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Europäische Kommission erbittet Stellungnahmen zu Chancen und Herausforderungen des digitalen Kinos

European Commission - IP/09/1534   16/10/2009

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IP/ 09/1534

Brüssel, den 16. Oktober 2009

Europäische Kommission erbittet Stellungnahmen zu Chancen und Herausforderungen des digitalen Kinos

Die Kommission startete heute eine öffentliche Konsultation der Fachkräfte des audiovisuellen Sektors in der EU zu der Frage, wie die Chancen der „digitalen Revolution“ im EU-Filmsektor am besten ergriffen und die damit verbundenen Herausforderungen gemeistert werden können. Das digitale Kino kann den Filmvertrieb deutlich billiger und flexibler machen und dadurch die Verbreitung des europäischen Films erleichtern. Die „Digitalisierung“ erfordert jedoch große Investitionen. Ein Drittel der europäischen Kinos könnte wegen der hohen Kosten der digitalen Anlagen dabei von der Schließung bedroht werden, wenn nicht unverzüglich neue Geschäftsmodelle und öffentliche Förderprogramme geschaffen werden. Die Stellungnahmen der Kinobetreiber und Fachkreise des audiovisuellen Sektors wie auch nationaler Filmagenturen und anderer Betroffener zu dieser ab heute über zwei Monate laufenden Konsultation werden in eine Mitteilung einfließen, in der die Kommission Anfang nächsten Jahres ihre Strategie für das digitale Kino darlegen wird.

„Die digitale Revolution ist heute in vollem Gange, und das europäische Kino sollte sich gut dafür rüsten,“ erklärte die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding. „Die Konvergenz von herkömmlichen Inhalten und digitaler Technik führt zu einem radikalen Wandel der Art und Weise, wie Filme produziert, vertrieben und angeschaut werden. Die Technik kann neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, neue Arbeitsplätze schaffen und neue Dienste für die Verbraucher entstehen lassen, wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um diese Entwicklung zu fördern. Die Kommission möchte deshalb alle Beteiligten zu ihren Erfahrungen, Bedürfnissen und Erwartungen im Hinblick auf die die für die Zukunft des europäischen Kinos unumgängliche Digitalisierung befragen.“

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bemerkte dazu: „Eine öffentliche Debatte über die Auswirkungen des digitalen Kinos in Europa ist längst überfällig. Große Investitionen werden notwendig sein, und auch staatliche Hilfen könnten bei der Förderung der Digitalisierung eine Rolle spielen. Deshalb müssen wir die Dynamik des Sektors genau verstehen, um dafür sorgen zu können, dass die Digitalumstellung für die Kinobetreiber und letztlich auch für die Verbraucher von Vorteil ist.“

Immer häufiger greifen Filmproduzenten auf Digitaltechnik zurück. Die Filmherstellung wird durch neue Kameras und neue Formate vereinfacht. Digitale Werkzeuge werden für beeindruckende Spezialeffekte und 3D-Filme eingesetzt. Der Vertrieb einer digitalen Filmkopie ist gegenüber herkömmlichen 35-mm-Filmrollen um bis zu zehnmal billiger. Das digitale Kino könnte daher dazu beitragen, europäische Filme einem weltweiten Publikum leichter zugänglich zu machen. Aber die digitale Vorführtechnik könnte für viele europäische Kinos einfach zu teuer sein. Etwa 31 % der europäischen Kinos verfügen über lediglich eine Leinwand und nur 10 % sind Multiplex-Kinos.

Mit ihrer heute eingeleiteten Konsultation möchte die Europäische Kommission herausfinden, wie sich das digitale Kino auf den europäischen Filmsektor und insbesondere auf die 30 000 Filmtheater in Europa auswirken könnte. Filmvorführer, Filmvertreiber, nationale Filmagenturen sowie öffentliche und private Filmorganisationen und ‑verbände sind aufgefordert, ihre Ansichten zu äußern.

