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IP/09/ 1808

Brüssel, 24. November 2009

Werden die Lehrkräfte in Europa ausreichend fortgebildet?

OECD und Europäische Kommission präsentieren heute ihren neuen Bericht „Teachers’ Professional Development: Europe in international comparison” (Die berufliche Entwicklung der Lehrkräfte: Europa im internationalen Vergleich). Laut diesem Bericht ist es wichtig, dass die Lehrkräfte wirksames Feedback zu ihrer Arbeit erhalten, damit sie die Fortbildungsmöglichkeiten optimal nutzen können. Von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche berufliche Entwicklung sind aber auch die Vielfalt an Weiterbildungserfahrungen und ein besseres Arbeitsklima an den Schulen. Nahezu 90 % der Lehrkräfte nehmen an der einen oder anderen berufsbegleitenden Fortbildungsmaßnahme teil und über 50 % geben an, dass sie gern mehr Fortbildung absolvieren würden, so der Bericht. Auf der Grundlage der diesjährigen Lehr- und Lernumfrage (TALIS), die in 23 Ländern durchgeführt wurde, liefert der Bericht erstmals international vergleichbare Daten über die berufliche Entwicklung von Lehrkräften.

Bei der Vorstellung des Berichts erklärte Maroš Šefčovič, EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend: „Wir haben in der EU über sechs Millionen Lehrkräfte, und ihre Fähigkeit, alle Sc hüler und Schülerinnen zum Lernen zu motivieren, ist für die Zukunft unserer Gesellschaften ausschlaggebend. Wenn wir eine hochwertige Bildung anstreben, dann müssen wir unseren Lehrkräften optimale Möglichkeiten zum Ausbau ihrer Fähigkeiten bieten, und zwar nicht nur in der Erstausbildung, sondern während ihrer gesamten beruflichen Laufbahn. Indem wir sie zur beruflichen Weiterbildung anregen, tragen wir dazu bei, dass Status und Attraktivität des Berufs gesteigert werden.“

OECD-Generalsekretär Angel Gurría fügte hinzu: „Die Lehrer und Lehrerinnen sind die Antriebskräfte der Bildung und ihre berufliche Entwicklung ist ein wesentlicher Faktor für die Wahrung der Qualität der Bildungssysteme. Die TALIS-Ergebnisse in diesem Bericht belegen, dass die Lehrkräfte gerne lernen und sich ständig verbessern wollen, aber auch, dass das Angebot an berufsbegleitenden Fortbildungsmöglichkeiten besser auf ihre Bedürfnisse abgestimmt werden muss.“

Wichtigste Erkenntnisse

Die wichtigste Erkenntnis der Umfrage ist, dass die berufliche Entwicklung fester Bestandteil im Leben der Lehrkräfte ist und somit ein beträchtliches Potenzial für eine Verbesserung der Bildung birgt. Allerdings erklären die Lehrkräfte, dass es vor allem der Konflikt mit dem Stundenplan ist, der sie davon abhält, an Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung teilzunehmen. Insofern wären Strategien angezeigt, mit denen die Fortbildung der Lehrkräfte effizienter in ihre Gesamttätigkeit und die Arbeitsweise der Schulen eingebunden wird.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass eine enge Korrelation besteht zwischen einer Schulpolitik, bei der die Lehrkräfte Rückmeldung über ihre Leistung erhalten, einerseits und der beruflichen Entwicklung der Lehrkräfte und deren wahrgenommenen Auswirkungen andererseits. Eine wichtige Rolle spielt auch das Klima an den Schulen. Lehrkräfte, die sich in ihrem Job und an ihrer Schule wohl fühlen, äußern sich positiv zu ihrer beruflichen Entwicklung. Für Entscheidungsträger legen diese Erkenntnisse den Schluss nahe, dass eine verstärkte Ausrichtung auf Bewertung und Rückmeldung sowie auf ein positives Schulklima zum Ausbau der Schulen als „Stätten des Wissenserwerbs“ beitragen kann, in denen die berufliche Fortbildung gefördert wird. Auf diese Weise kann auch die Unterrichtsqualität verbessert werden.

