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IP/10/1300

Brüssel, 7. Oktober 2010

Giftschlammkatastrophe: Ungarn aktiviert EU‑Katastrophenschutzverfahren und fordert Experten an

Ungarn hat heute um 19.36 Uhr das EU-Katastrophenschutzverfahren für sofortige internationale Hilfe aktiviert, um auf die Umweltkatastrophe zu reagieren, die durch ausgelaufenen Giftschlamm aus dem Auffangbecken in der Stadt Ajka ausgelöst wurde. Laut ungarischer Regierung werden dringend 3–5 Experten benötigt, die über große praktische Erfahrung im Umgang mit Giftschlamm sowie der Sanierung und Milderung von Umweltschäden verfügen. Seit dem 4. Oktober steht das Beobachtungs- und Informationszentrum (BIZ) in engem Kontakt mit der ungarischen Regierung, um Informationen zu dem Unfall zu sammeln und schnell handeln zu können, falls Ungarn Hilfe anfordert. Das BIZ hat die Anfrage direkt an die 31 Staaten weitergeleitet, die am EU‑Katastrophenschutzverfahren beteiligt sind, und erwartet rasche Rückmeldungen.

Nach der Aktivierung des Verfahrens erklärte die für Katastrophenhilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva: „Ungarn wurde von einer Umweltkatastrophe getroffen. Unglücke wie dieses machen nicht an nationalen Grenzen halt. Daher kann nur durch eine gemeinsame europäische Antwort bestmögliche Hilfe geleistet werden. In diesem Moment der Not appelliere ich an alle EU-Mitgliedstaaten, dem Aufruf Ungarns durch großzügige Hilfsangebote nachzukommen.“

Tausende Kubikmeter mit Wasser gemischter roter Giftschlamm haben Teile der Ortschaften Kolontár und Devecser im Bezirk Veszprém überschwemmt. Der Unfall ereignete sich, als am 4. Oktober das Auffangbecken einer Aluminiumfabrik in der Stadt Ajka barst, das mit Natriumhydroxid-haltigem Industrieschlamm gefüllt war. Den Angaben der ungarischen Regierung zufolge starben 4 Menschen, 5 werden vermisst und 123 befinden sich im Krankenhaus.

Hintergrund

Das Europäische Katastrophenschutzverfahren, an dem sich 31 Länder beteiligen (EU-27 sowie Island, Kroatien, Liechtenstein und Norwegen), dient der Zusammenarbeit im Katastrophenfall. Im Rahmen des Verfahrens werden die Ressourcen gebündelt, die bei Katastrophen weltweit zur Verfügung gestellt werden können. Bei Aktivierung des Verfahrens werden die Hilfseinsätze innerhalb und außerhalb der Europäischen Union koordiniert. Für diese Aufgabe ist das Beobachtungs- und Informationszentrum bei der Europäischen Kommission zuständig. Seit seiner Einführung im Jahr 2001 kam das Verfahren sowohl bei hunderten Katastrophenfällen in den Mitgliedstaaten (z. B. bei den Überschwemmungen in Polen, Rumänien und Ungarn im Mai und den Waldbränden in Portugal im Sommer) als auch weltweit zum Einsatz, unter anderem bei den jüngsten Katastrophen in Haiti, Chile und Pakistan.

Für weitere Informationen siehe MEMO/10/189.


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