Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR BG

IP/10/1021

Brüssel, 3. August 2010

Europäische Kommission fordert zusätzliche humanitäre Gelder zur Bewältigung der wachsenden Ernährungskrise im Sahel und Sudan an

Die Europäische Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion, Kristalina Georgieva, hat heute bekanntgegeben, dass die Kommission angesichts der wachsenden Ernährungskrise in der Sahelzone und in Sudan vorgeschlagen hat, aus der Soforthilfereserve des EU-Haushalts zusätzliche 40 Mio. EUR für humanitäre Hilfe abzurufen. Davon sollen die Sahelzone 30 Mio. EUR und Sudan 10 Mio. EUR erhalten. Mit diesen zusätzlichen 30 Mio. EUR steigen die humanitären Mittel, die die Kommission seit Ende 2009 für die Bekämpfung der Unterernährung in der Sahelzone gewährt hat, auf insgesamt 98 Mio. EUR. Die Mittel dienen dem Ausbau der humanitären Maßnahmen, die von den humanitären Partnerorganisationen der Europäischen Kommission durchgeführt werden, und werden dazu beitragen, dass mehr als 500 000 zusätzliche Bedürftige in den kommenden kritischen Monaten bis zur Erntezeit im Oktober durch Ernährungshilfe unterstützt werden können. Derzeit sind über 10 Millionen Menschen in der Sahelzone von Ernährungsunsicherheit bedroht. Davon leben mehr als 7 Millionen in Niger, von denen wiederum 3 Millionen unter schwerer Ernährungsunsicherheit leiden und dringend Nahrungsmittelhilfe benötigen.

EU-Kommissarin Kristalina Georgieva sagte: „Während meines Besuchs in Niger Anfang Juni habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie groß das Ausmaß der Ernährungskrise in der Sahelzone ist und wie viele schwer unterernährte Kinder zur Behandlung in die von der Kommission finanzierten Ernährungszentren gebracht werden. In den letzten Monaten konnten dank der rechtzeitigen und umfangreichen Ernährungshilfe, die die Europäische Kommission finanziert, und der guten Arbeit unserer Partner viele Leben gerettet werden. Dennoch haben sich die Klima-, Wirtschafts- und Ernährungsbedingungen für Millionen von Menschen weiter verschlechtert, die im „Dürregürtel“ der Sahelzone oder auch in Sudan leben, wo die Lage bereits durch den Konflikt erschwert wird. Wir müssen mehr tun und schnell handeln, wenn wir vermeiden wollen, dass Erwachsene und Kinder Hungers sterben. Die kommenden Monate bis zur nächsten Ernte sind eine kritische Zeit. Mit den zusätzlichen Geldern, die wir angefordert haben, können wir dazu beitragen, dass weitere Hunderttausende Menschen diese Hungerperiode überleben.“

Experten der Europäischen Kommission hatten bereits im September 2009 vor der sich abzeichnenden Ernährungskrise in der Sahelzone gewarnt. Die Kommission reagierte rasch auf die ersten Berichte über spärliche Niederschläge, die zu Ernteausfällen geführt hatten, und stellte im Dezember 2009 10 Mio. EUR bereit. Seither arbeitet sie eng mit ihren nichtstaatlichen Partnern, dem Roten Kreuz und den Vereinten Nationen zusammen, um stärker auf das Ausmaß der Krise aufmerksam zu machen sowie auf das Erfordernis, proaktiv vorzugehen, damit Gelder und Nahrungsmittel rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden. Zur Bewältigung der wachsenden Ernährungskrise wurden mehrfach humanitäre Gelder zur Verfügung gestellt, darunter 20 Mio. EUR im Januar 2010 zur Finanzierung des Globalplans für die Sahelzone zur Bekämpfung der Unterernährung von Kindern und 24 Mio. EUR im Juni 2010 als Reaktion auf die Ernährungskrise. Weitere 14 Mio. EUR wurden 2010 für Ernährungshilfe zugunsten der Dürreopfer im Tschad gezahlt.