Der thematische Bericht „Teachers’ Professional Development: Europe in international comparison“ wurde von einem Forschungsteam der Universität Twente in den Niederlanden unter Leitung von Professor Jaap Scheerens, der auch Herausgeber des Berichts ist, erstellt.

Näheres zu den Ergebnissen des Berichts ist dem Anhang dieser Pressemitteilung zu entnehmen.

TALIS - Teaching and Learning International Survey

TALIS ist die neue internationale OECD-Umfrage zu Lehren und Lernen in der Praxis ( Teaching and Learning International Survey ). Sie ist die erste internationale Umfrage, die sich auf das Lernumfeld und die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte an Schulen konzentriert. Im Mittelpunkt stehen Probleme, die die Lehrkräfte und ihre Leistungen beeinträchtigen. Diese Probleme werden vom Standpunkt der Schulleiter und Lehrkräfte selbst beschrieben. Mit TALIS sollen wichtige Informationslücken beim internationalen Vergleich der Bildungssysteme geschlossen werden.

Die Umfrage wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission in folgenden 23 Ländern durchgeführt: Australien, Belgien (Flämische Gemeinschaft), Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Irland, Island, Italien, Korea, Litauen, Malaysia, Malta, Mexiko, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Türkei und Ungarn.

In jedem Land wurden etwa 200 Schulen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. An jeder Schule wurde vom Schulleiter und von 20 ebenfalls zufällig ausgewählten Lehrkräften jeweils ein Fragebogen ausgefüllt.

Näheres zu diesem Thema:

Pressemitteilung der Europäischen Kommission (IP/09/926 vom 16. Juni 2009): Fehlende Anreize und schlechtes Benehmen in Klassenzimmern frustrieren die Lehrkräfte

OECD: OECD Teaching and Learning International Survey (TALIS)

Europäische Kommission: Teacher education

Pressemitteilung der Europäischen Kommission ( IP/09/1145 vom 16. Juli 2009): Schlüsselzahlen zum Bildungswesen in Europa: längere Schulzeiten, weniger Schüler und Lehrkräfte

Der Bericht: http://ec.europa.eu/education/school-education/doc1962_en.htm

APPENDIX

Key messages from " Teachers’ Professional Development: Europe in international comparison":

  • While 89% of teachers report that they had taken part in "structured professional development activity" over the last 18 months, it is a source of concern that more than 25% of teachers in Denmark, Iceland and the Slovak Republic report they have participated in no professional development at all during this period.

  • When teachers participate in various professional learning activities and spend more days on professional development, they experience a greater impact of professional development on their work.

  • Feedback as part of overall school policy is strongly linked to teachers' professional development and its perceived impact. Moreover, by promoting a positive school climate, school principals can create a supportive environment for teacher learning.

  • More than half the teachers surveyed reported that they wanted more professional development than they received. Among EU teachers, the extent of unmet demand is highest in Portugal, Spain (Spanish teachers also have the highest participation rates) and Bulgaria. Female teachers and younger teachers are most likely to report unmet demand.

  • Conflict with work schedule is the main reason for not engaging in more professional development. In Portugal, Estonia and Spain this is the case for more than 50% of teachers. However, the lack of suitable development activities is also a significant factor.

  • Teachers report the greatest need for development in teaching students with special learning needs, which might be a reflection of the trend towards inclusive rather than segregated education and the growing emphasis on equity. Other areas of particular need are IT teaching skills and student discipline and behaviour.

  • It is striking how positively teachers view the impact of all development activities. However, fewer teachers participate in those types of development (qualification programmes, collaborative research) which they deem to have the highest impact. These activities are the most time intensive and also those for which teachers are more likely to have to pay the full or partial cost.


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