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Verbraucher: Kommissionsbericht kritisiert „undurchsichtige“ Bankgebühren

European Commission - IP/09/1341   22/09/2009

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IP/09/1341

Brüssel , 22. September 2009

Verbraucher : Kommissionsbericht kritisiert „undurchsichtige“ Bankgebühren

Laut einem heute veröffentlichten Bericht der Europäischen Kommission über Finanzdienstleistungen für Privatkunden ist die Art und Weise, wie die Banken ihre Kunden informieren und beraten, sehr häufig kritikwürdig. Im Einzelnen werden u. a. die häufig schwer verständlichen Informationen, undurchsichtige Bankgebühren, Probleme mit der Beratung und die geringe Bereitschaft der Kunden zum Wechseln der Bank als problematisch genannt. Der Bericht beschreibt die Preisstrukturen von Girokonten als „sehr undurchsichtig, so dass es den Verbrauchern nahezu unmöglich ist, zu wissen, welche Kosten ihnen entstehen, und verschiedene Angebote zu vergleichen“. Bei 66 % der untersuchten Banken waren die Gebühren derart unklar, dass die Verfasser des Berichts bei den betreffenden Banken weitere Auskünfte einholen mussten, um herauszufinden, wie viel die Kontoführung tatsächlich kostete. Österreich, Frankreich, Italien und Spanien schneiden bei der Transparenz besonders schlecht ab und gehören zu den Ländern, in denen Bankkonten am teuersten sind. Der EU-Bankenmarkt ist zersplittert, wodurch den Verbrauchern die Vorteile eines EU-Binnenmarkts entgehen. Nur 9 % der EU-Verbraucher haben in den Jahren 2007 und 2008 das Girokonto gewechselt.

EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva erklärte: „Die Banken lassen ihre Privatkunden hängen. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass grundlegende Prinzipien des Verbraucherschutzes verletzt werden; die Probleme reichen von komplizierter Preisgestaltung über versteckte Kosten bis hin zu unklaren und unvollständigen Informationen. Die Banken müssen hier ihre Hausaufgaben machen und ihren Kunden ganz anders entgegentreten, als sie es bisher getan haben. Und die Behörden der Mitgliedstaaten müssen ihrer Pflicht zur Durchsetzung des EU-Verbraucherrechts nachkommen .

Der für den Binnenmarkt zuständige Kommissar Ch arlie McCreevy stellte fest: „Diese Untersuchung des Verbrauchermarkts zeigt die Schwierigkeiten der Verbraucher als Privatkunden der Anbieter von Finanzprodukten und ‑dienstleistungen. Die Kommission ist entschlossen, gegen diese Probleme vorzugehen. Dies bedeutet, dass wir Transparenz durch verständliche und vergleichbare Informationen durchsetzen und grundlegende Bestimmungen für das Geschäftsgebaren festlegen wollen. Da die Bürger Europas nach wie vor die Auswirkungen der Wirtschaftskrise spüren, ist diese Arbeit wichtiger denn je.“

Die Berichte

A ls Follow-up zum Verbraucherbarometer 2008 hat die Kommission heute ein Arbeitspapier der Kommissionsdienststellen mit dem Titel „Follow-up-Bericht zum Verbraucherbarometer ‑ Finanzdienstleistungen für Privatkunden“ veröffentlicht. Dazu gehört eine unabhängige Studie, in der die Kontogebühren von 224 Banken analysiert wurden, die durchschnittlich 81 % des EU-Markts abdecken.

Die Ergebnisse

1. Undurchsichtige Bankgebühren

  • Die Gebührenstrukturen von Girokonten sind oft undurchsichtig. Nahezu jeder dritte befragte Verbraucher ist nicht in der Lage, Girokontoangebote zu vergleichen.

