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Umweltkommissar Dimas: Wirtschaft und Klimaschutz profitieren von gesunden Ökosystemen

Commission Européenne - IP/09/1710   13/11/2009

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IP/09/1710

13. November 2009

Umweltkommissar Dimas: Wirtschaft und Klimaschutz profitieren von gesunden Ökosystemen

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas plädiert heute dafür, dass wir uns den Nutzen, den wir aus der Natur ziehen, deutlicher vor Augen führen, damit wir diese Natur wirksamer schützen. Denn sie erbringt zahlreiche Leistungen (Wasserregulierung, Hochwasserschutz und CO 2 -Speicherung), ohne dass wir dafür bezahlen müssten. Durch die wachsende Belastung der Ökosysteme aber sind viele dieser Leistungen inzwischen gefährdet. Zwar können technische Lösungen zum Teil Ersatz bieten, doch ist dies in der Regel sehr kostspielig. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Artenvielfalt ist daher ein wesentlicher Schritt hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und vor allem auch für einen erfolgreichen Klimaschutz unerlässlich. Kommissar Dimas wird das Projekt „Ökonomischer Wert von Ökosystemen und biologischer Vielfalt“ (The Economics of Ecosystems and Biodiversity - TEEB) und den Hauptergebnisbericht dieser wichtigen unabhängigen globalen Studie vorstellen, die u. a. mit Mitteln der Europäischen Kommission durchgeführt wurde. Außerdem präsentiert der Leiter der Studie, Herr Pavan Sukhdev, einen speziell an politische Entscheidungs­träger gerichteten TEEB-Bericht.

EU-Kommissar Dimas erklärte: „Die Ergebnisse dieses TEEB-Berichts sind eindeutig: Naturschutz wird häufig unterlassen, weil wir den Wert der Natur nicht erkennen. Nur wenn wir lernen, der Natur einen Wert zuzumessen, können wir sie wirksamer schützen. Nur allzu häufig wird der Natur geringe wirtschaftliche Bedeutung zuerkannt, obwohl sie eigentlich die Grundlage und Stütze unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft bildet und wirksam vor dem Klimawandel schützen kann. Nur wenn wir wertvolle Ökosysteme schützen, gelingt es uns, den Klimawandel abzuschwächen oder uns daran anzupassen. Und wir können den Verlust der Artenvielfalt nicht aufhalten, wenn wir es nicht schaffen zu verhindern, dass der Klimawandel gefährliche Ausmaße annimmt.“

Der Leiter der TEEB-Studie, Herr Pavan Sukhdev, sagte: „Die Ökosysteme und die Artenvielfalt werden vor allem deswegen in besorgniserregender Weise geschädigt, weil sie in der Ökonomie nicht wahrgenommen werden, obwohl sie für die Gesellschaft von unschätzbarem wirtschaftlichem Wert sind. Unser Vorrat an natürlichen Ressourcen, also unter Naturkapital, ist genauso wichtig wie die vom Menschen geschaffenen Ressourcen oder unser Sachkapital. Politik muss prioritär darauf ausgerichtet sein, den Wert des Nutzens, den wir Menschen aus dem Naturkapital ziehen, anzuerkennen und zu belohnen."

Natur – eine lohnende Investition

Aus dem Bericht wird deutlich, dass Investitionen in den Schutz von Ökosystemen sehr rentabel sein können. Die Natur unterstützt eine breite Palette von Wirtschaftssektoren und erweitert unsere Optionen für langfristiges Wirtschaftswachstum. Die Natur kann lebenswichtige Leistungen (Bereitstellung von Trinkwasser und Klimaregulierung) häufig kostengünstiger erbringen, als wenn in technische Lösungen investiert werden müsste. Schutzgebiete – Dreh- und Angelpunkt unserer Naturschutzstrategie – kommen nicht nur der Natur zugute, sie können auch beträchtliche Gewinne abwerfen. Nach Schätzungen beträgt in Schottland der öffentliche Nutzen der Schutzmaßnahmen für das Natura-2000-Netz (das europäische Netz von Schutzgebieten) etwa das Dreifache der Kosten.

Außerdem ist die Natur der kosteneffizienteste Weg für die Abschwächung des Klimawandels und die Anpassung daran. Trotz aller Anstrengungen, den Klimawandel abzuschwächen, dürfte das Risiko von Naturkatastrophen weiter zunehmen. Investitionen in gesunde Ökosysteme sind dann ein wichtiger Schutz vor Überschwemmungen und Stürmen. Und noch interessanter werden solche Investitionen, wenn man das gesamte Dienstleistungsangebot intakter Ökosysteme betrachtet.

Die Studienergebnisse machen weiterhin deutlich, dass in Kopenhagen eine Einigung über die Finanzierung von Maßnahmen zur Reduktion der Kohlendioxid-(CO 2 )-Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung in Tropenländern (REDD) erzielt werden muss. Durch Entwaldung und Waldschädigung werden etwa 20 % der weltweiten CO 2 -Emissionen verursacht, das ist mehr als die Emissionen sämtlicher Verkehrsträger zusammengenommen. Die EU möchte, dass im Übereinkommen von Kopenhagen festgeschrieben wird, dass bis 2020 die Zerstörung von Tropenwäldern um mindestens die Hälfte reduziert und bis 2030 der Waldverlust weltweit völlig gestoppt wird. Der Vorschlag der Europäischen Kommission, als Beitrag zum Klimaschutz die Finanzmittel für Entwicklungsländer aufzustocken, umfasst auch Bestimmungen über die Eindämmung der Entwaldung (siehe IP/09/1297 ).

Die bevorstehenden Herausforderungen

Der Bericht hebt zwei wichtige Herausforderungen für die politischen Entscheidungs­träger hervor. Die erste Herausforderung besteht darin, den Wert unserer Öko­systeme, der Artenvielfalt und natürlichen Ressourcen zu erkennen und diesen in den Beschlussfassungsprozess in allen Politikbereichen auf allen Ebenen (lokal, national, global) einzubeziehen. Die zweite Herausforderung besteht darin, wirksam zu reagieren und politische Lösungen auf die Bedürfnisse verschiedener Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme zuzuschneiden. Tiefere Einsichten in den Wert von Altenvielfalt und Ökosystemen und dessen Messung als Beitrag zu integrierten Politikbewertungen sind ein zentraler Bestandteil einer langfristigen Lösung.

Hintergrund

Deutschland und die Europäische Kommission haben das TEEB-Projekt eingeleitet, nachdem die Umweltminister aus den G8+5-Staaten bei einem Treffen in Potsdam im Jahr 2007 vorgeschlagen hatten, eine unabhängige globale Studie über den ökonomischen Wert des Verlusts an Artenvielfalt durchzuführen. Das Projekt steht unter der Leitung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und wird von der Europäischen Kommission, Deutschland und dem Vereinigten Königreich finanziell unterstützt. Vor kurzem haben sich auch Norwegen, die Niederlande und Schweden dem Projekt angeschlossen.

Eine Pressemitteilung des UNEP und sämtliche TEEB-Berichte sind abrufbar unter

www.teebweb.org .

Die Pressekonferenz findet um 14.00 Uhr im Hotel Sofitel Brussels Europe, 1 Place Jourdan, Brüssel, statt. Ein Video ist abrufbar unter

http://www.tvlink.org/media.php?type=video&chid=11&titleleft=Environment&order_by=date&chid=11&offset=5


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