe ich auf dem höchsten Balkon im Viertel, zehnter Stock, ein fantastischer Ausblick. Mein Wohnblock ist alt, grau, keine Heizung, hat aber einen schnellen Fahrstuhl und bietet erstklassige Perspektiven. Ich besuche gerade Canettis Stadt, Ruse, in Bulgarien. Ich habe noch nie etwas auf Bulgarisch gelesen. Sie haben noch nie etwas auf Slowenisch gelesen. Und all diese Sprachen, Melodien, all diese Schönheit, heute hier mit mir, auf dem höchsten Balkon des Stadtviertels – der EU-Literaturpreis macht es möglich. Mazedonisch, Deutsch, Slowenisch, Spanisch. Hand in Hand, groß und klein, mit all ihren Unterschieden. Fantastischer Ausblick, erstklassige Perspektiven. Danke schön!'

Raquel Martínez Gómez, Spanien

„Mit dieser Anerkennung werden meine Hoffnungen neu belebt und meine Bindung an die Literatur bekräftigt. Es ist zwar richtig, dass die schöpferische Arbeit ihren eigenen Weg, zwischen Leben, Arbeiten und Lernen einschlägt, und dass ich den Drang habe zu schreiben, weil dies der von mir gewählte Selbstausdruck ist. Doch was Veröffentlichungen und Förderung anbelangt, so stimmt es auch, dass dieser Preis ungeheuer hilfreich ist und die Möglichkeit von Übersetzungen in andere Sprachen bietet. Er verschafft damit meinem Buch, „Die Schatten des Einhorns“, die Möglichkeit, ein weit breiteres, europäisches Publikum zu erreichen.“


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