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IP/10/1499

Brüssel, 11. November 2010

Europaweite Umfrage: öffentliche Unterstützung für verantwortungsvolle Innovation in den Biowissenschaften und ‑technologien

Wie eine neue Eurobarometer-Umfrage zu den Biowissenschaften und Biotechnologien ergeben hat, stehen die Bürger in Europa diesen Bereichen optimistisch gegenüber. So rechnen 53 % der Befragten künftig mit positiven Auswirkungen dieser Technologien, während nur 20 % negative Folgen erwarten. Die Umfrage ließ jedoch auch erhebliche Wissenslücken erkennen, die durch verstärkte Kommunikationsmaßnahmen geschlossen werden sollten: So hatten die Befragten mehrheitlich von einigen in der Umfrage behandelten Gebieten noch nie etwas gehört, z. B. von der Nanotechnologie (55 %), den Biobanken (67 %) und der synthetischen Biologie (83 %), und hinsichtlich einiger Bereiche wie genetisch veränderter Lebensmittel herrschen weiterhin Skepsis und Bedenken vor. Die im Februar 2010 durchgeführte Eurobarometer-Umfrage ist die siebte Erhebung dieser Reihe seit 1991 und beruht auf repräsentativen Stichproben in 32 europäischen Ländern.

Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, erklärte dazu: „Diese Umfrage macht vor allem drei Dinge deutlich. Erstens stehen die Europäer den Biotechnologien überwiegend positiv gegenüber, auch wenn sie hinsichtlich bestimmter Aspekte weiterhin Bedenken haben. Zweitens fühlen sich viele Menschen in wichtigen Bereichen der Biotechnologie noch unzureichend informiert. Dies stellt uns vor eine große Kommunikationsaufgabe. Diese Herausforderung möchte ich annehmen, und ich möchte alle beteiligten Akteure dazu auffordern, dies ebenfalls zu tun. Drittens sollten alle Entscheidungen zur Biotechnologie auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage beruhen und ethische, gesundheitliche und ökologische Faktoren angemessen berücksichtigen. Denn wir können uns nicht von emotionalen Reaktionen oder kurzfristigen wirtschaftlichen Überlegungen leiten lassen.

Die Biotechnologie kann einen enormen Beitrag zur Erreichung der Ziele unserer Strategie „Europa 2020“ leisten, was nachhaltiges Wachstum und eine bessere Gesundheit und Lebensqualität angeht. Sie wird daher auch weiterhin ein wichtiger Gegenstand der EU-Forschungsrahmenprogramme bleiben.“

Wie bei früheren Eurobarometer-Umfragen im Bereich der Biotechnologie wurde der Fragebogen für die Umfrage von einem unabhängigen Team von Sozialwissenschaftlern erstellt, die auch die Ergebnisse auswerteten. Dieses Mal standen sie unter der Leitung der London School of Economics. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Innovationen in diesen Bereichen in der Bevölkerung nicht auf Ablehnung stoßen. Generell befürworten die Europäer verantwortungsvolle Innovationen unter einer angemessenen Aufsicht, die für einen Ausgleich auf dem Markt sorgt. Ferner möchten sie in Entscheidungen über neue Technologien einbezogen werden, wenn diese soziale Werte betreffen. Gleichzeitig ist seit 2005 ein Vertrauenszuwachs zu beobachten, was die Rolle der meisten zentralen Akteure – z. B. Ärzte, Wissenschaftler, die EU, nationale Regierungen und die Industrie – bei der Entscheidungsfindung im Bereich der Biotechnologien angeht (siehe Tabelle 9 des Berichts). Zudem haben Nachhaltigkeitsaspekte immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Von den 53 % der EU-Bürger, die eine positive Einstellung zu den Biotechnologien haben (Abb. 2 des Berichts), zeigten sich die Menschen in Estland (77 %), Schweden (72 %) und Finnland (69 %) besonders optimistisch. Der einzige Mitgliedstaat, in dem die Zahl der Menschen, die negative Auswirkungen erwarten, die Zahl der Optimisten übertraf, war Österreich (41 % gegenüber 35 %).

In der gesamten EU sprachen sich die Menschen deutlich für den Einsatz von Biokraftstoffen aus. 72 % der Befragten unterstützen die Gewinnung von Biokraftstoffen aus Nutzpflanzen, und 83 % sprechen sich für die Erzeugung von Biokraftstoffen aus nicht essbaren Rohstoffen aus (Abb. 7 des Berichts).

Zudem wurde eine überwältigende Unterstützung medizinischer Anwendungen der Biotechnologie deutlich, für die strenge Vorschriften gelten sollten (Abb. 21). 63 % der Befragten befürworten die Forschung an embryonalen Stammzellen (gegenüber 59 % im Jahr 2005). 69% sprachen sich unter bestimmten Bedingungen für sonstige Stammzellenforschung aus (65 % vor fünf Jahren) und 63 % unterstützen die Gentherapie (54 % vor fünf Jahren). Weitere 15-18 % sind bereit, die genannten Anwendungen unter besonderen Umständen zu akzeptieren. Am stärksten fiel die Zustimmung dabei im Vereinigten Königreich, in Spanien und in Dänemark aus.

Eine klare Mehrheit der Europäer (61 % gegenüber 57 % im Jahr 2005) steht genetisch veränderten Lebensmitteln weiterhin deutlich ablehnend gegenüber (Abb. 13). Dazu führten sie Sicherheitsbedenken, keine aus ihrer Sicht feststellbaren Vorteile und ein allgemeines Unbehagen an. Neue Generationen „leichter“ Anwendungen der Gentechnik im Lebensmittelbereich werden jedoch vorsichtig unterstützt, wie z. B. die Übertragung von Genen aus Holzäpfeln in essbare Äpfel, die 46 % der Befragten befürworten und 38 % ablehnen (Abb. 18).

Auch das Klonen von Tieren für die Lebensmittelerzeugung, das nur 18 % befürworteten, stieß auf starke Ablehnung.

Die Auswertung dieser Eurobarometer-Umfrage ist Teil des Forschungsprojekts „Sensible Technologien und Ethik in der europäischen Öffentlichkeit“ (Sensitive Technologies and European Public Ethics, STEPE), das im Rahmen des Programms „Wissenschaft in der Gesellschaft“ des 7. EU-Rahmenprogramms für Forschung und technologische Entwicklung (RP7) finanziert wird. Die in dem Bericht der Sozialwissenschaftler vertretenen Meinungen sind die der Autoren und entsprechen nicht notwendigerweise den Ansichten der Europäischen Kommission.

Der Bericht, eine Zusammenfassung des Berichts sowie Daten und Länderprofile sind unter folgender Adresse auf der Eurobarometer-Website abrufbar:

http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/eb_special_en.htm#341


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