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Brüssel, 16. Juni 2009

Fehlende Anreize und schlechtes Benehmen in Klassenzimmern frustrieren die Lehrkräfte

Nach einem neuen OECD-Bericht, der mit Unterstützung der Europäischen Kommission erstellt wurde, vermissen drei von vier Lehrern Anreize, um ihren Unterricht zu verbessern, und in drei von fünf Schulen stört schlechtes Benehmen von Schülern den Unterricht. Der Bericht stützt sich auf die neue Internationale Lehr- und Lernumfrage, TALIS, und stellt zum ersten Mal international vergleichbare Daten über die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte an Schulen zur Verfügung. Die Daten basieren auf den Umfrageergebnissen in 23 Ländern.

Im Rahmen der Vorstellung des Berichts betonte OECD-Generalsekretär Angel Gurría, dass die Lehrerleistung verbessert werden muss. „Hervorragende Lehrkräfte sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung der Bildungspolitik“, sagte Angel Gurría. „Im Endeffekt ist ein Bildungssystem nur so gut wie die Lehrkräfte und deren Arbeit.“

Ján Fige ľ, EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend, sagte: „Es gibt etwa 6 1/4 Millionen Lehrkräfte in der EU, und sie sind auf die volle Unterstützung der Bildungsbehörden angewiesen, damit sie die richtige Unterrichtsmethode in einem sich schnell verändernden Lehrumfeld anwenden können. Dafür bedarf es der Entschlossenheit und dem Engagement der Politiker, die Lehrkräfte nicht nur durch die Optimierung der Ausbildung, sondern auch durch die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu unterstützen.“

Der OECD-Bericht „Schaffung effektiver Umfelder zum Lehren und Lernen“ stützt sich auf die TALIS-Ergebnisse und zeigt Folgendes:

  • In Australien, Belgien (Flandern), Dänemark, Irland und Norwegen erwarten 90 % der Lehrer keine Gegenleistung für einen besseren Unterricht.

  • In Bulgarien und Polen sind die Lehrkräfte zwar weniger pessimistisch, fast die Hälfte ist aber nicht motiviert, etwas zu verbessern.

  • In Estland, Italien, die Slowakei und in Spanien arbeiten mehr als 70 % der Lehrkräfte im Sekundarbereich I an Schulen, an denen der Unterrichtsablauf „geringfügig“ oder „sehr“ gestört ist.

  • Durchschnittlich arbeiten 38 % der befragten Lehrkräfte an Schulen, denen es an qualifiziertem Lehrpersonal mangelt. In Polen sind davon nur 12 % der Schulen betroffen. In der Türkei wurde jedoch an 78 % der Schulen ein solcher Mangel festgestellt. http://dx.doi.org/10.1787/607784618372

  • Lehrkräfte verwenden durchschnittlich 13 % der Unterrichtszeit darauf, im Klassenzimmer für Ruhe zu sorgen. In Bulgarien, Estland, Litauen und Polen werden weniger als 10 % der Unterrichtszeit darauf verwendet.

  • Abgesehen von störendem Verhalten während des Unterrichts werden auch Fehlzeiten von Schülern (46 %), verspätetes Erscheinen zum Unterricht (39 %), vulgäre Ausdrucksweise und Fluchen (37 %) sowie Einschüchterung und Beschimpfung anderer Schüler (35 %) als Faktoren genannt, die das Lehren behindern.

  • Nicht nur dass Anreize zur Verbesserung fehlen, in manchen Ländern werden Lehrer weder einer systematischen Beurteilung unterzogen noch erhalten sie Feedback über ihre Arbeit. Dies trifft auf mehr als 25 % der irischen und portugiesischen Lehrkräfte zu, auf 45 % der Lehrer in Spanien sowie auf 55 % in Italien. http://dx.doi.org/10.1787/607856444110

Die wichtigste Erkenntnis für die Politik ist, dass die Bildungsbehörden effektivere Anreize für Lehrkräfte schaffen müssen. Viele Länder stellen keine Verbindung her zwischen der Leistungsbeurteilung der Lehrer und der Auszeichnungen und der Anerkennung, die sie für ihre Leistung erhalten, und auch in jenen Ländern, in denen diese Verbindung besteht, wird ihr häufig nicht viel Bedeutung beigemessen.

Die Umfrage zeigt im Großen und Ganzen, dass die Bildungsplaner mehr für die Unterstützung der Lehrkräfte sowie für die Verbesserung der Leistungen von Schülern unternehmen könnten, wenn sich sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politik weniger auf die Ressourcenkontrolle und die Bildungsinhalte und mehr auf die Lernergebnisse konzentrierten .

Hintergrund

Die neue internationale Lehr- und Lernumfrage der OECD, TALIS ( Teaching and Learning International Surve) ist die erste internationale Umfrage, die sich auf die Lernumgebung und die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte an Schulen konzentriert. Im Mittelpunkt stehen Probleme, die die Lehrkräfte und ihre Leistungen beeinträchtigen. Diese Probleme werden vom Standpunkt der Schuldirektoren und Lehrkräfte selbst beschrieben. TALIS zielt darauf ab, wichtige Informationslücken beim internationalen Vergleich der Bildungssysteme zu schließen.

Die Umfrage wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission durchgeführt und erfasst 23 Länder : Australien, Belgien (Flämische Gemeinschaft), Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Irland, Island, Italien, Korea, Litauen, Malaysia, Malta, Mexico, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Türkei und Ungarn.

In jedem Land wurden etwa 200 Schulen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. An jeder Schule wurde vom Direktor und etwa 20, ebenfalls zufällig ausgewählten Lehrkräften jeweils ein Fragebogen ausgefüllt.

Die Fragen behandelten Themen wie die Unterrichtsvorbereitung der Lehrkräfte, angewandte Unterrichtsmethoden sowie Anerkennung und Auszeichnungen für Lehrkräfte.

Siehe: www.oecd.org/edu/talis/firstresults


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