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IP/09/473

Brüssel, den 25. März 2009

Mobiltelefonnutzung steigt, Preise fallen: Europas Telekommunikationssektor trotzt laut Kommissionsbericht der Wirtschaftskrise

Europa ist bei Mobiltelefondiensten weltweit führend: Die Zahl der Handyverträge beläuft sich auf 119 % der EU-Bevölkerung (7 Prozentpunkte mehr als 2007) und liegt damit weit vor den USA (87 %) und Japan (84 %). Dies ist eines der Ergebnisse des heute vorgelegten Forschrittsberichts der Kommission zum Binnenmarkt in der Telekommunikation. Trotz der Wirtschaftskrise sind die Erlöse des EU-Telekommunikationssektors (auf den rund 3 % des BIP der EU entfallen) 2008 weiter gestiegen und betragen Schätzungen zufolge nun über 300 Mrd. €, was einer Steigerung von 1,3 % gegenüber 2007 entspricht. Der Sektor ist damit stärker gewachsen als die restliche Wirtschaft, die nur um 1 % zulegte. Die Verbraucher profitieren am meisten von der Wettbewerbsfähigkeit der Branche, sie zahlen weniger und bekommen bessere Leistungen. Die durchschnittliche Mobiltelefonrechnung ist 2008 von 21,48 € auf 19,49 € gesunken, und 75 % der europäischen Verbraucher haben jetzt einen Internetzugang mit 2 Megabit pro Sekunde und darüber (was beispielsweise Fernsehen im Internet ermöglicht), beides dank der Maßnahmen der EU. Im Bericht der Kommission wird jedoch auch davor gewarnt, dass ohne eine bessere europäische Koordinierung die Vorteile des Telekommunikationsbinnenmarkts durch uneinheitliche einzelstaatliche Regulierungstätigkeit aufs Spiel gesetzt werden.

„Europa ist der Kontinent der Mobilkommunikation, wo immer mehr Menschen Mobiltelefone und mobile Breitbanddienste nutzen. Trotz der weltweiten Wirtschaftskrise nehmen die Verbraucher in Europa das Telefon und das Internet stärker in Anspruch als je zuvor. Das sind gute Nachrichten für einen Sektor, der Europa bei der Bewältigung des Abschwungs helfen kann“, sagte Viviane Reding, EU-Kommissarin für Telekommunikation. „Wir dürfen uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wir müssen die Unabhängigkeit der nationalen Regulierungsstellen stärken, und angesichts der zunehmenden Konvergenz zwischen Festnetz- und Mobiltelefonie brauchen wir auch einen faireren Wettbewerb zwischen Festnetz- und Mobiltelefonbetreibern. Und schließlich müssen wir die Umgehung der EU-Vorschriften verhindern, die dem europäischen Binnenmarkt schaden könnte. Ich bin besonders darüber besorgt, dass viele nationale Regulierer eigene Wege bei Hochgeschwindigkeits-Internetnetzen gehen. Der Weg zu einem fairen Wettbewerb und mehr Investitionen in diese Netze führt nicht über 27 unterschiedliche Lösungen, bei denen überwiegend die nationalen Champions bevorzugt werden, sondern über offene Märkte, Rechtssicherheit und Chancengleichheit für alle Investoren und Betreiber.“

Der heute vorgelegte Bericht der Kommission ist eine Momentaufnahme des europäischen Telekommunikationsmarkts und der Wettbewerbssituation in den 27 EU-Ländern.

Telekommunikationssektor wächst stärker als restliche Wirtschaft

Das geschätzte Wachstum des EU-Telekommunikationssektors im Jahr 2008 beträgt 1,3 %, mehr als das reale BIP-Wachstum der Gesamtwirtschaft von 1 %. Er trägt weiterhin zur Inflationsdämpfung bei, da die Preise der meisten Standardkommunikationsleistungen (etwa Telefongespräche und Internetnutzung) immer noch sinken.

Mobiltelefon: Verbraucher zahlen 34,5 % weniger als vor fünf Jahren

Die Mobiltelefonie war auch 2008 wieder das dynamischste Segment des Telekommunikationsmarkts. Die Mobiltelefonnutzung nahm von 112 % der Bevölkerung 2007 auf 119 % im Jahr 2008 zu. In Italien, Litauen und Luxemburg liegt die Nutzungsrate bei über 140 %. Der durchschnittliche Marktanteil der führenden Betreiber ging letztes Jahr um rund 3 % zurück, was ein Anzeichen für mehr Wettbewerb auf dem Markt ist. Im Ergebnis verbringen die Verbraucher mehr Zeit mit Gesprächen und dem Senden von SMS-Nachrichten zu Preisen, die mindestens um 34,5 % unter denen von 2004 liegen.

