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Umwelt: Kommission fordert Umbruch bei der EU-Politik zur Artenvielfalt

European Commission - IP/09/649   28/04/2009

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IP/09/649

Brüssel, den 28. April 2009.

Umwelt: Kommission fordert Umbruch bei der EU-Politik zur Artenvielfalt

Bei der Athener Konferenz der Europäischen Kommission zur Artenvielfalt wurde eine vorwärtsgewandte Botschaft zur Zukunft der Artenschutzpolitik der EU übermittelt. Zu den Hauptergebnissen zählen die Notwendigkeit, die Kommunikation zum Artenverlust und seinen Folgen zu verbessern, stärker über den Schutz von Ökosystemen als über den Schutz einzelner Arten nachzudenken und dafür zu sorgen, dass die bereitgestellten Mittel tatsächlich Projekten für den Naturschutz zugeführt werden. Die Forscher erkennen an, dass die Artenvielfalt weltweit bedroht ist und dass zu wenig für den Artenschutz getan wird. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2010 den Artenverlust zu stoppen, aber auch wenn einige Fortschritte beim Aufhalten des Artensterbens erzielt wurden, dürfte das ursprünglich gesteckte Ziel kaum erreicht werden. Die Kommission hat die Konferenz in Athen veranstaltet, um zu prüfen, wie sich ihre Maßnahmen in diesem Bereich verbessern lassen.

Hierzu erklärte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas: „Artenvielfalt ist Leben – schön, wertvoll, aber auch zerbrechlich. Sie ist auch die Grundlage unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlergehens. Dies wird nicht umfassend genug anerkannt und gewürdigt. Deshalb geht die Artenvielfalt in bedenklichem Maße zurück. Der Artenverlust ist eine ebenso große Gefahr und ebenso besorgniserregend wie der Klimawandel. Mit der Botschaft aus Athen wird unterstrichen, dass die Artenvielfalt weltweit politische Priorität erhalten muss, weil wir nur dann eine realistische Chance haben, das Artensterben aufzuhalten."

Ein Achtpunkteplan für den Naturschutz

Auf der Konferenz wurde eine Vielzahl neuer Ideen diskutiert, die in die Botschaft von Athen eingeflossen sind. Wichtigste Punkte dieser Botschaft sind:

  1. Eine Erklärung, weshalb die Artenvielfalt wichtig ist. Es muss besser untersucht werden, weshalb gesunde Ökosysteme greifbare Vorteile für unser wirtschaftliches, gesellschaftliches und kulturelles Wohlergehen bieten. Die Botschaft, „weshalb die Artenvielfalt wichtig ist”, muss deutlich vermittelt und stärker herausgestellt werden.
  2. Ein besseres Verständnis der jetzigen Lage und der notwendigen Maßnahmen. Entscheidend sind bessere Informationen über den Zustand der Artenvielfalt und ihre derzeitigen Entwicklungen. Ebenfalls erforderlich ist ein besseres Verständnis der Funktionsweise natürlicher Systeme. In der Konferenz wurde empfohlen, der Forschung im Bereich der Artenvielfalt höhere Priorität einzuräumen.
  3. Ein vollständig funktionierendes Netz geschützter Gebiete. Ein Erfolg der letzten Jahre war die Konsolidierung von Natura 2000, das EU-Netz der geschützten Gebiete. Der terrestrische Teil des Netzes dürfte bis 2010 und der Meeresbereich kurz danach fertig gestellt sein.
  4. Schutz der „normalen" Artenvielfalt in Europa. In der Erklärung wird unterstrichen, dass die Artenschutzpolitik auf den Schutz der Widerstandsfähigkeit und der Vitalität ganzer Ökosysteme ebenso wie auf den Schutz landschaftlich wertvoller Gebiete abzielen sollte.
  5. Schutz der weltweiten Artenvielfalt. Der „Fußabdruck” Europas in den anderen Weltregionen ist groß und weitet sich aus, und dieses Problem muss angegangen werden. Bis 2030 muss die weltweite Entwaldung zum Stillstand gebracht werden, und ebenso sind Maßnahmen erforderlich, um den Einfluss der europäischen Verbrauchsgewohnheiten auf das weltweite Artensterben anzugehen.
  6. Einbeziehung der Artenvielfalt in andere Politikbereiche. In der Botschaft wird die Notwendigkeit anerkannt, Artenschutzanliegen in andere Politikbereiche einzubeziehen. Es sind weitere Forschungsarbeiten notwendig, um die Bereiche zu ermitteln, in denen die Artenvielfalt stärker berücksichtigt werden muss.
  7. Finanzierung. Obwohl viele EU- und nationale Fonds theoretisch Mittel für den Artenschutz bereitstellen können, werden derzeit für den Naturschutz noch relativ wenig Gelder zur Verfügung gestellt. Diese Problematik muss angegangen und erforderlichenfalls weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden.
  8. Klimawandel. Das Problem Artensterben lässt sich ohne Einbeziehung des Klimawandels nicht lösen und umgekehrt. Deshalb müssen wir uns mit dem „dreifachen Gewinn” der Artenvielfalt beschäftigen, die aktiv zum Klimaschutz und zur Anpassung beitragen kann. Voraussetzung ist aber, dass die Klimaschutzmaßnahmen in vollem Umfang mit den Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt vereinbar sind.

Hintergrund

Die Athener Konferenz (Biodiversity protection beyond 2010: priorities and options for future EU policy) wurde von führenden Wissenschaftlern, Politikern, Wirtschaftswissenschaftlern und Akademikern aus allen EU-Mitgliedstaaten sowie von Vertretern der Zivilgesellschaft und Wirtschaft besucht. EU-Umweltkommissar Dimas begrüßte neben anderen hochrangigen Teilnehmern den Premierminister Griechenlands, Dr. Kostas Karamanlis, und den Präsidenten der Kommission, José Manuel Barroso. In den sechs von führenden Fachleuten auf diesem Gebiet geleiteten Workshops konnten alle Aspekte der Artenvielfalt umfassend erörtert werden. Europa hat sich verpflichtet, dem Artenverlust in der EU bis 2010 Einhalt zu gebieten, und hat hierfür einen Aktionsplan zur Biodiversität mit mehr als 150 Maßnahmen erarbeitet. Eine kürzlich vorgenommene Überprüfung kam jedoch zu dem Ergebnis, dass dieses Ziel ohne erhebliche zusätzliche Anstrengungen wahrscheinlich nicht erreicht werden kann.


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