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IP/09/656

Brüssel, 29. April 2009

Mitteilung 2009 zur Bevölkerungsalterung: eine erneuerte Strategie zur Bewältigung der demografischen Herausforderung

Die Menschen in Europa leben immer länger und erfreuen sich zudem einer besseren Gesundheit. Dies ist eine große Errungenschaft, auf die wir zu Recht stolz sein können. Die Alterung der Bevölkerung ist jedoch auch mit gewaltigen wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Herausforderungen verbunden. Höchste Priorität hat derzeit zwar die schnellstmögliche Überwindung der aktuellen Rezession, doch dürfen wir dabei nicht die Politiken und Reformen aus den Augen verlieren, die erforderlich sind, um älteren Menschen eine angemessene Rente sowie den Zugang zu Gesundheits- und Pflegeleistungen zu sichern, ohne dadurch künftigen Generationen eine allzu große Belastung zuzumuten. Wie in der heute angenommenen Mitteilung 2009 zur demografischen Alterung dargelegt, verfügen die Regierungen über eine gewisse Zeitspanne – nämlich bis die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen –, um politische Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die einerseits wirkliche Lösungsansätze sind und andererseits der Notwendigkeit Rechnung tragen, in der jetzigen Phase die Wirtschaft zu stützen, wie dies in dem im Dezember vorgelegten Europäischen Konjunkturprogramm empfohlen wurde. Die mit den Mitgliedstaten abgestimmten Projektionen besagen, dass die alterungsbedingten Ausgaben in der EU bis 2060 um durchschnittlich 4¾ Prozentpunkte des BIP steigen werden. Im selben Zeitraum wird sich das Verhältnis der Personen im erwerbsfähigen Alter zu den Personen über 65 Jahre von 4:1 auf 2:1 verschieben. Die Auswirkungen der Alterung werden in den meisten Volkswirtschaften in der EU bereits im kommenden Jahrzehnt spürbar werden.

„Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit und die Verschlechterung der Lage der öffentlichen Finanzen machen es umso wichtiger, dass wir unsere Verpflichtung auf die Strategie zur Bewältigung der demografischen Herausforderung Europas erneuern und dafür sorgen, dass die kurzfristigen Lösungen zur Förderung der wirtschaftlichen Erholung nicht die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen gefährden. Dies ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Überwindung der derzeitigen Krise“, so der für Wirtschaft und Finanzen zuständige Kommissar Joaquin Almunia.

Vladimír Špidla, Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit, äußerte sich wie folgt: „Die Menschen einfach in den Vorruhestand zu schicken, wie wir dies in der Vergangenheit getan haben, kann heute keine Lösung mehr sein. Bei der Überwindung der Krise muss es uns gelingen, mehr und bessere Beschäftigungschancen für ältere Menschen zu schaffen. In einer alternden Gesellschaft muss jeder die Möglichkeit haben, am Arbeitsmarkt teilzunehmen.“

Die Kommission hat heute eine Mitteilung an den Rat und das Parlament („Die Auswirkungen der demografischen Alterung bewältigen“) angenommen, in der die – auf der Grundlage der neuen Eurostat-Bevölkerungsprojektionen[1] erstellten – Projektionen der alterungsbedingten Ausgaben bis 2060 präsentiert werden. Der der Mitteilung beigefügte Bericht über die demografische Alterung, den die EU-Finanzminister angefordert hatten, wurde in Zusammenarbeit mit dem Ausschuss für Wirtschaftspolitik ausgearbeitet.

Laut den Projektionen zu Geburtenraten, Lebenserwartung und Zuwanderung wird die Bevölkerung der derzeitigen EU im Jahr 2060 mit 500 Millionen etwa genauso groß wie heute sein, dafür allerdings deutlich älter. Ab 2015 wird die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten übersteigen. Die Zahl der über 65-Jährigen wird von 17 % der Bevölkerung im Jahr 2008 auf 30 % im Jahr 2060 anwachsen. Der größte Anstieg wird im Zeitraum 2015-35 erwartet, wenn die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Der Anteil der über 80-Jährigen dürfte sich fast verdreifachen und dann 12 % der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Dies bedeutet, dass sich das Verhältnis der Personen im erwerbsfähigen Alter zu den Personen über 65 Jahre von 4:1 auf 2:1 verschieben wird. Eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung wäre gleichbedeutend mit einem niedrigeren Potenzialwachstum. Die alterungsbedingten öffentlichen Ausgaben in der EU dürften – bei Zugrundlegung der derzeitigen Politik – bis 2060 um durchschnittlich etwa 4¾ Prozentpunkte des BIP (in der Eurozone um mehr als 5 Prozentpunkte) ansteigen, bedingt durch die Ausgaben für Renten, Gesundheitsversorgung und Langzeitpflege.