Gegenwärtig sind die USA beim digitalen Kino führend. Eine digitale Masterkopie steht heute schon für 90 % aller neuen US-Filme zur Verfügung, während in Frankreich (dem größten Filmproduzenten in der EU) nicht einmal die Hälfte aller neuen Filme im Digitalformat erhältlich ist. Zudem wurde in den USA das VPF-Modell ( Virtual Print Fee, virtuelle Filmgebühr) entwickelt, bei dem ein Teil des von den Filmvertriebsfirmen eingesparten Geldes Dritten zukommt und dann für die Finanzierung digitaler Ausrüstungen verwendet werden kann. In Europa sind bislang erst 2428 Kinosäle auf Digitaltechnik umgestellt worden. Weltweit sind von den ungefähr 110 000 Kinos etwa 12 000 Kinosäle digital ausgerüstet. Nach Schätzungen werden bis 2012 weltweit fast 20 % der Kinos umgestellt sein.

Nationale Regierungen erwägen derzeit die Gewährung von Hilfen für die Umstellung auf das digitale Kino. Italien hat bereits eine staatliche Beihilfe angemeldet, zu der gerade eine öffentliche Konsultation läuft ( IP/09/1181 ). Andere Länder (darunter Frankreich, Deutschland und Norwegen) sind dabei, eigene nationale Förderprogramme aufzustellen oder abzuschließen, aber die meisten Filmtheater (die unabhängige europäische Filmwerke vorführen – wie die Mitglieder des vom Programm MEDIA unterstützten Netzes „ Europa Cinemas “) erhalten derzeit keinerlei öffentliche oder private Gelder für die Digitalumstellung.

Begleitend zu ihren Fragen an die europäischen Filmschaffenden und Kinofachkreise veröffentlicht die Kommission heute auch eine Analyse zum digitalen Kino und stellt ihre Strategie für diesen Bereich vor, die auch die Problematik staatlicher Beihilfen angeht. Auf der Grundlage der Analyse und der Antworten aus der öffentlichen Konsultation, die bis zum 16. Dezember 2009 läuft , wird die Kommission dann 2010 ihre Mitteilung über „Chancen und Herausforderungen für das europäische Kino im Digitalzeitalter“ fertig stellen.

Hintergrund

Diese öffentliche Konsultation ist ein Ergebnis der Beratungen einer von der Kommission im Frühjahr 2008 eingesetzten Sachverständigengruppe, die sich mit der möglichen Bedrohung der Vielfalt des europäischen Kinoangebots und der Notwendigkeit alternativer Geschäftsmodelle befasste.

In Europa werden im Rahmen des bestehenden Programms MEDIA 2007 im Zeitraum 2007–2013 Mittel in Höhe von 755 Mio. EUR für die europäische audiovisuelle Industrie bereitgestellt, die der Fortbildung der europäischen Filmschaffenden sowie der Entwicklung, dem Vertrieb und der Verkaufsförderung ihrer Werke in ganz Europa zugute kommen sollen ( IP/07/169 ).

Das Programm MEDIA wird seit 1991 laufend angepasst, um den europäischen audiovisuellen Sektor stets angemessen zu unterstützen. In jüngster Zeit wurden überall im Programm – von der Fortbildung bis zur Aufführung – die neuen Technologien berücksichtigt. Eine der von MEDIA geförderten Fortbildungstätigkeiten gilt dem Einsatz der Digitaltechnik für Produktion, Vertrieb und Aufführung. Darüber hinaus wurden mehrere Pilotprojekte in Angriff genommen, die Kosten des digitalen Vertriebs europäischer Filme können seit Jahren bezuschusst werden, und zusammen mit Europa Cinemas wurde ein besonderes Unterstützungsprogramm für die digitale Filmaufführung aufgestellt.

Öffentliche Konsultation und Hintergrundpapiere:

http://ec.europa.eu/information_society/media/overview/consultations/index_en.htm

Beschluss über das Programm MEDIA 2007 :

http://ec.europa.eu/information_society/media/overview/2007/


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