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Euroraum-Quartalsbericht: Sonderbericht zum Wettbewerbsgefälle im Euroraum

European Commission - IP/09/504   31/03/2009

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IP/09/504

Brüssel, 31. März 2009

Euroraum-Quartalsbericht: Sonderbericht zum Wettbewerbsgefälle im Euroraum

Der Euroraum-Quartalsbericht gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit seit Einführung des Euro. Im Euroraum ist ein Wettbewerbsgefälle entstanden, durch das einige Mitgliedstaaten verstärkt der Finanzkrise ausgesetzt werden. Die Wirtschaftskrise wird voraussichtlich zu einer Anpassung der Zahlungsbilanzungleichgewichte führen, während zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit im Euroraum ein verbesserter Einsatz der Finanzpolitik sowie flexiblere Produkt- und Arbeitsmärkte einschließlich eines verstärkten Wettbewerbs im Dienstleistungssektor erforderlich sind, damit steigende Produktivität und sinkende Preise der Beschäftigung zugute kommen können.

Die Wirtschaftstätigkeit im Euroraum verzeichnete im letzten Quartal 2008 einen Rückgang um 1,5 % auf vierteljährlicher Basis, wie Eurostat in diesem Monat bestätigte. Mit Ausnahme der Vorräte und des Staatsverbrauchs gingen alle BIP-Komponenten zurück, am stärksten die Investitionen (-3,7% im Quartalsvergleich). Die Lage am Arbeitsmarkt verschlechterte sich erheblich, im vierten Quartal gingen 450 000 Stellen verloren und die Arbeitslosenquote lag bei 8 %. Der Welthandel ist durch den Zusammenbruch der weltweiten Nachfrage, der sich auch zunehmend auf die Schwellenländer auswirkt, schwer getroffen.

Positiv zu vermerken ist dagegen, dass durch die Entwicklung der Energie- und Lebensmittelpreise die Kaufkraft der privaten Haushalte etwas gestärkt wird. Sinkende Lebensmittel- und Energiepreise haben gemeinsam mit Basiseffekten zu einem starken Rückgang der Inflation im Euroraum geführt: die HICP-Inflation fiel im Februar rapide auf 1,2 %. Neuerdings gibt es auch Anzeichen für eine Stabilisierung einiger Vertrauensindikatoren sowohl für den Euroraum als auch für die Weltwirtschaft. Für eine Beurteilung der vollen Auswirkungen der zur Konjunkturbelebung getroffen Maßnahmen – einschließlich des freien Spiels wirkungsvoller automatischer Stabilisatoren, der Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors und der Lockerung der Geldpolitik - ist es jedoch noch zu früh.

Nach einer leichten Verbesserung Ende 2008 verschärfte sich die Krise an den Finanzmärkten Anfang 2009, da die Verschlechterung in der Realwirtschaft sich ungünstig auf das Klima an den Finanzmärkten auswirkte. Dies spiegelte sich in fallenden Aktienkursen sowie wachsenden Kredit- und Marktspannen wider. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor ging deutlich zurück, was auf schleppende Kreditvergabe an Haushalte und erste Anzeichen für eine Reduzierung des Fremdkapitalanteils im nichtfinanziellen Unternehmenssektor zurückzuführen ist. Zwar zeigen einige Märkte seit Kurzem Anzeichen für eine Verbesserung, doch bleiben die Bedingungen im Finanzsektor äußerst fragil.

Die derzeitige Wirtschaftskrise macht deutlich, dass die makroökonomische Überwachung im Euroraum unbedingt ausgeweitet und intensiviert/vertieft?? werden muss. Im Euroraum sind erhebliche Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit entstanden, so dass einige Mitgliedstaaten der weltweiten Krise stärker ausgesetzt sind und entsprechender Anpassungsbedarf besteht. Im Rahmen der in der WWU@10-Mitteilung der Kommission vom Mai 2008 (EMU@10) festgelegten Agenda haben die Finanzminister der Eurogruppe darüber Einigkeit erzielt, dass die Entwicklungen im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit im Euroraum eine Angelegenheit von gemeinsamem Interesse sind, die einer stärkeren Überwachung bedürfen.

Der in dieser Ausgabe vorgelegte Sonderbericht enthält einen umfassenden Überblick über bzw. eine umfassende Bewertung der Entwicklungen im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit seit Einführung des Euro. In den vergangenen zehn Jahren verzeichneten einige Mitgliedstaaten einen erheblichen Verlust ihrer Preis- und Kostenwettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum übrigen Euroraum, während sich in anderen Mitgliedstaaten die Lage stark verbesserte. Diese Auseinanderentwicklung wird auch durch die derzeitigen Leistungsbilanzunterschiede sichtbar.

Während sich einige dieser Entwicklungen durch günstige Faktoren erklären lassen, hat ein wesentlicher Teil der Unterschiede beunruhigendere Ursachen. Sie stehen vor allem mit der Entstehung erheblicher innerstaatlicher Ungleichgewichte in einigen Mitgliedstaaten in Zusammenhang. Dazu zählen Kostendruck durch unangemessenes Lohnverhalten, übermäßige Binnennachfrage, hohe private bzw. Auslandsverschuldung sowie ein steiler Anstieg der Immobilienpreise. Einige den Wettbewerbsproblemen zugrundeliegende makroökonomische Ungleichgewichte haben ferner dazu geführt, dass die betreffenden Länder in Bezug auf die Bedingungen an den Finanzmärkten anfälliger wurden und der aktuellen Krise verstärkt ausgesetzt sind.

Der Wirtschaftsabschwung wird voraussichtlich eine gewisse Konvergenz der Leistungsbilanzen im Euroraum in den Jahren 2009 und 2010 bewirken. Bislang wird jedoch davon ausgegangen, dass dies nur in begrenztem Umfang zur Wiedererlangung der Preis- und Kostenwettbewerbsfähigkeit der Mitgliedstaaten führen wird. Es liegt daher nahe, dass aufgrund der Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren erhebliche volkswirtschaftliche Kosten entstehen, sofern keine entschlosseneren Maßnahmen getroffen werden.

Die Maßnahmen sollten auf besser funktionierende Arbeits- und Produktmärkte abzielen. Außerdem sollte die Haushaltspolitik nicht prozyklisch sein. Die Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite von sich im Aufholprozess befindenden Volkswirtschaften muss besser überwacht werden. Außerdem sollte die Entstehung eines Wettbewerbsgefälles mit Hilfe von Strukturmaßnahmen verhindert werden. Insgesamt müssen bei der Überwachung der Wettbewerbsfähigkeit die Märkte für Vermögenswerte und die Bilanzen des Privatsektors berücksichtigt werden.

Der gesamte Bericht ist abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article14654_en.htm


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