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Brüssel, 29. Januar 2009

Verbraucher: EU verbietet Dimethylfumarat (DMF) in Konsumgütern wie Sofas und Schuhen

Das EU-weite Verbot des Biozids Dimethylfumarat (DMF) dürfte in Kürze beschlossen werden; diese Chemikalie hat bei Hunderten von Verbrauchern schwere allergische Reaktionen verursacht, da sie bei Konsumgütern des täglichen Gebrauchs wie Sofas und Schuhen eingesetzt wurde. Heute haben die Mitgliedstaaten für den Entwurf einer Entscheidung der Europäischen Kommission gestimmt, durch die sichergestellt werden soll, dass Konsumgüter wie Ledermöbel oder Schuhe, die das stark sensibilisierende DMF enthalten, in der EU nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. Entsprechende Güter, die sich bereits auf dem Markt befinden, sind unverzüglich zurückzurufen bzw. aus dem Verkauf zu nehmen. Unter anderem in Frankreich, Finnland, Polen, Schweden und dem Vereinigten Königreich bekamen Verbraucher, die mit DMF-haltigen Konsumgütern Kontakt hatten, erhebliche Gesundheitsprobleme, zum Beispiel Juckreiz, Hautirritationen und -rötungen, Verbrennungen sowie in einigen Fällen akute Atembeschwerden. Inhalt des Entscheidungsentwurfs der Kommission ist der Erlass einer EU-weiten Sofortmaßnahme, die bis zur Annahme einer längerfristigen rechtlichen Regelung gelten wird. Nach der heutigen Abstimmung wird der Entscheidungsentwurf der Kommission zunächst dem Europäischen Parlament zur Konsultation und dann dem Kollegium der Kommissionsmitglieder zur abschließenden Genehmigung vorgelegt.

Die EU-Kommissarin für Verbraucherangelegenheiten Meglena Kuneva sagte: „Bei der Sicherheit darf es keine Kompromisse geben. Ich freue mich darüber, dass das RAPEX-Schnellwarnsystem gut funktioniert und auf diese Weise gewährleistet, dass gefährliche Güter, die DMF enthalten, schnell vom Markt genommen werden. Doch wir müssen noch weiter gehen und das Problem durch eine EU-Sofortmaßnahme an der Wurzel packen. Ein EU-weites Verbot von DMF in allen Konsumgütern wird die massiven Gesundheitsrisiken beseitigen und insbesondere schwere allergische Reaktionen verhindern, wie sie einige Verbraucher bereits dann erleiden, wenn sie dieser Chemikalie durch den täglichen Gebrauch von Lederwaren ausgesetzt sind.“

Welches Risiko birgt DMF?

Dimethylfumarat (DMF) wird von Herstellern als Biozid zur Abtötung von Schimmelpilzen eingesetzt, die Möbel- oder Schuhleder bei der Lagerung oder beim Transport unter Feuchtbedingungen schädigen können. Mit der Chemikalie gefüllte Beutel werden in den Möbeln befestigt oder in die Schuhkartons gelegt; das DMF verdunstet, imprägniert das Leder und schützt so gegen Schimmel. Es wurde jedoch festgestellt, dass Verbraucher, die mit solchen Konsumgütern in Berührung kamen, schwere Gesundheitsschäden davongetragen haben.

Bei zahlreichen Verbrauchern durchdrang DMF die Kleidung und gelangte auf die Haut[1], was eine schmerzhafte Hautentzündung zur Folge hatte. Der Umstand, dass eine Behandlung in schweren Fällen besonders schwierig ist, erhöht die Gefährlichkeit der Chemikalie zusätzlich. DMF in Konsumgütern stellt somit ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.

Bedenken im Zusammenhang mit der gefährlichen Chemikalie kamen erstmals auf, als die Behörden einiger Mitgliedstaaten über das Schnellwarnsystem der EU für gefährliche Non-Food-Konsumgüter (RAPEX) entsprechende Warnmeldungen übermittelten.

Diese betrafen Sofas, Sessel und Schuhe; in klinischen Tests wurde nachgewiesen, dass die Hautentzündungen der Verbraucher, die mit entsprechenden Produkten Kontakt hatten, auf DMF zurückzuführen waren[2]. Frankreich und Belgien erließen daraufhin nationale Verbote, und in Spanien ist ein solches Verbot in Vorbereitung. Die Entscheidung, über die heute positiv abgestimmt wurde, wird alle Mitgliedstaaten erfassen.

Die geltenden Vorschriften

Bei der Fertigung von Konsumgütern innerhalb der EU ist der Einsatz von DMF bereits verboten, da Biozid-Produkte, die DMF enthalten, nach der Biozid-Richtlinie (98/8/EG) nicht zugelassen sind. Hersteller in Drittländern können diese nicht zugelassenen Biozide jedoch verwenden und ihre Waren anschließend in die EU exportieren. Mit der heutigen Entscheidung werden daher die EU-Bürger vor dem Gesundheitsrisiko im Zusammenhang mit DMF in importierten Konsumgütern in gleicher Weise geschützt, wie dies bereits bei Konsumgütern mit Ursprung in der EU der Fall ist.

In jüngster Zeit von den Mitgliedstaaten ergriffene Maßnahmen

Frankreich hat im Dezember 2008 ein Dekret[3] erlassen, das den Import und die Vermarktung DMF-haltiger Sitzmöbel und Schuhe für die Dauer eines Jahres verbietet. Das Dekret schreibt außerdem den Rückruf sämtlicher Sitzmöbel und Schuhe vor, die entweder selbst oder in ihrer Verpackung sichtbar DMF enthalten. Belgien hat im Januar 2009 ein Dekret[4] erlassen, das die Vermarktung aller DMF-haltigen Artikel und Produkte verbietet. Spanien prüft zurzeit die Einführung einer entsprechenden Maßnahme.

Hintergrund – RAPEX

RAPEX ist das Schnellwarnsystem der EU für gefährliche Non-Food-Konsumgüter; es ermöglicht einen schnellen Informationsaustausch zwischen Mitgliedstaaten und Kommission, damit die Vermarktung und die Verwendung von Konsumgütern, die eine ernste Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher darstellen, verhindert werden kann.

Weitere Informationen: http://ec.europa.eu/consumers/safety/rapex/index_en.htm


[1] Williams, JDL, et al. (2008), An outbreak of furniture dermatitis in the U.K., British Journal of Dermatology 159: 233-234.

[2] Rantanen,T (2008), The cause of the Chinese sofa/chair dermatitis epidemic is likely to be contact allergy to dimethylfumarate, a novel potent contact sensitizer. Concise communication. British Journal of Dermatology 159: 218-221.

[3] Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Beschäftigung, Dekret vom 4. Dezember 2008 über die Aussetzung der Vermarktung DMF-haltiger Sitzmöbel und Schuhe. Französisches Amtsblatt vom 10. Dezember 2008, Text 17 von 108.

[4] Der Gesundheitsminister und der Minister für Verbraucherschutz, Ministerieller Erlass über das Verbot der Vermarktung DMF-haltiger Artikel und Produkte. Belgisches Staatsblatt vom 12.1.2009.


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