Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

IP/09/ 1412

Brüssel, den 5. Oktober 2009

Immer noch Geschlechterungleichheiten im Bildungswesen

Trotz der Fortschritte in den letzten Jahren bestehen im Bildungswesen nach wie vor Ungleichheiten und Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Vorlieben bei der Fächerwahl, die Leistung sowie in kultureller Hinsicht. Dies ist die Schlüsselbotschaft des neuen unabhängigen Expertenberichts der Europäischen Kommission zu Geschlecht und Bildung. Die Autoren weisen auch darauf hin, dass die geschlechtsbezogenen Unterschiede in der Bildung eng mit anderen Faktoren wie der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Schichten, ethnischen Gruppen und Minderheiten verbunden sind, und rufen Politiker auf, dies zu berücksichtigen.

Folgende Fragen wurden u. a. in dem Bericht mit dem Titel „Gender and Education (and employment) - lessons from research for policy makers“ (Geschlecht und Bildung (und Beschäftigung) – Erkenntnisse aus der Forschung für politische Entscheidungsträger) untersucht:

  • Wie werden geschlechtsbezogene Unterschiede innerhalb und außerhalb der Schulen, im Arbeitsleben und in der Gesellschaft allgemein erzeugt und weitergegeben?

  • Warum brechen mehr Jungen als Mädchen die Schule vorzeitig ab?

  • Warum interessieren sich Mädchen und junge Frauen nicht für mathematische, wissenschaftliche und technische Themen und für die damit verbundenen Berufslaufbahnen?

Der Bericht wurde von NESSE , einem unabhängigen Netz von Fachleuten, die sich mit den sozialen Aspekten der Erziehung sowie der allgemeinen und beruflichen Bildung beschäftigen, verfasst. Er vereinigt Schlüsselerkenntnisse aus der internationalen Forschung zu Geschlecht und Bildung und hebt ihre Bedeutung für die Politikentwicklung und deren Umsetzung hervor. In dem Bericht werden Fakten und konkrete Empfehlungen beleuchtet, die für die Politik und die Entscheidungsträger im Bildungsbereich sowie in verwandten Sektoren von Nutzen sein können.

Wichtigste Ergebnisse

Die Forscher haben darauf hingewiesen, dass die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht, einer ethnischen Gruppe oder einer Minderheit ein komplexes Bild entstehen lassen, aus dem nur schwer geschlechterspezifische Unterschiede und Ungleichheiten bei der Leistung im Bildungsbereich herausgelöst werden können. Daher sollten, so argumentieren sie, Frauen und Männer, Mädchen und Jungen bei politischen Entscheidungen nicht als homogene Gruppen angesehen werden.

Lesefähigkeiten: Die Forschung hat ergeben, dass das Leseverhalten in großem Maße vom Geschlecht bestimmt wird. Es liegen Hinweise darauf vor, dass Jungen aus Arbeiterfamilien aller ethnischen Gruppen und Minderheiten am meisten Probleme beim Schreiben und Lesen haben und die Schule am häufigsten vorzeitig abbrechen.

Wahl des Studienfachs: Der Bericht zeigt, dass die Geschlechterfrage in bestimmten Studienrichtungen immer noch eine Rolle spielt: Männer dominieren in Wissenschaft, Bau- und Ingenieurwesen und Frauen in Kunst, Geisteswissenschaften und allen Bereichen, die einen pflegerischen Hintergrund haben.

Rolle von Eltern und Freunden: Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Eltern und Freunde eine einflussreiche Rolle spielen. Sie können geschlechtsspezifische Stereotype im Hinblick auf Erwartungen und Verhalten beeinflussen und tun dies auch. Es hat sich ebenfalls gezeigt, dass die Haltung der Lehrkräfte und Erzieher entscheidend ist, um hier einen Wandel zu ermöglichen.

Leistungsklassen: Der Bericht zeigt, dass Länder mit stark selektiven Leistungsklassen für Mädchen und Frauen in Mathematik und Wissenschaften nachteilig sein können. Nachteile können sich aber auch für Jungen ergeben, die unverhältnismäßig oft schwächeren Klassen zugeteilt werden.

Lösungsvorschläge

Die Autoren des Bericht s machen darauf aufmerksam, dass eine Gleichheit der Geschlechter kein Produkt des Zufalls ist. Sie weisen darauf hin, dass die Förderung der Gleichheit im Bildungswesen mit der Förderung der Gleichheit in der Kultur und im Ausbildungsverlauf einhergehen muss. Die Forschung hat gezeigt, dass über ein nicht hierarchisches und respektvolles Schulsystem mit menschlichem Antlitz nicht nur der Schulabbruch von Jungen und Mädchen verringert werden kann, sondern dass es auch eine positive Haltung zum Lernen fördert, die während des Erwachsenenlebens weiterwirkt und das lebenslange Lernen unterstützt.

Die Forschungsergebnisse haben weiterhin gezeigt, dass gerechtere wirtschaftliche und soziale Verhältnisse in einem Land die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass auch die Gleichberechtigung der Geschlechter im Bildungswesen gewährleistet ist.

Dem Bericht zufolge ist es schwierig, geschlechterspezifische Ungleichheiten isoliert von anderen kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und emotionalen Ungerechtigkeiten zu sehen und zu beheben. Er weist darauf hin, dass das Problem der geschlechterspezifischen Ungleichheiten am besten in einen breiteren Kontext der Gleichberechtigung und sozialen Gerechtigkeit bekämpft werden kann.

Auf der anstehenden Konferenz zu Errungenschaften im Bereich Geschlecht und Bildung werden Exemplare des Berichts verteilt und diskutiert. An dieser Konferenz, die von der schwedischen Ratspräsidentschaft am 20. November in Uppsala organisiert wird, nehmen viele politische Entscheidungsträger aus verschiedenen Ländern teil.

Weitere Informationen:

Vollständiger Bericht: „ Gender and Education (and employment) - lessons from research for policy makers “ (in EN mit einer Kurzfassung in FR und DE).

NESSE: Alle Berichte . Druckversionen sind (kostenlos) auf Anfrage erhältlich.

Europäische Kommission: Allgemeine und berufliche Bildung


Side Bar