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Klimawandel: EU muss sich auf die Auswirkungen vorbereiten

European Commission - IP/09/519   01/04/2009

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IP/09/519

Brüssel, den 1. April 2009

Klimawandel: EU muss sich auf die Auswirkungen vorbereiten

Die Europäische Kommission hat heute ein Weißbuch vorgestellt, das Maßnahmen aufzeigt, mit deren Hilfe sich die EU besser auf den Klimawandel einstellen kann. Denn nach neuesten Erkenntnissen ist damit zu rechnen, das sich die Auswirkungen des Klimawandels schneller und stärker bemerkbar machen, als im Bericht des Weltklimarats von 2007 vorhergesagt. Europa kann sich diesen Folgen nicht entziehen und muss sich deshalb darauf vorbereiten, mit ihnen umzugehen. Dem Weißbuch zufolge werden sich die Folgen des Klimawandels je nach Region unterschiedlich auswirken, was bedeutet, dass die meisten Anpassungsmaßnahmen auf nationaler oder regionaler Ebene getroffen werden müssen. Der Regelungsrahmen der Kommission besteht aus einem zweistufigen strategischen Konzept zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels in der EU, das die Maßnahmen der Mitgliedstaaten durch einen integrierten und koordinierten Ansatz ergänzt.

Hierzu erklärte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas: „Das Ausmaß des Klimawandels wird von Jahr zu Jahr größer und beunruhigender. Wir müssen uns anstrengen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren, aber selbst wenn wir die Emissionen soweit eindämmen, wie wir uns vorgenommen haben, ist ein gewisser Grad an Klimawandel unabwendbar. Deshalb müssen wir jetzt mit den Regierungen, den Unternehmen und den Gemeinden an einer umfassenden Anpassungsstrategie für die EU arbeiten und dafür sorgen, dass die Anpassung in die wichtigsten EU-Politiken einbezogen wird."

EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel ergänzte: „Die europäische Landwirtschaft wird die ganze Wucht des Klimawandels zu spüren bekommen. Die Landwirte müssen die Probleme, die auf sie zukommen, genau verstehen. Deshalb sollte eine Diskussion darüber in Gang gebracht werden, mit welchen Schritten unseren Landwirten bei der Anpassung geholfen werden kann. Insbesondere sollten Maßnahmen getroffen werden, die wir im Nachhinein nicht bedauern, also Maßnahmen, die unabhängig von der klimatischen Entwicklung wirtschaftliche und ökologische Vorteile bringen. Dies sind die Kernpunkte des Papiers zu Landwirtschaft und Klimawandel, das heute in Ergänzung zum Weißbuch angenommen wurde."

EU-Gesundheitskommissarin Androula Vassiliou stellte fest: „Mit der Veränderung der Klimamuster kommt der stärkeren Überwachung der Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze besondere Bedeutung zu. Außerdem müssen die Gesundheitsbehörden extreme Wetterbedingungen künftig in ihre Notfallplanung einbeziehen. Zudem müssen wir dafür sorgen, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf gefährdete gesellschaftliche Gruppen untersucht werden. Zur Erreichung dieser Ziele ist eine internationale Zusammenarbeit unerlässlich."

Joe Borg, EU-Kommissar für Fischerei und maritime Angelegenheiten, fügte hinzu: „Die europäischen Küsten- und Meeresgebiete sind die ersten, die vom Klimawandel betroffen sind. Wir müssen uns vorbereiten, um die bevorstehenden Herausforderungen wie steigende Meeresspiegel, Überschwemmungen von Küstengebieten oder die Auswirkungen auf den Küstentourismus sowie auf Häfen und Schifffahrt, aber auch auf die Fischerei zu bewältigen. Wir können die Bedeutung der Küsten-Ökosysteme für unsere Wirtschaft nicht von der Hand weisen. Heutzutage leben etwa 50 % der europäischen Bevölkerung in Küstengebieten. Deshalb sind Anstrengungen zur Anpassung an den Klimawandel dringend erforderlich."

Ein Aktionsrahmen

In den nächsten 50 Jahren wird der Klimawandel wahrscheinlich tiefgreifende Auswirkungen auf so wichtige Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft, Energie, Verkehr, Ökosysteme, Tourismus und Gesundheit haben. Außerdem werden Privathaushalte, Unternehmen und bestimmte gesellschaftlichen Gruppen wie insbesondere ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder Haushalte mit niedrigem Einkommen betroffen sein.

