Navigation path

Left navigation

Additional tools

Studie zeigt: Das durch die Liberalisierung des Energiemarkts entstandene Sparpotenzial wird von den Verbrauchern in der EU nicht voll genutzt

European Commission - IP/10/1507   15/11/2010

Other available languages: EN FR

IP/10/1507

Brüssel, 15. November 2010

Studie zeigt: Das durch die Liberalisierung des Energiemarkts entstandene Sparpotenzial wird von den Verbrauchern in der EU nicht voll genutzt

Eine heute veröffentlichte Studie der Europäischen Kommission über die Privatkundenstrommärkte zeigt, dass die Verbraucher in der EU insgesamt rund 13 Mrd. EUR sparen könnten, wenn sie zum billigsten Stromanbieter wechseln würden. Anonyme Testkunden, die diese Studie durchführten, konnten in mehr als sechs von zehn Fällen (62 %) einen billigeren Tarif finden. Jeder einzelne Verbraucher könnte durch einen Wechsel zum billigsten Anbieter etwa 100 EUR sparen. Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Verbraucher die im Zuge der Marktliberalisierung geschaffene Möglichkeit, unter mehreren Stromanbietern auszuwählen und sich für das kostengünstigste Angebot zu entscheiden, nicht in vollem Umfang nutzen. Die Verbraucher sind im Allgemeinen nicht gut informiert: Nur ein Drittel (32 %) der EU-Verbraucher hat Angebote miteinander verglichen, und fast die Hälfte (47 %) weiß nicht, wie hoch der eigene Stromverbrauch ist. Die Kommission möchte den EU-Verbrauchern nun mit einer Reihe von Maßnahmen die Nutzung ihrer Entscheidungsfreiheit erleichtern und ihre Stellung auf dem Strommarkt stärken, u. a. durch Erleichterung von Preisvergleichen, durch effektivere Beschwerdeverfahren und durch Verbesserung der Abrechnungen.

Der für Gesundheit und Verbraucherpolitik zuständige EU-Kommissar John Dalli sagte dazu: „Die Marktliberalisierung bietet den Verbrauchern immense neue Möglichkeiten. Dies gilt für die verschiedensten Aspekte wie Preise, Produktauswahl, Innovation und Dienstleistungsqualität. Diese Möglichkeiten können die Verbraucher jedoch nur dann in vollem Umfang nutzen, wenn sie wissen, dass es bessere Angebote gibt, und wenn sie das Gefühl haben, diese Angebote leicht ausfindig machen zu können." Der für die Energiepolitik zuständige Kommissar Oettinger fügte hinzu: „Die bereits im dritten Energiepaket vorgesehenen Maßnahmen müssen nun in die Praxis umgesetzt werden und sollten sich darauf konzentrieren, den Anbieterwechsel zu erleichtern, die Bearbeitung von Beschwerden und die Beseitigung von Mängeln zu verbessern und die Verbraucher besser zu informieren“.

Gegenstand der heute veröffentlichten Studie über die Privatkundenstrommärkte in der Europäischen Union ist die Stellung der Verbraucher auf diesen Märkten. Dabei wurde vor allem untersucht, wie leicht oder schwierig es für Verbraucher ist, das Potenzial des liberalisierten Marktes durch Auswahl von Anbietern und Tarifen zu nutzen.

Die Studie wurde erstellt, weil im Verbraucherbarometer 2009 (siehe IP/09/202) festgestellt worden war, dass der Strommarkt für Privatkunden zu den Märkten gehört, auf denen die Verbraucher den schlechtesten Stand haben.

Wesentliche Ergebnisse

EU-weit waren 62 % der Testkunden in der Lage, einen billigeren Stromtarif zu finden als den ihres derzeitigen Anbieters. Die durchschnittliche Ersparnis pro Jahr belief sich auf 100 EUR.

  • Nur wenige Verbraucher wechseln den Anbieter: Nur in sieben EU-Ländern liegt der Anteil derjenigen, die den Anbieter wechseln, über 10%.

