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Frühjahrsprognose 2009-2010: Schwieriges Jahr 2009, aber Stabilisierung dank Stützungsmaßnahmen für die EU-Wirtschaft

Commission Européenne - IP/09/693   04/05/2009

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IP/09/693

Brüssel, den 4. Mai 2009

Frühjahrsprognose 2009-2010: Schwieriges Jahr 2009, aber Stabilisierung dank Stützungsmaßnahmen für die EU-Wirtschaft

Die Kommission sagt in ihrer Frühjahrsprognose für dieses Jahr einen Rückgang des BIP in der Europäischen Union um 4 % sowie eine weitgehende Stabilisierung für 2010 voraus. Die Hauptfaktoren für die Rezession sind die Verschärfung der weltweiten Finanzkrise, eine drastische Schrumpfung des Welthandels und die anhaltenden Korrekturen auf den Immobilienmärkten einiger Volkswirtschaften. Im Laufe des Jahres 2010 dürfte sich das Wachstum mit der einsetzenden Wirkung der geld- und finanzpolitischen Anreize aber voraussichtlich wieder beleben. Stark leiden werden die Arbeitsmärkte, für 2010 wird in der EU mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 11 % gerechnet. Auch das öffentliche Defizit wird voraussichtlich erheblich ansteigen und im Jahr 2010 7¼ % des BIP erreichen, was sowohl den Konjunkturrückgang als auch die im Einklang mit dem von der Kommission vorgeschlagenen Europäischen Konjunkturprogramm getroffenen diskretionären Maßnahmen zur Krisenbewältigung widerspiegelt.

„Die europäische Wirtschaft befindet sich in ihrer tiefsten und ausgedehntesten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Die ehrgeizigen Maßnahmen, die Regierungen und Zentralbanken unter diesen außergewöhnlichen Umständen getroffen haben, werden jedoch den Abschwung voraussichtlich in diesem Jahr stoppen und im kommenden Jahr für eine Wiederbelebung sorgen. Deshalb müssen wir rasch mit der Bereinigung der wertgeminderten Aktiva in den Bankbilanzen und gegebenenfalls der Rekapitalisierung der Banken vorankommen“, erklärte der für Wirtschaft und Währung zuständige Kommissar Joaquín Almunia.

Weltweites Wachstum wird wieder positiv

Die Verschlimmerung der weltweiten Finanzkrise führte im Winter zu einem Einbruch der Weltkonjunktur sowie einem drastischen Rückgang von Welthandel und Industrieproduktion. Der Konjunkturrückgang hat immer mehr Länder erfasst, darunter auch Schwellen- und Entwicklungsländer. Langsam beginnen jedoch finanz- und geldpolitische Anreize zu greifen und ein Ende der Finanzkrise zeichnet sich ab, so dass für das zweite Halbjahr 2009 wieder mit einem positiven BIP-Wachstum gerechnet wird. 2010 wird das Wachstum weltweit voraussichtlich bei 2 % liegen.

Starke Rezession in der EU, aber das Ende ist in Sicht

Die im zweiten Halbjahr 2008 beginnende Rezession verschärfte sich zum Jahresende, so dass sowohl in der EU als auch im Euroraum das BIP im letzten Quartal um rund 1½ % (im Quartalsvergleich) sank. Erhebungen und Zahlen deuten auf eine weitere Verschlechterung im ersten Quartal diesen Jahres hin. Alle Mitgliedstaaten sind von der Konjunkturabschwächung betroffen. Die weiteren Aussichten sind jedoch weitgehend davon abhängig, wie stark sie der Finanzkrise ausgesetzt sind, wie dynamisch ihre Immobilienmärkte reagieren und wie offen die betreffende Volkswirtschaft ist.

Mit der Stabilisierung der Finanzmärkte wächst das Vertrauen der Anleger, während die finanzpolitische und monetäre Lockerung sich zunehmend auf die Konjunktur auswirkt, so dass der Rückgang des BIP gegen Jahresende zum Stillstand kommen dürfte und für 2010 mit leicht positiven Wachstumsraten gerechnet wird.

