Chemin de navigation

Left navigation

Additional tools

Finanzdienstleistungen: Europäische Kommission leitet Konsultation zum weiteren Vorgehen bei Ratingagenturen ein

Commission Européenne - IP/10/1471   05/11/2010

Autres langues disponibles: FR EN

IP/10/1471

Brüssel, den 5. November 2010

Finanzdienstleistungen: Europäische Kommission leitet Konsultation zum weiteren Vorgehen bei Ratingagenturen ein

Im Rahmen ihrer Bemühungen um Schaffung eines solideren Finanzsystems haben die Kommissionsdienststellen heute eine umfassende Konsultation zum Thema Ratingagenturen eingeleitet. Ratingagenturen sind zwar wichtige Akteure an den Finanzmärkten, doch haben die jüngsten Entwicklungen bei der Euro-Schuldenkrise gezeigt, dass bestimmte Aspekte des derzeitigen Regulierungsrahmens möglicherweise erneut überprüft werden müssen. So wächst die Sorge, dass sich Finanzinstitute und institutionelle Anleger zu stark auf externe Ratings stützen und keine ausreichenden internen Kreditrisikobewertungen vornehmen, was Marktvolatilität und Instabilität des Finanzsystems nach sich ziehen kann. Ziel dieses Konsultationsverfahrens ist es, eine breit angelegte Debatte anzustoßen und die Meinungen aller Beteiligten einzuholen, um abzuwägen, welchen Geltungsbereich etwaige künftige Legislativinitiativen im Bereich Ratingagenturen haben und wie ehrgeizig sie sein sollten. Auf globaler Ebene wurden diese Fragen auch im jüngsten Bericht des FSB (Financial Stability Board) über die Stabilität der Finanzmärkte aufgeworfen. Konsultationsschluss ist der 7. Januar 2011.

Hierzu Binnenmarkt- und Dienstleistungskommissar Michel Barnier: „Wir müssen unsere Lehren aus der Krise ziehen. Wir haben bereits EU-weite Regeln für eine bessere Beaufsichtigung und erhöhte Transparenz an den Rating-Märkten eingeführt. Dies war ein wichtiger erster Schritt. Doch müssen wir nun in einem zweiten darüber nachdenken, welche Rolle die Ratings selbst spielen und welche Auswirkungen sie auf die Märkte haben können. In der heute eingeleiteten Konsultation wird keine Frage ausgelassen. Die eingehenden Antworten werden uns bei der Entscheidung darüber helfen, welche weiteren Maßnahmen erforderlich sind.”

Am 7. Dezember 2010 tritt ein neuer EU-Regulierungsrahmen für Ratingagenturen in Kraft. Die Agenturen werden künftig Verhaltensregeln einhalten müssen, um potenzielle Interessenkonflikte auf ein Minimum zu begrenzen, qualitativ bessere Ratings zu gewährleisten und für die Ratings wie den Ratingprozess größere Transparenz sicherzustellen. (Siehe IP/09/629).

Die jüngste Euro-Schuldenkrise hat allerdings gezeigt, dass einige Probleme im Zusammenhang mit Ratingagenturen noch gelöst werden müssen. Um die Meinungen aller Beteiligten zu möglichen Initiativen zur Stärkung des Regulierungsrahmens für Ratingagenturen einzuholen, werden in dem heute vorgelegten Konsultationspapier zahlreiche Fragen aufgeworfen.

Dazu zählen u. a.:

Zu großes Vertrauen: Die jüngste Euro-Schuldenkrise hat erneut die Sorge aufkommen lassen, dass sich Finanzinstitute und institutionelle Anleger zu sehr auf externe Ratings verlassen. Es sollte die Frage gestellt werden, ob der Umfang in dem die bestehende Gesetzgebung auf Ratings verweist und ihnen dadurch eine äußerst wichtige Rolle überträgt, gerechtfertigt ist, und ob Alternativen denkbar wären. Die Kommission stellt deshalb die Frage, wie dieses womöglich übermäßige Vertrauen in Ratings vermieden und die Emittenten strukturierter Finanzinstrumente zu einer umfangreicheren Offenlegung veranlasst werden könnten, so dass die Anleger in der Lage wären, ihre eigene zusätzliche Due-Diligence-Prüfung auf fundierter Grundlage durchzuführen.

Verbesserung der Staatsanleihe-Ratings: Staatsanleihe-Ratings sind für die bewerteten Länder von elementarer Bedeutung, da sich für sie bei einer Herabstufung die Kreditaufnahme unmittelbar verteuert. Angesichts ihrer Bedeutung müssen die Ratings dieser Forderungsklasse zeitnah und transparent sein. Auch wenn der einschlägige EU-Regulierungsrahmen bereits Offenlegungs- und Transparenzpflichten für Staatsanleihe-Ratings vorsieht, könnten noch weitere Maßnahmen in Betracht gezogen werden, um die Transparenz, die Überwachung, die Methodik und die Verfahren von Staatsanleihe-Ratings in der EU zu verbessern.

- Wettbewerb: Der Ratingsektor besteht nur aus einer Handvoll großer Agenturen. Die Marktzutrittsschranken sind hoch. Bedenken wurden im Hinblick darauf geäußert, dass die Ratings großer multinationaler Konzerne und strukturierter Finanzprodukte in der Hand von nur wenigen Ratingagenturen liegen. Dieser Mangel an Wettbewerb könnte die Ratingqualität beeinträchtigen. Die Kommission möchte wissen, welche Optionen bestehen, um die Diversifizierung in diesem Sektor zu erhöhen.

- Haftung: Die Bestimmungen darüber, ob und unter welchen Bedingungen Anleger Schadenersatzansprüche an Ratingagenturen richten können, sind von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich. Diese Unterschiede könnten möglicherweise dazu führen, dass sich die Ratingagenturen oder Emittenten nach dem für sie günstigsten Rechtskreis umschauen, in dem eine zivilrechtliche Haftung am wenigsten wahrscheinlich ist. Die Kommission möchte wissen, ob die Einführung einer Haftungsregelung in den EU-Regulierungsrahmen für Ratingagenturen in Betracht gezogen werden muss.

- Interessenkonflikte: Das „Modell des zahlenden Emittenten“ wirft die Frage nach Interessenkonflikten auf. Zu verstehen ist darunter die bei Ratingagenturen vorherrschende Praxis, dass Emittenten die Ratings für ihre Schuldtitel selbst in Auftrag geben und bezahlen. Da die Agenturen ein finanzielles Interesse an weiteren Aufträgen dieser Emittenten haben, könnte dies zur Vergabe besserer Ratings führen, als durch die Qualität der Schuldtitel gerechtfertigt ist, um den Emittenten so dazu zu veranlassen, künftig weitere Ratings bei ihnen in Auftrag zu geben. Auch könnte dies dazu führen, dass Emittenten ihre Ratingagentur nach dem von ihr zu erwartenden Rating auswählen. Die Kommission möchte wissen, welche Belege es für derartige Praktiken gibt und ob alternative Modelle denkbar wären.

Ausgehend von den eingehenden Antworten wird die Kommission 2011 entscheiden, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.

Weitere Informationen unter:

http://ec.europa.eu/internal_market/securities/agencies/index_de.htm


Side Bar

Mon compte

Gérez vos recherches et notifications par email


Aidez-nous à améliorer ce site