Navigation path

Left navigation

Additional tools

IP/09/67

Brüssel, den 19. Januar 2009

EU-Zwischenprognosen für 2009-2010: deutliche Konjunkturabschwächung, aber leichte Erholung noch vor Jahresende 2009

Das BIP-Wachstum in der Europäischen Union dürfte 2009 um 1,8 % zurückgehen, bevor es sich 2010 wieder leicht erholt und auf 0,5 % ansteigt. Diese Zahlen verdeutlichen die Auswirkungen der verschärften Finanzkrise auf die Realwirtschaft, die zu einem schweren Einbruch des Welthandels und der Industrieproduktion sowie in einigen Ländern zu Korrekturen am Immobilienmarkt und damit zu einem globalen Abschwung geführt haben. Entlastungen werden jedoch vom Staatskonsum und von den öffentlichen Investitionen erwartet. Auch dürfte der nachlassende Inflationsdruck den Privatkonsum stützen. Die seit August 2008 angekündigten diskretionären haushaltspolitischen Maßnahmen werden den Rückgang des BIP-Wachstums in diesem Jahr um etwa ¾ Prozentpunkte abbremsen. Über den Prognosezeitraum wird sich der dramatische Konjunktureinbruch auf dem Arbeitsmarkt und bei den öffentlichen Finanzen deutlich bemerkbar machen.

„Die Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte, die Lockerung der Geldpolitik und die Konjunkturprogramme werden dafür sorgen, dass in diesem Jahr die Wirtschaft nicht ins Bodenlose abgleitet und die Voraussetzungen für eine schrittweise Erholung in der zweiten Jahreshälfte geschaffen werden. Jetzt geht es darum, dass diese Maßnahmen auch Wirkung entfalten: durch erleichterte Kreditvergabe zu vernünftigen Preisen und durch zügige Umsetzung der Konjunkturprogramme, um Investitionen und privaten Konsum rasch anzukurbeln. Um das Vertrauen wiederherzustellen, kommt es auch darauf an, dass sich die Mitgliedstaaten ausdrücklich dazu verpflichten, die Verschlechterung der öffentlichen Finanzen umzukehren, sobald wir wieder in normalen wirtschaftlichen Fahrwassern sind, um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen mittel- bis langfristig zu gewährleisten“, erläuterte Joaquín Almunia, für Wirtschaft und Finanzen zuständiges Kommissionsmitglied.

Der heute veröffentlichten Zwischenprognose zufolge ist das Wirtschaftswachstum sowohl in der EU insgesamt als auch im Euroraum von den knapp 3 % 2007 auf etwa 1 % 2008 zurückgegangen. 2009 dürfte das reale BIP in der EU um 1,8 % und im Euroraum um 1,9 % drastisch sinken, bevor es sich 2010 mit etwa ½ % leicht erholen wird.

Weltweite Rezession in diesem Jahr

Die Wirtschaftstätigkeit ist im letzten Quartal 2008 offenbar weltweit drastisch zurückgegangen. Neueste Umfragedaten und u. a. Rückgänge bei den Auftragseingängen lassen darauf schließen, dass diese Abschwächung kurzfristig anhalten dürfte. Es ist davon auszugehen, dass die Konjunktur auf breiter Front einbricht und zunehmend auch die aufstrebenden Volkswirtschaften mitreißt. Insgesamt dürfte sich das Weltwirtschaftswachstum 2009 auf 0,5 % abschwächen (gegenüber 3,3 % 2008 und einem außergewöhnlich kräftigen Durchschnitt von 5 % im Zeitraum 2004-2007). Ab der zweiten Jahreshälfte 2009 dürfte das Weltwirtschaftswachstum allmählich, aber nur bescheiden anziehen, da sich die Finanzmarktlage verbessert und die Auswirkungen der makroökonomischen Lockerung (nicht zuletzt in den USA) spürbar werden. Insgesamt dürfte das Welt-BIP 2010 um etwa 2 ¾ % zulegen.

