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IP/10/1379

Brüssel, den 26. Oktober 2010

Forschung und Wirtschaftskrise: Investitionskürzun­gen führender Unternehmen in der EU geringer als in den USA, Europa dennoch weiterhin deutlich im Rückstand

Der von der Europäischen Kommission 2010 veröffentlichte EU-Anzeiger für FuE-Investitionen der Industrie („Investment Scoreboard“) zeigt, dass die Investitionen der führenden EU-Unternehmen in Forschung und Entwicklung 2009 um 2,6 % zurückgingen, wenngleich Absatz und Gewinne weitaus deutlicher sanken, nämlich um 10,1 % bzw. 21,0 %. Der Rückgang der Forschungsinvestitionen führender US-Unternehmen war mit 5,1 % doppelt so hoch wie in der EU, weltweit betrug der Rückgang jedoch nur 1,9 %. Die japanischen Firmen hielten ihr Investitionsniveau. Unternehmen aus anderen asiatischen Ländern – China, Indien, Hongkong, Südkorea und Taiwan – setzten das in den vergangenen Jahren beobachtete hohe FuE-Wachstum fort. Der japanische Autohersteller Toyota ist mit Investitionen in Höhe von 6,8 Mrd. EUR zum zweiten Mal in Folge der weltweit größte FuE-Investor. Unter den „Top Ten“ befinden sich drei EU-Unternehmen: Volkswagen (mit 5,8 Mrd. EUR der größte in Europa niedergelassene Investor), Nokia and Sanofi-Aventis. Das „Investment Scoreboard“ erfasst die 1400 weltweit größten Unternehmen.

Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, erklärte dazu: „Die Tatsache, dass die größten EU-Firmen ihre Forschungsinvestitionen im Wesentlichen beibehalten haben, zeigt, dass sie FuE als den besten Weg betrachten, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Die große Diskrepanz zu den führenden US-Unternehmen auf Gebieten wie Software und Biotechnologie sowie der rasche Aufstieg der asiatischen Unternehmen werfen jedoch ein Schlaglicht auf den Innovationsnotstand in Europa. Deshalb sollten die Staats- und Regierungschefs bei der Tagung des Europäischen Rates im Dezember die von Antonio Tajani und mir am 6. Oktober angekündigten Vorschläge zur Innovationsunion unbedingt unterstützen.

Das Scoreboard 2010 zeigt, dass FuE-Investitionen auch in einem nahezu beispiellos schwierigen wirtschaftlichen Umfeld für die Top-Unternehmen weltweit eine wichtige strategische Priorität bleiben.

Tendenzen in den einzelnen Weltregionen

2009 kürzten die führenden EU-Unternehmen ihre Forschungsinvestitionen trotz vergleichbarer Absatzrückgänge (circa 10 %) und höherer Gewinnrückgänge (13,0 % gegenüber 1,4 %) in weitaus geringerem Maß als ihre Wettbewerber in den USA.

Die Forschungsleistung der europäischen Unternehmen ist in zentralen Hightech-Sektoren schwach. Die im Investitionsanzeiger aufgeführten US-Unternehmen investierten in Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Halbleiter das Fünffache, im Softwarebereich das Vierfache und in der Biotechnologie das Achtfache der Aufwendungen ihrer europäischen Wettbewerber.

Die japanischen Firmen wahrten ihre Forschungsinvestitionen trotz starker Absatz- und Gewinnrückgänge (ca. 10 % bzw. 88,2 %).

Großunternehmen mit Hauptniederlassung in verschiedenen asiatischen Ländern setzten das hohe FuE-Wachstum der vergangenen Jahre fort, z. B. in China (+ 40 %), Indien (+ 27,3 %), Hongkong (+ 14,8 %), Südkorea (+ 9,1 %) und Taiwan (+ 3,1 %). Auch die schweizerischen Unternehmen steigerten ihre Forschungsinvestitionen (um 2,5 %).

Tendenzen in einzelnen Unternehmen und Sektoren

Unter den ersten zehn FuE-Investoren befinden sich drei Unternehmen mit Hauptniederlassung in der EU (Volkswagen, Nokia und Sanofi-Aventis), drei aus den USA (Microsoft, Pfizer und Johnson & Johnson) sowie eines aus Japan (Toyota, das auch die Spitzenposition einnimmt). Zu den Top-50 gehören 16 Unternehmen aus der EU, 19 aus den USA und 12 aus Japan (Abb. 2). 30 der Top-50-Unternehmen kürzten 2009 ihre Forschungsinvestitionen.