Der Konjunkturrückgang betrifft nicht nur alle Mitgliedstaaten, sondern auch alle Nachfragefaktoren. Besonders betroffen sind die privaten Investitionen, wo sich sinkende Nachfrageerwartungen, ein drastischer Rückgang der Kapazitätsauslastung und weiterhin schwierige Finanzierungsbedingungen widerspiegeln. Auch bei den Exporten ist angesichts der deutlichen Schrumpfung des Welthandels ein starker Rückgang zu verzeichnen. Während der private Verbrauch sich dank niedriger Erdölpreise und geringer Inflation noch relativ gut behauptet, werden die verfügbaren Realeinkommen durch die schrittweise Verschlechterung am Arbeitsmarkt voraussichtlich sinken. Lediglich der Staatsverbrauch und die öffentlichen Investitionen werden in diesem Jahr einen positiven Wachstumsbeitrag leisten, was teilweise auf Haushaltsanreize im Rahmen des EU-Konjunkturprogramms zurückzuführen ist.

Beschäftigung und Staatsfinanzen stark betroffen

Die europäischen Arbeitsmärkte schwächten sich im Laufe des vergangenen Jahres (mit der üblichen zeitlichen Verzögerung gegenüber dem Wirtschaftsabschwung) ab. Sowohl in der EU als auch im Euroraum wird die Beschäftigung voraussichtlich um rund 2½ % in diesem Jahr und um weitere 1½ % im Jahr 2010 sinken, was dem Verlust von rund 8½ Millionen Arbeitsplätzen in den beiden Jahren entspricht. Zum Vergleich: im Zeitraum 2006-2008 wurden knapp 9½ Millionen Arbeitsplätze geschaffen.

Auch die Staatsfinanzen sind stark von der Rezession betroffen, das Haushaltsdefizit wird sich dieses Jahr in der EU mehr als verdoppeln (von 2,3 % des BIP im Jahr 2008 auf 6 %) und 2010 weiter steigen (auf 7¼ %). Die erhebliche Verschlechterung der Haushaltsposition ist zum Teil auf die Konjunkturabschwächung selbst zurückzuführen, da automatische Stabilisatoren in Europa eine relativ wichtige Rolle spielen, sie spiegelt aber auch die umfangreichen Konjunkturpakete wider, mit denen die Wirtschaft angekurbelt werden soll.

Inflation vorübergehend sehr niedrig

Die Inflation ist in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen und wird aufgrund weiterer Basiseffekte, schwacher Konjunkturaussichten und dem erwarteten Sinken der Rohstoffpreise voraussichtlich auch im zweiten und dritten Quartal zurückgehen. Insgesamt soll die HVPI-Inflation in der EU 2009 bei etwas unter 1 % (½ % im Euroraum) liegen und im dritten Quartal in beiden Regionen einen Tiefpunkt erreichen. Da die Basiseffekte des zurückliegenden Anstiegs der Energie- und Nahrungsmittelpreise in diesem Herbst aus der jährlichen Quote herausfallen, wird die HVPI-Inflation im kommenden Jahr voraussichtlich auf 1¼ % steigen.

Weiterhin erhebliche Unsicherheiten

Angesichts der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Wirtschafts- und Inflationsaussichten weiterhin mit großen Unsicherheiten behaftet. Die Gefahr unerwartet schlechter Entwicklungen ergibt sich insbesondere aus den Auswirkungen der Finanzkrise und dem Ausmaß der Auswirkungen auf die einzelnen Wirtschaftssektoren. Auf der anderen Seite könnten finanz- und geldpolitische Anreize schneller als erwartet eine Wiederherstellung von Stabilität und Vertrauen in die Finanzmärkte bewirken und zu einer Belebung der Konjunktur beitragen. Das Inflationsrisiko erscheint dieses Jahr gemäßigt, was auf die Entwicklung der Rohstoffpreise sowie die Preis- und Lohnentwicklung zurückzuführen ist.

Ein ausführlicherer Bericht ist abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article14927_en.htm

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