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Brüssel, den 9. September 2010

Biodiversität: Die lokalen Behörden weltweit zum Handeln anregen

Wie können die lokalen Behörden Geld einsparen und zugleich die Wirtschaft fördern, die Lebensqualität verbessern und Arbeitsplätze schaffen? Indem sie ‑ einem neuen Bericht zufolge ‑ Ökosystemdienstleistungen in politische Entscheidungsprozesse einbeziehen. Der für kommunale und regionale Ent­scheidungsträger bestimmte Bericht, der im Rahmen der TEEB-Initiative (The Economics of Ecosystems and Biodiversity - Ökonomie von Ökosystemen und biologischer Vielfalt) erstellt wurde, zeigt kommunalen Entscheidungs­trägern, wie sie den Wert und die Dienstleistungen von Naturkapital wie Wäldern, Parks und Wasserwegen besser verstehen und in Bereichen der Kommunalpolitik wie Stadtmanage­ment, Raumplanung und Bewirtschaftung von Schutzgebieten nutzen können.

Der für Umwelt zuständige EU-Kommissar Janez Potočnik erklärte hierzu: „Die lokalen und regionalen Planungsbehörden verfügen über enorme Macht und können sehr viel Gutes bewirken. Dieser Bericht beleuchtet weltweit zahlreiche Beispiele einer gelungenen Integration von Biodiversitätsbelangen in kommunale Planungs­entscheidungen und zeigt im Einzelnen, welchen Nutzen die Bürgerinnen und Bürger vor Ort daraus ziehen. In vielen Fällen wird damit ein Wegweiser zu ökologischem Erfolg an die Hand gegeben.“

Der Leiter der TEEB-Studie, Pavan Sukhdev, sagte: „Die vielfachen und komplexen Werte der Natur haben direkte wirtschaftliche Auswirkungen auf das menschliche Wohlergehen und die öffentlichen Ausgaben sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene. Durch eine genaue Betrachtung der verschiedenen von der Natur erbrachten Leistungen können wir erkennen, inwieweit wir direkt und indirekt von der natürlichen Umwelt abhängen, und diese Einsicht kann in der Kommunalpolitik und der öffentlichen Verwaltung sehr hilfreich sein. Wir wünschen uns, dass die lokalen Behörden diesen Bericht lesen und sich der von der Natur gebotenen Vorteile und der wirtschaftlichen Dimension ihres örtlichen Naturkapitals bewusst werden.“

Einbeziehung der Biodiversität an der Basis in Europa …

Der neue Bericht „TEEB for Local and Regional Policy Makers“, der im Rahmen der über das Umweltprogramm der Vereinten Nationen ins Leben gerufenen und unterstützten TEEB-Initiative erstellt wurde, beleuchtet, in wie hohem Maße viele Städte von der Natur abhängen, und zeigt, wie Ökosystemdienstleistungen kosten­effiziente Lösungen für die Erbringung kommunaler Dienstleistungen bieten können. Die Studie stellt beispielsweise dar, welchen Nutzen Rom aus 5000 ha öffentlicher Grünanlagen zieht oder wie die Kommunalbehörden in Wales durch die Bereit­stellung von mehr Grünflächen die Gesundheit ihrer Einwohner verbessern. Empfohlen werden u. a. Gebührensysteme für Ökosystemdienstleistungen, Leitlinien für die Vergütung des verantwortungsvollen Umgangs mit dem lokalen Naturkapital sowie Zertifizierungs- und Kennzeichnungssysteme.

…und weltweit

Über 140 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aus mehr als 40 Ländern weltweit waren an den Untersuchungen, Analysen und der Abfassung des TEEB-Berichts für kommunale und regionale politische Entscheidungsträger beteiligt, der Fallstudien aus zahlreichen Ländern wie z. B. Südafrika, Indien, Australien, Vietnam und Peru enthält. Neben der Bedeutung einer Bewertung der Ökosystemdienstleistungen werden in dem Bericht drei Kernfragen hervorgehoben, die beachtet werden müssen, damit das Naturkapital der lokalen Entwicklung zugute kommen kann:

    1. Gerechte Verteilung der Rechte an den Leistungen der Natur: Änderungen der Politik wirken sich häufig auf die Verteilung von Dienstleistungen oder den Zugang zu diesen aus, was beim Entscheidungsprozess zu berücksichtigen ist.

2. Optimale Nutzung der verfügbaren wissenschaftlichen und auf Erfahrung basierenden Kenntnisse, um zu einer gemeinsamen Sprache zu finden, mit der alle Standpunkte erfasst werden können.

3. Einbeziehung von Interessenträgern in den gesamten Prozess, damit vorrangig durchführbare und wirksame kommunalpolitische Maßnahmen ausgearbeitet werden.

Hintergrund

Die Naturgüter unseres Planeten (von einzelnen Arten bis hin zu Ökosystemen wie Wäldern, Korallenriffen, Süßwasser und Böden) schwinden in alarmierendem Tempo. Der Verlust an Biodiversität bedeutet jährliche Verluste für die globale Wirtschaft in Milliardenhöhe, schadet den Volkswirtschaften und beeinträchtigt die Unternehmensperspektiven und die Möglichkeiten zur Armutsbekämpfung.

Die TEEB-Initiative ist ein von der Europäischen Kommission und Ländern wie Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Schweden, Norwegen, Belgien und Japan finanziertes Projekt, das untersucht, welche wirtschaftlichen Gründe dafür sprechen, die Art und Weise, in der wir Naturgüter bewerten und bewirtschaften, zu ändern.

Dies ist der dritte an Interessenträger gerichtete TEEB-Bericht (nach einem Bericht für nationale Entscheidungsträger und einem weiteren für Unternehmen) und der letzte, bevor im Oktober auf der zehnten Tagung im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt in Nagoya die Gesamtergebnisse der TEEB-Initiative präsentiert werden.

Weitere Informationen:

Alle TEEB-Berichte können aufgerufen werden unter

http://www.teebweb.org/


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