  • Online abrufbare Preisangaben sind unvollständig. In zwei von drei Fällen (66 %) mussten die Experten, die den Bericht über die Bankgebühren abfassten, zusätzliche Auskünfte bei den Banken einholen, um die Angaben zu den Gebühren zu klären. Doch selbst dann gaben die Banken in vielen Fällen nur mündlich Auskunft und weigerten sich, eine Gebührenliste zu schicken. Etwa 10 % der Banken informierten auf ihren Websites nur wenig oder überhaupt nicht über ihre Preise; bei weiteren 33 % waren die Angaben zu den Gebührensätzen unvollständig.

  • In manchen EU-Ländern sind Girokonten wesentlich teurer als in anderen. Ein Konto mit durchschnittlich vielen Kontobewegungen kann in Italien bis zu 253 EUR und in Bulgarien nur 27 EUR kosten. Bei Kunden, die ihr Konto besonders intensiv nutzen, springt der Unterschied noch stärker ins Auge: Hier reicht das Spektrum von einem Minimum von 28 EUR in Bulgarien bis zu Rekordkosten von 831 EUR in Italien. Österreich, Frankreich, Italien und Spanien schneiden bei der Transparenz besonders schlecht ab und gehören zu den Ländern, in denen Bankdienstleistungen am teuersten sind. In Bulgarien, den Niederlanden, Belgien und Portugal sind die Kontoführungsgebühren am niedrigsten.

  • In Ländern mit undurchsichtigen Preisstrukturen zahlen die Verbraucher meist mehr für ihre Bankkonten.

2. Information und Beratung

  • Die Informationen, die Verbraucher vor dem Abschluss eines Vertrags erhalten, sind für die Verbraucher vielfach nur schwer zu verstehen; „ unverständliche“ und „unzureichende“ Informationen stellen das Haupthindernis für die grenzüberschreitende Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen dar.

  • 79 % der EU-Bürger wollen klare und vergleichbare standardisierte Informationen, wie sie beispielsweise die neue Richtlinie über Verbraucherkredite vorschreibt.

  • Es gibt immer mehr Belege dafür, dass die Verbraucher oft nicht angemessen beraten werden, wenn es um Finanzdienstleistungen geht. So zeigen die Daten für Deutschland beispielsweise, dass die Verbraucher 50-80 % aller langfristigen Geldanlagen wegen unzureichender Beratung vorzeitig kündigen. Dadurch entsteht ein Verlust von schätzungsweise 20-30 Mrd. EUR pro Jahr.

  • Mitunter kennen die Verkäufer von Finanzprodukten ihre eigenen Produkte nicht gut genug, um die Verbraucher richtig beraten zu können. Die Angestellten der Banken befinden sich oft in einem inhärenten Interessenkonflikt.

3. Wechsel zu einer anderen Bank

Bei Girokonten haben in den Jahren 2007 und 2008 nur 9 % der Kunden die Bank gewechselt. Zum Vergleich: bei den Autoversicherungen haben 25 % den Anbieter gewechselt.

Was geschieht nun?

Die Untersuchung wird der Kommission als Grundlage für ihre weiteren Maßnahmen im Bereich der Finanzdienstleistungen für Privatkunden dienen, die sie im März 2009 in ihrer Mitteilung „Impulse für den Aufschwung in Europa“ angekündigt hat. Die EU‑Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken verbietet schon heute Praktiken, die eine Irreführung oder Beeinflussung der Verbraucher darstellen, weil ihnen z. B. Informationen über Bankkonten vorenthalten werden oder diese Informationen derart unzureichend sind, dass durchschnittliche Verbraucher nicht erkennen können, welche Kosten wirklich auf sie zu kommen. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, diese Rechtsvorschriften im Bereich der Finanzdienstleistungen durchzusetzen. Ab 1. November 2009 gelten zudem brancheninterne (freiwillige) gemeinsame Prinzipien, die Inhabern von Bankkonten den Wechsel zu einer anderen Bank erleichtern sollen. Die Kommission wird die Umsetzung derselben aufmerksam beobachten.

Der Bericht : http://ec.europa.eu/consumers/rights/fin_serv_en.htm


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