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Bilanzanpassungen im Unternehmenssektor prägen Konjunkturaussichten des Euroraums

European Commission - IP/10/1286   05/10/2010

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IP/10/1286

Brüssel, 5. Oktober 2010

Bilanzanpassungen im Unternehmenssektor prägen Konjunkturaussichten des Euroraums

Laut Euroraum-Quartalsbericht für das dritte Quartal 2010 hat das Wirtschaftswachstum zwar in den meisten Euroraum-Staaten angezogen, doch werden die laufenden Bilanzanpassungen im Unternehmenssektor den bevorstehenden Aufschwung weiter beeinflussen. Die Analyse früherer Bilanzanpassungsphasen zeigt, dass diese üblicherweise mit erheblichen Negativfolgen für die Gesamtwirtschaft verbunden waren, unter anderem mit einem schwachen BIP-Wachstum aufgrund von niedrigeren Investitionsquoten und Lohneinbußen. Daher ist es unerlässlich, dass diese Wachstumsbremsen möglichst bald durch wachstumsfördernde Reformen gelöst werden. Weitere Themen des Berichts sind frühere Anpassungen großer Leistungsbilanzdefizite und ungleiche Entwicklungen bei den Wohnimmobilienpreisen im Euroraum.

Die aktuelle Ausgabe des Euroraum-Quartalsberichts enthält eine gründliche Analyse des Prozesses der Unternehmensbilanzanpassung, d.h. der Veränderungen von Höhe und Zusammensetzung der Aktiva und Passiva von Unternehmen. Auch wenn sich diese bis zu einem gewissen Grade ständig verändern, da Unternehmen ihre Finanzstruktur an die sich wandelnde Konjunkturlage anpassen, zeigt die Auswertung doch, dass Bilanzanpassungen erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben können, wenn ihnen eine Phase der Unternehmensüberschuldung, starke Konjunkturabschwünge, Aktienmarkteinbrüche und Potenzialwachstumseinbußen vorausgehen. Sie zeigt auch, dass Bilanzanpassungen im Unternehmenssektor durch Probleme im Finanzsystem erschwert werden können. Die Analyse 31 früherer Bilanzanpassungsphasen legt den Schluss nahe, dass noch einige Zeit lang mit erheblichen Bilanzveränderungen gerechnet werden muss, was tatsächlich auch zuletzt schon sichtbar geworden ist.

Zu den wichtigsten makroökonomischen Auswirkungen, die in früheren Bilanzanpassungsphasen erkennbar waren, gehört vor allem ein über längere Zeit (im Durchschnitt rund 8 Jahre) schwaches BIP-Wachstum. Diese Abschwächung des BIP-Wachstums in Bilanzanpassungsphasen wird durch zwei unterschiedliche Phänomene bewirkt: Erstens werden die Unternehmensinvestitionen in der Anpassungsphase tendenziell eingeschränkt, damit die Unternehmen ihre Gesamtausgaben senken und so ihre Nettokreditaufnahme bei den anderen Wirtschaftssektoren zurückfahren können. Dies bremst allerdings auch die Inlandsnachfrage und in der Folge das Wirtschaftswachstum. Um die für die Bilanzanpassung notwendigen internen Mittel aufzubringen, neigen die Unternehmen zweitens dazu, ihre Personalaufwendungen zu kürzen, was das verfügbare Einkommen und letztlich den privaten Verbrauch schmälert.

Seit Beginn der weltweiten Rezession haben die Unternehmen im Euroraum ihre Kreditaufnahme bei den übrigen Wirtschaftssektoren mittels Bilanzanpassungen erheblich gedrosselt und sind sogar zu Nettokreditgebern geworden. Zum Teil scheint es sich dabei wie in früheren Abschwungphasen um ein konjunkturelles Phänomen zu handeln, doch gibt es noch weitere Gründe für die Befürchtung, dass hier längerfristige strukturelle Faktoren am Werk sind, die den Aufschwung im Euroraum belasten könnten. Hierzu gehören der vorhandene Schuldenüberhang, häufige Veränderungen der Risikobereitschaft und ein möglicher Rückgang der Potenzialwachstumsraten. Die negativen Folgen der Bilanzanpassung für die Wirtschaftstätigkeit könnten sich also noch verstärken, wenn die Politik nicht mit geeigneten Maßnahmen gegensteuert.

Der Bericht empfiehlt Maßnahmen in drei Bereichen: Um den Aufschwung auf eine solide Grundlage zu stellen, müssen zunächst einmal die noch verbleibenden Probleme im Bankensektor ausgeräumt werden. Zweitens muss die Wirtschaftspolitik darauf ausgerichtet werden, das Potenzialwachstum zu steigern; entsprechende Maßnahmen sollten so weit wie möglich vorgezogen werden. Schließlich sollte den Unternehmen ein besserer Zugang zu Beteiligungskapital verschafft werden, damit Bilanzanpassungen nicht mehr im bisherigen Maße über interne Einsparungen bei Investitionen und Personalkosten finanziert werden müssen.

Der Bericht enthält ferner verschiedene Sonderbeiträge zur Wirtschaft des Euroraums, in denen die Leistungsbilanzanpassungen verschiedener Länder, die Überbewertung des Immobilienmarkts und die griechische Exportwirtschaft analysiert werden.

Die wichtigsten Erkenntnisse in Kürze:

  • Die Korrektur von Leistungsbilanzdefiziten hat in der Regel eine Phase schleppenden Wachstums und steigender Arbeitslosigkeit zur Folge. Dieser Effekt lässt sich jedoch mildern, wenn Preise und Löhne angemessen reagieren und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert wird, vor allem innerhalb der Wirtschafts- und Währungsunion. Bislang gibt es nur wenig Anzeichen dafür, dass die Ungleichgewichte bei Preisen und Wettbewerbsfähigkeit im Euroraum abgebaut werden; hier müssen ohne jeden Zweifel weitere Anstrengungen unternommen werden.

  • Bei Griechenland sind ermutigende Anzeichen für eine Angebotsverschiebung hin zur Exportwirtschaft erkennbar, in der ein hoher Anteil von Unternehmen tätig ist. Dies deutet darauf hin, dass sich die beim griechischen Wirtschaftsprogramm vorgesehenen bedeutenden Reformen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit umso rascher auszahlen dürften.

  • Die realen Wohnimmobilienpreise im Euroraum sind seit Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise signifikant gesunken. Sie scheinen jetzt erheblich näher am jeweiligen Gleichgewichtsniveau zu liegen als in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich, auch wenn zwischen den Mitgliedstaaten nach wie vor beträchtliche Unterschiede bestehen. Diese vergleichsweise gesündere Verfassung des Immobilienmarkts im Euroraum insgesamt stimmt mit Blick auf eine künftige Erholung der Wohnungsbauinvestitionen und des privaten Verbrauchs zuversichtlich.

QREA report on:

http://ec.europa.eu/economy_finance/publications/qr_euro_area/2010/qrea3_en.htm.


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