Das Weißbuch gibt einen Aktionsrahmen vor, innerhalb dessen sich die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten können. Die erste Phase der Strategie läuft bis 2012 und schafft die Grundlage für eine umfassende Anpassungsstrategie der EU, die 2013 eingeleitet wird. Sie zielt darauf ab, unsere Kenntnisse über den Klimawandel zu verbessern, mögliche Anpassungsmaßnahmen zu umreißen und zu prüfen, wie sich die Anpassung in die wichtigsten EU-Politiken einbeziehen lässt. Entscheidungen über die bestmögliche Anpassung müssen sich auf fundierte wissenschaftliche und wirtschaftliche Analysen stützen; der Informationsstand und der Zugang zu diesen Informationen sind aber je nach Region sehr unterschiedlich. Im Weißbuch wird auf die Notwendigkeit eines Vermittlungsmechanismus hingewiesen, um Informationen über die Gefahren und Auswirkungen des Klimawandels und bewährte Verfahren im Zusammenhang mit dieser Problematik auszutauschen.

Der Klimawandel wird sich je nach Region unterschiedlich auswirken, wobei Küsten-, Berg- und Überschwemmungsgebiete besonders gefährdet sind. Deshalb müssen die meisten Anpassungsmaßnahmen auf nationaler oder regionaler Ebene getroffen werden. Die Aufgabe der Europäischen Union besteht darin, diese Anstrengungen durch Integrations- und Koordinierungsmaßnahmen zu unterstützen, insbesondere bei grenzübergreifenden oder stark auf EU-Ebene geregelten Fragen und Politiken. Natürlich muss die Anpassung an den Klimawandel im Mittelpunkt aller EU-Politiken stehen. Sie muss aber auch bei der EU-Außenpolitik einen hohen Stellenwert erhalten, damit den am stärksten betroffenen Ländern geholfen und bei entsprechenden internationalen Fragestellungen mit den Partnerländern zusammengearbeitet werden kann.

Außerdem stellt die Kommission heute drei Diskussionspapiere vor, die auf dem Aktionsrahmen des Weißbuchs aufbauen und die Themen Wasser, Küsten- und Meeresgebiete, Landwirtschaft bzw. Gesundheit zum Gegenstand haben.

Anpassung und Eindämmung, zwei Seiten einer Medaille

Die Europäische Union ist entschlossen, schnell zu handeln, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die Eindämmung des Klimawandels durch Verringerung der Treibhausgasemissionen reicht jedoch nicht aus. Denn hier ist kurz- und mittelfristig eine ergänzende Reaktion erforderlich. Es wird davon ausgegangen, dass die Folgen des Klimawandels schwerwiegender sein werden, als bislang angenommen, und unabhängig davon auftreten, welche Maßnahmen zur Eindämmung getroffen werden.

Europa muss sich mit diesen Auswirkungen auseinandersetzen und braucht Maßnahmen, die die Widerstandsfähigkeit natürlicher und vom Menschen geschaffener Systeme gegen die Auswirkungen des Klimawandels erhöhen. In der EU werden zwar Maßnahmen zur Anpassung getroffen, sie werden aber oft isoliert und nur in wenigen Mitgliedstaaten durchgeführt.

Künftige Maßnahmen

Die Kommission wird eine Lenkungsgruppe für die Folgenbewältigung und Anpassung (IASG) einrichten. Diese wird sich aus Vertretern der EU-Mitgliedstaaten zusammensetzen, die am Entwurf nationaler und regionaler Anpassungsprogramme mitwirken, und Stellungnahmen von Vertretern der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft einholen. Unterstützt wird sie durch technische Gruppen u. a. zur Landwirtschaft. Bis 2011 wird die Kommission einen Vermittlungsmechanismus zum Informationsaustausch über die Folgen des Klimawandels einrichten.

Weitere Informationen

Webseite der Kommission zur Anpassung an den Klimawandel:

http://www.ec.europa.eu/environment/climat/adaptation/index_en.htm

Webseite der Kommission zu Landwirtschaft und Klimawandel:

http://ec.europa.eu/agriculture/climate_change/index_en.htm

EEA-Bericht Nr. 4/2008: Impacts of Europe's changing climate – 2008 indicator-based assessment (liegt nur in englischer Sprache vor).

http://www.eea.europa.eu/publications/eea_report_2008_4/


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