Auch die EU-Wirtschaft trifft es hart

Im dritten Quartal 2008 schrumpfte das BIP sowohl im Euroraum als auch in der EU um 0,2 %. Damit erlebte der Euroraum seine erste Rezession in dem Sinne, dass das BIP zwei Quartale hintereinander sank. Nachdem die Umfragedaten sektor- und länderübergreifend weiter einbrachen und sich auch andere Frühindikatoren im vierten Quartal deutlich verschlechterten, ist mit einem weiteren Rückgang des BIP in der ersten Jahreshälfte zu rechnen. Von dem Abschwung dürften alle Länder betroffen sein, da die Finanzkrise, der globale Wirtschaftszyklus und in einigen Mitgliedstaaten auch das Haushaltsloch ihren Tribut fordern. Es ist damit zu rechnen, dass der Einbruch bei der privaten und der Nettoauslandsnachfrage das BIP-Wachstum in erheblichem Maße weiter drückt; Entlastung ist hier nur vom Staatskonsum und von öffentlichen Investitionen zu erwarten.

Die deutliche Verschlechterung der Kapazitätsauslastungsgrade, die Verdüsterung der Wirtschaftsaussichten und die restriktiveren Finanzierungs¬bedingungen führen vor allem bei den privaten Investitionen, die eine wichtige treibende Kraft des Aufschwungs waren, zu einem dramatischen Einbruch.

Steigende Arbeitslosigkeit und Defizite

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschlechterte sich 2008 in den meisten Mitgliedstaaten. Das Beschäftigungswachstum, das erst mit einer gewissen Verzögerung auf Veränderungen des BIP-Wachstums reagiert, dürfte mit einem Abbau von 3 ½ Millionen Arbeitsplätzen in der EU dieses Jahr negativ sein. Damit wird die Arbeitslosenquote in der EU 2009 voraussichtlich auf 8 ¾ % (im Euroraum auf 9 ¼ %) und 2010 dann noch weiter ansteigen.

Es steht zu erwarten, dass die verschlechterten Aussichten auch die öffentlichen Finanzen in Mitleidenschaft ziehen, die im Gegensatz zu früher nicht mehr mit ungeplanten Mehreinnahmen rechnen können und generell unter dem rückläufigen Steueranteil des Wachstums und den Folgen der umfangreichen diskretionären Maßnahmen leiden werden, die die Mitgliedstaaten verabschiedet bzw. angekündigt haben (und die sich zum Zeitpunkt dieser Prognose auf etwa 1 % des EU-BIP 2009 belaufen). Daher dürfte sich das Gesamtdefizit in der EU 2009 auf 4 ½ % erhöhen und damit mehr als verdoppeln (im Euroraum von etwa 1 ¾ % auf 4 %).

Inflation dürfte rasch zurückgehen

Der Inflationsdruck lässt rasch nach. Der starke Anstieg der Rohstoffpreise, der die Inflation im Sommer 2008 auf einen Höchststand trieb, wurde im Zuge der raschen Verdüsterung der Wachstumsaussichten für die EU und die Weltwirtschaft sowie der Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation abrupt umgekehrt. Vor dem Hintergrund dieser Faktoren sind die Inflationstendenzen gegenüber der Herbstprognose nach unten zu korrigieren. Nach den aktuellen Prognosen dürfte die Verbraucherpreisinflation in der EU von 3,7 % im Jahr 2008 (Euroraum: 3,3 %) auf 1,2 % 2009 (Euroraum: 1,0 %) und im Jahr 2010 in beiden Gebieten auf knapp 2 % fallen.

Erhebliche Unsicherheiten

In dieser schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Prognosen noch mit außergewöhnlichen Unsicherheiten behaftet. Bei den Wachstumsaussichten halten sich die Risiken die Waage. Einerseits besteht ein Abwärtsrisiko, je nachdem, wie sich die Finanzkrise (auch im Immobiliensektor) auswirkt und wie stark die negative Rückkopplung zwischen dem finanz- und realwirtschaftlichen Sektor der Volkswirtschaften ausfällt. Andererseits könnte das Wachstum die Erwartungen übertreffen, wenn z. B. die Konjunkturprogramme das Vertrauen der Investoren und Verbraucher schneller als angenommen wiederherstellen. Auch die Inflationsrisiken erscheinen angesichts der Entwicklungen bei den Rohstoffpreisen und der weltweiten Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten ausgewogen.

Ein ausführlicherer Bericht ist abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article13727_en.htm

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website