Hintergrund

Die ausgedehnte Armut sowie der Mangel an Infrastrukturen und Grundversorgungsleistungen bedeuten, dass weite Teile der Bevölkerung in der Region extrem anfällig sind für externe Schocks wie Klimawandel und hohe Nahrungsmittelpreise.

Die derzeitige „magere Periode“ zwischen den Ernten ist für diese bedürftigen Haushalte die schwierigste Zeit des Jahres. Die diesjährige Nahrungsmittelknappheit, die durch seltene Niederschläge und Dürre im letzten Jahr verursacht wurde, wurde durch die anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise verschärft und hat viele Haushalte in die Krise getrieben. Angesichts der rasch ansteigenden Rate der akuten Unterernährung sind die bedürftigsten Haushalte auf Ernährungssoforthilfe und humanitäre Hilfe angewiesen, um während der Hungerperiode bis zur nächsten Ernte im November zu überleben.

Die am stärksten von der Ernährungskrise in der Sahelzone betroffenen Länder sind Niger und Tschad, doch auch in Nordnigeria, Burkina Faso, Mali und Nordkamerun wurden zahlreiche Gegenden identifiziert, in denen schwere Unterernährung herrscht. Wenngleich in geringerem Maß als in der Sahelzone, hat die Dürre in Sudan die Situation Tausender Menschen weiter erschwert, die bereits von der Gewalt und den Vertreibungen in Darfur und im Süden des Landes betroffen sind.

Die Kommission stützt sich bei ihrer Ernährungshilfe auf frühere Erfahrungen und eine umfangreiche Palette „intelligenter“ Lösungen für die Ernährungshilfe. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Dürre des Jahres 2005 besteht darin, dass eine frühzeitige Diagnose und rasche Behandlung von wesentlicher Bedeutung sind. Die Finanzmittel sind für die bedürftigsten Bevölkerungsgruppen und die Finanzierung von Maßnahmen in den Bereichen Ernährung und Gesundheit bestimmt, darunter kurzfristige Ernährungshilfe, die Behandlung unterernährter Kinder und die Sicherung der Existenzgrundlage von Pastoralisten und Nomaden.

Die Kommission fördert darüber hinaus den Kauf von Nahrungsmitteln vor Ort. Dank bisher zufriedenstellender Regenfälle in diesem Jahr besteht in Niger Hoffnung auf eine bessere Ernte als letztes Jahr. Wenn sich bis September eine gute Ernte abzeichnet, sollte der Vorrang Bargeldzahlungen eingeräumt werden, die den Empfängern ermöglichen, Nahrungsmittel direkt bei kleinen örtlichen Erzeugern zu kaufen. Dies ist kostenwirksam und hilft den Kleinbauern, die die Hauptopfer der diesjährigen Dürre sind. Außerdem wird so vermieden, dass die lokalen Marktbedingungen durch eingeführte Nahrungsmittelhilfe beeinträchtigt werden. Auch die Würde der Bevölkerung bleibt auf diese Weise gewahrt.

Neben humanitären Maßnahmen hat die EU 2008 mit der Einrichtung der mit 1 Mrd. EUR dotierten Nahrungsmittelfazilität auf die Nahrungsmittelpreiskrise reagiert. In Burkina Faso und Niger wurden Projekte eingeleitet, die die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion fördern sollen. In Mali unterstützt die Nahrungsmittelfazilität ein Projekt, das unter anderem darauf abzielt, den Ernährungsstatus von Müttern und Kleinkindern zu verbessern, indem wesentliche Vitamine, Mineralien und Arzneimittel verteilt werden.

Die Mittel werden über die UN-Organisationen, das Rote Kreuz und nichtstaatliche Organisationen bereitgestellt.

Weitere Informationen zur humanitären Hilfe der Kommission finden Sie im Internet unter:

http://ec.europa.eu/echo/index_en.htm

Häufige Fragen und Antworten zur Sahelzone:

MEMO/10/341

Mitteilung der Kommission über die humanitäre Hilfe im Ernährungsbereich:

MEMO/10/250


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website