Der Anteil der verschiedenen Sektoren an den FuE-Investitionen blieb trotz der Krise weltweit ungefähr gleich. Bei den US-Unternehmen entfallen mehr als zwei Drittel der gesamten FuE-Aufwendungen auf forschungsintensive Sektoren wie die Pharmaindustrie oder Computerdienste. Dahingegen sind für die europäischen und japanischen Unternehmen die mäßig forschungsintensiven Branchen (Automobil- und Elektroniksektor) die wichtigsten Felder der Forschungstätigkeit, während FuE-intensive Sektoren nur ein Drittel der Gesamtinvestitionen ausmachen.

Einige Automobilhersteller reduzierten ihre Forschungsinvestitionen drastisch, z. B. Ford (32,4 %), Renault (26,5 %) und General Motors (24,1 %). Andere, wie Nissan und Toyota, kürzten ihre Forschungsinvestitionen nur leicht oder hoben sie sogar an (z. B. Hyundai).

Unter den Firmen, die ihre FuE-Investitionen 2009 aufstockten, finden sich nicht nur solche mit guten Absatz- und Gewinnergebnissen wie Huawei Technologies (+ 27,8 %) und Apple (+ 25,4 %), sondern auch Unternehmen, die ihre Forschungstätigkeit trotz niedrigerem Absatz und Gewinn intensivierten, z. B. Bayer (+ 8,8 %) und General Electric (+ 10,1 %).

Im Sektor der alternativen Energien war weiterhin ein rasches Wachstum zu verzeichnen. Im Scoreboard sind nun 15 Unternehmen (9 mehr als im letzten Jahr) erfasst, die sich ganz auf umweltfreundliche Energietechnologien konzentrieren. Diese Unternehmen, von denen 13 in der EU ansässig sind, investierten 2009 mehr als 500 Mio. EUR, was einen Anstieg um 28,7 % bedeutet. Investitionen in alternative Energiequellen werden aber auch von Unternehmen getätigt, die anderen Sektoren (z. B. Öl und Gas) angehören.

Unterschiede innerhalb der EU – Spaniens führende FuE-Investoren trotzen der Krise

Die FuE-Wachstumsraten der einzelnen EU-Mitgliedstaaten sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Sektorenstruktur uneinheitlich. Ein starker Rückgang bei Forschung und Entwicklung war 2009 bei Unternehmen aus Staaten mit einer bedeutenden Automobilindustrie zu verzeichnen, so in Deutschland (- 3,2 %) und Frankreich (- 4,5 %).

Staaten wie Finnland (- 6 %) und Schweden (- 6,6 %), in denen die Herstellung von IT-Hardware ein wichtiger Industriezweig für einheimische Unternehmen ist, wiesen ebenfalls starke Rückgänge auf.

Die größten FuE-Investoren Spaniens steigerten ihre Investitionen hingegen um 15,4 %, trotz eines Absatzrückgangs von 6,4 %. Dies geht auf erhebliche Steigerungen bei großen spanischen Unternehmen wie Telefónica (+ 16 %) und Acciona (+ 29 %) und die Einbeziehung von Weltfirmen wie Banco Santander (+ 18 %) zurück.

Hintergrund

Der EU-Anzeiger für Forschungsinvestitionen der Industrie wird jedes Jahr von der Europäischen Kommission (GD Forschung und Gemeinsame Forschungsstelle) veröffentlicht; er enthält Informationen über die 1400 weltweit größten Unternehmen (400 aus der EU und 1000 aus anderen Regionen) und deren Rangfolge nach Maßgabe ihrer Forschungsinvestitionen. Gemessen wird der Gesamtwert ihrer weltweiten Investitionen in Forschung und Entwicklung unabhängig davon, an welchem Ort die Forschungstätigkeit erfolgt. Das „Scoreboard“ zeigt also keine Trends der privatwirtschaftlichen FuE-Intensität an, d. h. des Forschungsaufwands der Unternehmen in einem bestimmten Land oder einer bestimmten Region als Anteil des Bruttoinlandsprodukts und unabhängig davon, ob die Forschungsausgaben durch einheimische Firmen oder in Form ausländischer Direktinvestitionen getätigt werden.

Download

Der EU-Anzeiger und andere IRMA-Berichte über die Beobachtung und Analyse der Forschungsinvestitionen der Industrie (Industrial Research Investment Monitoring and Analysis) finden sich im Internet unter: http://iri.jrc.ec.europa.eu/reports.htm

Weitere Informationen:

MEMO/10/522

IP/10/1288

http://ec.europa.eu/research/innovation-union/index_en.cfm

Annex

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED

Figure 2. Ranking of the world's top 50 R&D companies by their total R&D investment in the 2010 Scoreboard.

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED
Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED

Note: The numbers in brackets after the names of the companies indicate their rankings in past Scoreboards.

Source: The 2010 EU Industrial R&D Investment Scoreboard, European Commission, JRC/DG RTD.


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