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IP/09/1981

Brüssel, 21. Dezember 2009

Wirtschaftliche Erholung im Euroraum kommt - wenn auch zögerlich - in Schwung

Der mittlerweile als „große Rezession“ betitelte Abschwung ist im dritten Quartal 2009 offenbar zu Ende gegangen. Die wiederanziehende Wirtschaftstätigkeit ist auf verbesserte äußere Rahmenbedingungen und Finanzierungsbedingungen sowie auf gestiegenes Vertrauen zurückzuführen. Da diese Erholung aber durch die massiven Hilfen von Regierungen und Zentralbanken weltweit gestützt ist, die letztendlich zurückgefahren werden müssen, und von der Fähigkeit der Banken abhängt, ihre Kreditvergabe an die Wirtschaft auszuweiten, sind die Aussichten nach wie vor ungewiss. Der anhaltende, wenn auch geringe Anstieg der Arbeitslosigkeit gibt sozial wie wirtschaftlich Anlass zu Sorge. So die jüngste Analyse der Wirtschaftslage im letzten Quartalsbericht über den Euroraum für dieses Jahr. In dem Bericht heißt es weiter, dass den genannten Herausforderungen nur begegnet werden kann, wenn der Euroraum die geplanten Strukturreformen entschlossen fortsetzt. In dem Kapitel, in dem es um den Rückhalt für die Reformen in der Öffentlichkeit geht, sieht der Quartalsbericht gegenwärtig ein Zeitfenster, um das Fundament für eine solide und nachhaltige Erholung zu legen. Ganz besonders ermutigt wird in dem Bericht zu Strukturreformen, die Forschung und Innovation sowie Wettbewerb und Humankapital fördern, da Reformen dieser Art sich außerordentlich positiv auf Wachstum und Beschäftigung auswirken können. Darüber hinaus wird untersucht, wie die Krise langfristige Trends im Bankensektor des Euroraums beeinflusst haben könnte.

Die Wirtschaft des Euroraums wuchs im dritten Quartal um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal, was nach fünf negativen Quartalen in Folge das Ende der Rezession bedeutet. Für das Jahr 2009 insgesamt rechnen die Kommissionsdienststellen in ihrer Herbstprognose allerdings mit einer Schrumpfung des BIP um 4 %, was der größte Produktionsrückgang seit dem zweiten Weltkrieg wäre.

Hauptmotor für das anziehende Wachstum im dritten Quartal waren die Exporte, die von der verbesserten Weltwirtschaftslage profitierten. Auch die Lagerbestände trugen positiv zu dieser Entwicklung bei, da sich ihr Abbau eher langsam vollzog. Im Gegensatz dazu ging der Verbrauch der privaten Haushalte leicht zurück, was auf die Verschlechterung am Arbeitsmarkt zurückzuführen ist. Auch die Investitionen schwächten sich weiter ab, wenn auch deutlich langsamer als zuvor. Die Finanzierungsbedingungen haben sich erheblich verbessert und viele Finanzindikatoren haben wieder ihren Vorkrisenstand erreicht. Bedingt durch die niedrigen Preise von Wirtschaftsgütern und die schwache Nachfrage bleiben das Geld- und Kreditwachstum für Unternehmen und private Haushalte aber weiterhin gedämpft. Auch die Finanzindikatoren haben sich in jüngster Zeit nur allmählich verbessert und die Finanzierungsbedingungen sind nach wie vor fragil.

Alles in allem sind die Aussichten für die Wirtschaft des Euroraums nach wie vor ungewiss. Zu großer Sorge Anlass gibt insbesondere die Verschlechterung an den Arbeitsmärkten. Im dritten Quartal ging die Beschäftigungsquote um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal zurück und stieg die Arbeitslosenquote auf 9,6 % an. Gemessen an der Höhe des Produktionsrückgangs und ungeachtet bestehender Länderunterschiede ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit aber geringer ausgefallen als befürchtet. Zu verdanken ist dies den Maßnahmen, die zur Abfederung der Folgen der Krise auf die Beschäftigung getroffen wurden, insbesondere flexible Arbeitszeitregelungen, Kurzarbeit und vorübergehende Schließungen.

Im aktuellen Quartalsbericht wird analysiert, wie die Öffentlichkeit Strukturreformen gegenübersteht und in welchem Ausmaß die Krise diese Einstellung beeinflusst haben könnte. Die jährlichen Eurobarometer-Umfragen zeigen, dass die Krise in den meisten Ländern des Euroraums das Bewusstsein dafür erhöht hat, dass an Reformen kein Weg vorbeiführt. In den am schwersten von der Krise getroffenen Mitgliedstaaten ist dieses Bewusstsein am stärksten gestiegen. Auch wenn Reformen am besten in Zeiten günstiger Konjunktur durchgeführt werden, bietet dieser verstärkte Rückhalt doch gegenwärtig ein Zeitfenster, um strukturelle Wachstumshindernisse in Angriff zu nehmen und das Fundament für eine solide und nachhaltige Erholung zu legen. Die Kommission wird Anfang 2010 Vorschläge für eine neue Strategie zur Koordinierung der Strukturreformen in der EU vorlegen, die die Nachfolge der derzeitigen Lissabon‑Strategie antreten soll. Die Umfragen deuten auch auf große Unterstützung für eine Beteiligung der EU an der Reformagenda der Mitgliedstaaten hin, wobei eine Mehrheit die Auffassung vertritt, dass die EU eine aktivere Rolle spielen sollte.

Im Hauptteil des Berichts wird untersucht, wie sich die Krise auf langfristige Trends im Bankensektor des Euroraums auswirken könnte. Die Analyse legt nahe, dass Größen‑, Konzentrations‑ und Integrationstrends, die schon vor der Krise bestanden, anhalten dürften, wobei die Banken in den kommenden Jahren wahrscheinlich größer und internationaler werden und ihre Zahl abnimmt. Der EU‑Finanzmarkt dürfte wohl auch einen höheren Integrationsstand erreichen, da die treibenden Kräfte, insbesondere Risikodiversifizierung und Nutzen für Verbraucher und Unternehmen, nach wie vor dieselben sind. Doch hat die Krise den Bankensektor durch neue Marktbedingungen, eine neue Regulierung und durch die Aufsichtsreform sowie die Anwendung der EU‑Beihilfevorschriften in Fällen, in denen Banken staatliche Unterstützung erhalten haben, auch unter Umstrukturierungsdruck gesetzt. So dürften sich die Banken in ihren Finanzierungsstrategien auf eine stärkere Eigenkapitalkomponente verlagern und sich in ihren Geschäftsmodellen stärker auf die Kernmärkte konzentrieren. Letztendlich wird das Finanzsystem des Euroraums künftig vielleicht weniger stark von Banken dominiert, die sich u.a. über Unternehmensanleihen direkt am Markt finanzieren, und werden Finanzintermediäre, die nicht dem Bankensektor angehören, wie private Kapitalanlagegesellschaften, eine wichtigere Rolle übernehmen.

http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article16503_en.htm


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