EU-Länder weltweit führend bei Hochgeschwindigkeits-Internet

Die Zahl der Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge über das Festnetz steigt in der EU weiter an: 2008 um 14 Millionen auf insgesamt mehr als 114 Millionen. Dänemark und die Niederlande sind beim Breitband weltweit führend und erreichen damit mehr als 35 % der Bevölkerung. Sie liegen zusammen mit Schweden, Finnland, dem Vereinigten Königreich, Luxemburg, Belgien, Deutschland und Frankreich vor den USA, die im Juli 2008 eine Marktdurchdringung von 25 % aufwiesen.

Auch die mobile Breitbandnutzung wächst stark; hier entspricht die Zahl der Zugänge jetzt 13 % der EU-Bevölkerung. Mobiles Breitband via Datenkarten und Dongles entwickelt sich in Ländern wie Österreich (Zahl der Zugänge entspricht 11,4 % der Bevölkerung), Finnland (9,1 %) und Portugal (8,3 %) zu einer akzeptablen Alternative zum Festnetz-Breitbandanschluss.

Mehr Verbraucher wechseln ihren Betreiber

2008 haben 20,5 Millionen Verbraucher ihren Telefonbetreiber unter Beibehaltung ihrer Festnetz- oder Mobiltelefonnummer gewechselt. Seit der Betreiberwechsel 2003 möglich wurde, hatten bis Oktober 2008 rund 84 Millionen Telefonteilnehmer (17 % der EU-Bevölkerung) davon Gebrauch gemacht.

Weiterhin Probleme für den europäischen Telekommunikationsbinnenmarkt

In dem heute vorgelegten Bericht wird auch ausgeführt, dass unterschiedliche Regulierung in den EU-Ländern weiterhin ein Hindernis für einen wirklichen Telekommunikationsbinnenmarkt für Betreiber und Verbraucher darstellt.

  • Unabhängige nationale Telekommunikationsregulierer sind unabdingbar, um eine faire und wirksame Regulierung zu gewährleisten, sie sind aber noch nicht in allen 27 EU-Ländern Realität. Die Kommission hat Vertragsverletzungsverfahren gegen Litauen, Lettland und Rumänien eingeleitet, die noch anhängig sind, während ein Verfahren gegen Polen vor den Europäischen Gerichtshof gebracht wurde.
  • Die uneinheitliche Regulierung ähnlicher Wettbewerbsprobleme kann eine zusätzliche Bürde für Telekommunikationsbetreiber darstellen, zumal eine wachsende Zahl von Unternehmen in mehreren Ländern tätig ist oder grenzübergreifend Dienste anbietet.

- Unterschiedliche Regulierungsansätze hinsichtlich neuer Glasfasernetze könnten den Wettbewerb zwischen Betreibern im Binnenmarkt beeinträchtigen und zu Rechtsunsicherheit bei neuen Investitionen führen. Einige Entscheidungen von Regulierern scheinen sogar auf eine Weise getroffen worden zu sein, die eine Umgehung von EU-Rechtsvorschriften bezweckt (IP/08/2060).

- Die Entgelte, die Betreiber einander für Telefonverbindungen aus anderen Netzen in Rechnung stellen, klaffen weit auseinander (von 0,02 €/Minute in Zypern bis 0,16 €/Minute in Bulgarien).

  • Während es in Irland oder Malta nur einen Tag dauert, wenn Verbraucher ihren Mobiltelefonbetreiber unter Beibehaltung ihrer Telefonnummer wechseln wollen, dauert es in Polen noch immer 38 Tage, in Italien 15 und in der Slowakei 14 Tage.

Ein Pressepaket mit dem neuen Fortschrittsbericht der Kommission zum Telekommunikationsbinnenmarkt, häufig gestellten Fragen und Fakten zu jedem EU-Land ist auf folgender Internetseite abrufbar:

http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=4784

MEMO/09/129

MEMO/09/132

Annex:

Selected charts from the Commission's

Single Telecoms Market Progress Report 2008

Mobile penetration

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Mobile penetration – country overview

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Development of mobile consumer prices

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Broadband price developments

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Source: BIAC – First half of 2008, Final report, December 2008, Van Dijk Management Consultants

Status of broadband take-up in the EU
(Broadband means an always-on Internet connection with a bandwidth capacity
of at least 144 kilobits per second)

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Mobile broadband penetration

(Mobile broadband refers to a wireless high-speed Internet connection via data cards and dongles that can be plugged in laptops, and does not include active mobile users accessing advanced data services via their handset)

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Consumer prices for broadband services

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Mobile number portability
(= consumers switching the mobile operator while being able to keep their number,
as required by EU law)

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Mobile number portability – days required to port number


[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]



Fixed number portability
(= consumers switching the fixed operator while being able to keep their number,
as required by EU law)

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]
Fixed number portability – days required to port number

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Mobile termination rates

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

112 - awareness

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]


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