Im vergangenen Jahrzehnt und seit Veröffentlichung des Berichts über die demografische Alterung aus dem Jahr 2006[2] wurden bereits erste Fortschritte erzielt, insbesondere durch Reformen der Rentensysteme, darüber hinaus aber auch durch eine Erhöhung der Beschäftigungsquote der Frauen und durch die Förderung einer besseren Balance zwischen Beruf und Familie. Auch die Beschäftigungsquote der über 55-Jährigen hat sich erhöht, doch gehen nur etwa 50 % der 60-Jährigen noch einer Beschäftigung nach, obwohl in diesem Alter Frauen im Durchschnitt noch 24 Lebensjahre und Männer im Durchschnitt noch 20 Lebensjahre vor sich haben, und dies bei besserer Gesundheit als frühere Generationen.

Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise hat zu einer weltweiten Rezession geführt, die die bei der Haushaltskonsolidierung erzielten Fortschritte zum großen Teil wieder zunichte gemacht hat. Eine Konsolidierung der Haushalte ist jedoch eine unverzichtbare Komponente jeder Strategie zur Gewährleistung langfristig tragfähiger öffentlicher Finanzen und zur Bewältigung der demografischen Alterung.

Priorität gebührt jetzt einem gezielten, gut koordinierten Vorgehen, wie dies im Europäischen Konjunkturprogramm[3] dargelegt wurde, damit sichergestellt wird, dass die Krise die EU nicht dauerhaft auf einen niedrigen Wachstumspfad in Sachen Beschäftigung und Arbeitsproduktivität bringt. Dringend erforderlich sind Strukturreformen. Sobald sich wieder eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung einstellt, kommt es dann entscheidend darauf an, die öffentlichen Defizite abzubauen und die öffentlichen Haushalte wieder auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen.

Die vom Europäischen Rat von Stockholm im Jahr 2001 beschlossene an drei Punkten ansetzende Strategie zur Bewältigung der wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Herausforderungen infolge der demografischen Alterung ist nach wie vor langfristig sinnvoll. Ziele dieser Strategie sind ein rascher Schuldenabbau (sobald die Wirtschaft sich wieder erholt hat), die Erhöhung der Beschäftigungsquoten und der Produktivität sowie die Reform der Renten-, Gesundheits- und Langzeitpflegesysteme. Nach wie vor Gültigkeit haben auch die fünf politischen Ziele, die in der Mitteilung der Kommission vom Oktober 2006 zur demografischen Zukunft Europas [4] formuliert wurden. Zu nennen sind hier unter anderem die Einführung familienfreundlicher Politiken, die Förderung neuer Dienstleistungen und Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menschen sowie die Förderung der Arbeitnehmermobilität in der EU zur Vermeidung von Qualifikationsdefiziten und -überhängen.

Eine Koordinierung auf europäischer Ebene kann den Austausch von bewährten Konzepten erleichtern, Synergien fördern und negative Übertragungseffekte reduzieren. Die Kommission wird den Mitgliedstaaten auch weiterhin Orientierungen an die Hand geben, indem sie insbesondere im Laufe dieses Jahres eine überarbeitete Lissabon-Strategie für die Zeit nach 2010 sowie eine Aktualisierung ihres Berichts über die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen vorlegen wird.

Die Mitteilung [und der vollständige Bericht über die demografische Alterung] können unter folgender Internetadresse abgerufen werden:

http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article14761_en.htm

Results of the Flash Eurobarometer on Intergenerational Solidarity

http://ec.europa.eu/public_opinion/index_en.htm



Tabelle 1: Langfristige Arbeitsmarktentwicklungen
[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Quelle: „2009 Ageing Report: economic and budgetary projections for the EU-27 Member States (2008-2060)“, European Economy (erscheint in Kürze).

Tabelle 2: Alterungsbedingte staatliche Ausgaben, 2007-2060, Veränderung in Prozentpunkten des BIP
[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Quelle: „2009 Ageing Report: economic and budgetary projections for the EU-27 Member States (2008-2060)“, European Economy (erscheint in Kürze).
Schaubild 2 – Alterungsbedingte Ausgaben 2009 und 2006 im Vergleich, in Prozentpunkten des BIP, 2007-2050
[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Quelle: „2009 Ageing Report: economic and budgetary projections for the EU-27 Member States (2008-2060)“, European Economy (erscheint in Kürze).


[1] Pressemitteilung 119/2008 vom 26. August 2008.

[2] Siehe IP/06/150 vom 13. Februar 2006.

[3] KOM(2008) 800 endg.

[4] http://ec.europa.eu/employment_social/news/2006/oct/demography_de.pdf


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