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IP/10/1501

Brüssel, den 11. November 2010

Fischerei: Kommission schlägt für 2011 wissen­schaftlich fundierte, nachhaltige Fangmöglichkeiten vor

Die Europäische Kommission hat ihren Vorschlag über die Fangmöglich­keiten für 2011 angenommen, in dem die zulässigen Gesamtfangmengen (TAC) und der Fischereiwand für Atlantik, Nordsee und die in die Regelungs­zuständigkeit einer regionalen Fischereiorganisation fallenden internatio­nalen Gewässer festgelegt sind. Der Vorschlag basiert auf wissenschaft­lichen Gutachten über die Mengen an Fisch, die auf nachhaltige Weise gefangen werden können. Die Kommission hat mit den Mitgliedstaaten und Interessengruppen Arbeitsmethoden erörtert und deren Stellungnahmen berücksichtigt, wobei an dem Ziel festgehalten wurde, bis 2015 den höchstmöglichen Dauerertrag zu erreichen.

Die für Fischerei und maritime Angelegenheiten zuständige Kommissarin Maria Damanaki sagte zu dem Vorschlag: „Wir dürfen die grundlegenden Fakten nicht aus den Augen verlieren. Im Meer gibt es nur eine begrenzte Menge Fisch, und die Menge, die jährlich gefangen werden kann, ohne die Zukunft der Bestände zu gefährden, ist somit ebenfalls begrenzt. Alljährlich fordern wir wissenschaftliche Gutachten zu diesen Obergrenzen an, und die Kommission stützt sich bei ihrem Vorschlag auf diese Gutachten.“ Des Weiteren erklärte die Kommissarin: „Mir liegt viel daran, dass die EU das auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung aufgestellte Ziel erreicht, bis 2015 eine Bewirtschaftung der Fischbestände im Einklang mit dem höchstmöglichen Dauerertrag zu gewährleisten. 2015 ist nicht mehr weit, und wir müssen uns nun an die Arbeit machen. Klare, wissenschaftlich fundierte Beschlüsse sind der einzige Weg, die Fischbestände soweit wieder aufzubauen, dass sie die Grundlage für eine gesunde und rentable Fischerei­industrie in der EU bilden. Leider wird es bei einigen Quoten Enttäuschungen geben, doch hat die Vergangenheit gezeigt, dass denjenigen, die glauben, mit der Natur schachern zu können, in der Fischerei keine lange Zukunft beschieden ist.“

In ihrem wissenschaftlichen Gutachten für 2011 haben die Sachverständigen des Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschusses für die Fischerei (STECF) erneut auf den schlechten Zustand vieler Fischbestände in den EU-Gewässern hingewiesen. Der Beitrag der europäischen Fischereien zur Wirtschaft und zur Lebensmittelversorgung ist heute deutlich geringer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Bemühungen, alle europäischen Fischbestände wieder auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen, kommen nur schleppend voran, da sich die Fangflotten nicht rasch genug an die Vorgaben der wissenschaftlichen Gutachten anpassen konnten. Rund 72 % der bewerteten Bestände sind so stark überfischt, dass mit weniger Fischerei mehr Fisch gefangen würde. Nur etwa 40 % unserer bewerteten Bestände werden erwiesenermaßen nachhaltig befischt. Andererseits gab es gegenüber dem Vorjahr, als diese Zahlen noch bei 86 % bzw. 31 % lagen, doch auch Fortschritte, und bei einigen wichtigen Beständen wie beispielsweise Seehecht und Seezunge sind klare Verbesserungen zu erkennen.

Zur Verwirklichung von langfristigen Nachhaltigkeitszielen hat der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) Gutachten zu der Kommissionsstrategie vorgelegt, mit der bis 2015 eine Bewirtschaftung im Einklang mit dem höchstmöglichen Dauer­ertrag gewährleistet werden soll. Für alle wichtigen kommerziell genutzten Bestände werden mehrjährige Bewirtschaftungspläne aufgestellt. Diese Pläne decken 30 % der Gesamtfangmengen für 2011 ab. Werden die verschiedenen mit Norwegen gemeinsam bewirtschafteten Bestände mitgerechnet, für die ebenfalls mehrjährige Bewirtschaftungsregelungen gelten, so unterliegen mehr als 80 % (gewichtsmäßig) des von EU-Fischern gefangenen Fischs einer mehrjährigen Bewirtschaftung. Die auf diese Weise bewirtschafteten Bestände weisen in der Regel einen besseren Zustand auf als Bestände, für die Beschlüsse nur über einen kurzen Zeitraum gelten. Allerdings müssen die Bewirtschaftungspläne auch ordnungsgemäß durchgeführt werden, und in Fällen, in denen die konkreten Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben, müssen Sicherheitsklauseln zur Anwendung kommen.

Vor diesem Hintergrund ist die Kommission weiterhin sehr besorgt über den Erhaltungszustand von Kabeljau, für den seit 2004 ein Bewirtschaftungsplan vorliegt. Die Kabeljaubestände im Kattegat, der Irischen See und westlich von Schottland lassen keine Anzeichen einer Erholung erkennen. Die Kommission schlägt daher eine Kürzung dieser TAC um 50 % vor und hat die Mitgliedstaaten zur Zusammenarbeit für eine eingehende Überprüfung der Kabeljaubewirtschaftung aufgefordert, bei der untersucht werden soll, warum die im Rahmen des mehrjährigen Bewirtschaftungsplans beschlossenen Maßnahmen nicht zu den erwarteten Verbesserungen geführt haben.

Der Einbruch bei Nordseekabeljau erfolgte 2008, als dem Bestand mehr Fische entnommen wurden als in allen Jahren seit 1999. „Echtzeit“-Schließungen und Programme zur Vermeidung von Kabeljaubeifängen haben nicht ausgereicht, um den Bestand zu schützen, und haben sich nicht nennenswert auf die Fischerei­muster ausgewirkt. Nordseekabeljau wird gemeinsam mit Norwegen bewirtschaftet, und es muss gemeinsam beraten werden, wie eine Verbesserung erreicht werden kann.

Die Kommission empfiehlt in ihrem Vorschlag für 2011 eine Anhebung der Quoten für sechs Bestände, Quotenkürzungen für 64 Bestände und eine Beibehaltung der Quoten für 32 Bestände (Einzelheiten siehe beigefügte Tabelle). Insgesamt laufen die Veränderungen auf eine Quotenkürzung um 89 400 Tonnen oder 10 % hinaus. Bei diesen Zahlen sind diejenigen Bestände nicht mitberücksichtigt, für die noch bis zur Ratstagung der für Fischerei zuständigen Minister der Mitgliedstaaten im Dezember die Fangmöglichkeiten mit Drittländern (z. B. Norwegen) oder im Rahmen einer regionalen Fischereiorganisation vereinbart werden müssen. Auf der Tagung am 13. und 14. Dezember werden die Fischerei­minister den Vorschlag zusammen mit der Kommission erörtern und die Fang­mengen für 2011 festsetzen.

Tabelle im Anhang: Überblick über die Vorschläge der Kommission für 2011

Weitere Informationen und Karten: http://ec.europa.eu/fisheries/index_de.htm

MEMO/10/571


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