  • Nicht einmal jeder dritte EU-Verbraucher (32 %) hat Angebote verschiedener Anbieter miteinander verglichen.

  • 41 % der Verbraucher wissen nicht, ob es für sie einen billigeren Tarif gibt.

  • Nicht einmal jeder zweite EU-Verbraucher (47 %) kennt den eigenen Stromverbrauch.

  • Die Bearbeitung von Beschwerden seitens der Stromanbieter muss verbessert werden: Nur 28 % der EU-Verbraucher waren zufrieden damit, wie ihre Beschwerde bearbeitet wurde.

  • In den meisten EU-Ländern zahlen Haushalte, die wenig Strom verbrauchen, mehr pro kWh als Kunden, die viel verbrauchen.

Die Studie

Untersucht wurden vor allem folgende Aspekte: Auswahl an Anbietern und Tarifen, Preise, Transparenz und Vergleichbarkeit der Angebote, Anbieterwechsel, Abrechnungsverfahren, Umgang mit Problemen und Beschwerden der Verbraucher sowie Streitbeilegungsverfahren.

Dazu wurden in allen EU-Ländern Erhebungen durchgeführt. Bestandteil der Untersuchung war eine Testaktion, in der sich die Tester wie normale Verbraucher verhielten. Die Testkunden versuchten, das beste Angebot zu finden oder sich mit dem Kundendienst in Verbindung zu setzen. Auf diese Weise konnten sie sich einen Eindruck davon verschaffen, wie die Strommärkte in der gesamten EU für die Verbraucher in der Praxis funktionieren.

Energiepolitik für die Verbraucher in der EU: Wo stehen wir?

Die EU hat bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, die auf hohe Verbraucherschutzstandards abzielen. Diese müssen nun vollständig umgesetzt werden:

  • Die Liberalisierung der Gas- und Strommärkte bietet enorme Möglichkeiten für größere Auswahl und Preiswettbewerb; diese Möglichkeiten könnten die Verbraucher nutzen.

  • Maßnahmen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit und zur Förderung von Infrastrukturinvestitionen tragen dazu bei, die ununterbrochene Versorgung der Verbraucher mit Strom zu sichern.

  • Initiativen zur Kennzeichnung von Produkten sorgen dafür, dass der Stromverbrauch von Haushaltsgeräten beim Kauf erkennbar ist.

  • Mindeststandards stellen sicher, dass die schlimmsten Stromfresser vom Markt verschwinden.

Nächste Schritte

Die heute veröffentlichten Ergebnisse zeigen erneut, dass mehr unternommen werden muss, wenn die Verbraucher in der Praxis stärker von der Energiepolitik der EU profitieren sollen. Die Kommission schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, darunter Folgende:

  • Die nationalen Regulierungsbehörden sollten Leitlinien ausarbeiten, die für eine effektivere Information der Verbraucher sorgen und ihnen den Preisvergleich und den Anbieterwechsel erleichtern.

  • Gemeinsam mit den wichtigsten Akteuren wird die Kommission ermitteln, welche alternativen Streitbeilegungsverfahren sich am besten für die Strombranche eignen.

  • Verbesserung der Abrechnungen und der Bearbeitung von Beschwerden: Umsetzung der bereits vorhandenen Empfehlungen, u. a. der Empfehlungen des Citizen's Energy Forums.

Das Vorschlagspaket wird in die Schlussfolgerungen der Tagung des Rates der Minister für Energiefragen am 3. Dezember einfließen.

Arbeitspapier der Kommissionsdienststellen:

http://ec.europa.eu/consumers/strategy/facts_en.htm#Energy

http://ec.europa.eu/energy/gas_electricity/forum_citizen_energy_en.htm

Vollständige Fassung der Studie zu den Strommärkten:

http://ec.europa.eu/consumers/citizen/my_rights/energy_en.htm#Learn_more


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website