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IP/09/1257

Brüssel, 28. August 2009

Europas digitale Bibliothek: Bestände verdoppelt, doch weiterhin keine gemeinsame Lösung für Urheberrechtsschutz im Internet

„Europeana“, Europas mehrsprachige digitale Bibliothek, ( www.europeana.eu ) bietet dem Internet-Nutzer die Möglichkeit, auf nunmehr 4,6 Millionen digitalisierte Bücher, Karten, Fotografien, Filmclips und Zeitungen zuzugreifen. Seit ihrer Einrichtung im November 2008 haben sich die Bestände mehr als verdoppelt ( IP/08/1747 ). Die Europäische Kommission hat heute in einem Strategiepapier erklärt, dass sie bis 2010 eine Erhöhung der Zahl der digitalisierten Objekte auf 10 Millionen anstrebt. Außerdem hat sie eine öffentliche Debatte über die künftigen Herausforderungen angestoßen, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung von Büchern in Europa stellen, insbesondere die Möglichkeiten einer Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Sektor sowie die Notwendigkeit einer Reform des allzu uneinheitlichen Urheberrechtsrahmens in Europa.

„Die Digitalisierung von Büchern ist zwar eine Herkulesarbeit, eröffnet jedoch Millionen von Bürgerinnen und Bürgern in Europa und über die Grenzen Europas hinaus den Zugang zu kulturellen Inhalten. Deshalb begrüße ich die ersten Bemühungen der Mitgliedstaaten und ihrer Kultureinrichtungen, die Regale von Europas digitaler Bibliothek zu füllen“ , so Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien. „Beunruhigend finde ich allerdings, dass nur 5 % aller digitalisierten Bücher in der EU in Europeana verfügbar sind. Daneben ist festzustellen, dass fast die Hälfte der in Europeana eingestellten digitalisierten Werke aus einem einzigen Mitgliedstaat stammt, während alle anderen Mitgliedstaaten nach wie vor weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Dies zeigt nach meiner Auffassung vor allem eines: Die Mitgliedstaaten müssen aufhören, andere Kontinente um ihre Fortschritte zu beneiden, und endlich selbst ihre Hausaufgaben machen. Deutlich wird auch, dass Europeana allein nicht ausreicht, um Europa seinen Platz auf der digitalen Weltkarte zu sichern. Wir müssen enger zusammenarbeiten und den europäischen Urheberrechtsrahmen für das digitale Zeitalter fit machen.“

Inzwischen findet der Internet-Nutzer über 4,6 Millionen digitalisierte Objekte in Europeana. Noch vor neun Monaten waren es erst 2 Millionen. Zu den neu hinzugekommenen Objekten gehören unter anderem eine Sammlung von 70 Inkunablen (mit den ältesten Drucktechniken hergestellte Bücher) aus der Bibliothek von Katalonien, eine Ausgabe der „Lusiaden“ – dem Nationalgedicht Portugals – von Luís de Camoẽs aus dem Jahr 1572 sowie Filmmaterial über die Friedrichstraße in Berlin von 1913, bereitgestellt von der Association des Cinémathèques Européennes.

Die beträchtlichen Fortschritte im Aufbau von Europeana führen aber auch vor Augen, welche Herausforderungen und Probleme mit dem Digitalisierungsprozess verbunden sind. Derzeit umfassen die Bestände hauptsächlich digitalisierte Bücher, die gemeinfrei sind, also nicht mehr unter das Urheberrecht fallen (der urheberrechtliche Schutz gilt bis 70 Jahre nach dem Tod des Autors).

Aus rechtlichen Gründen enthält Europeana momentan weder vergriffene Werke (etwa 90 % der Bücher in Europas Nationalbibliotheken) noch verwaiste Werke (schätzungsweise 10 bis 20 % der urheberrechtlich geschützten Bestände), für die noch ein urheberrechtlicher Schutz besteht, wenngleich der Autor nicht bekannt ist.

Das Europeana-Projekt macht deutlich, dass die Lizenzvergabe für urheberrechtlich geschütztes Material in Europa nach wie vor in einem stark fragmentierten rechtlichen Rahmen erfolgt. So musste in diesem Jahr eine französische Sammelstelle Fotografien aus dem Bestand von Europeana entfernen, da sie lediglich berechtigt war, das Material in Frankreich zu verbreiten.

Zur Erörterung all dieser Fragen hat die Kommission heute eine öffentliche Konsultation über die Zukunft von Europeana und die Digitalisierung von Büchern eingeleitet. Die Konsultation wird bis zum 15. November 2009 laufen. Unter anderem stellt die Kommission folgende Fragen: Wie ist zu gewährleisten, dass digitalisiertes Material den Nutzern EU-weit verfügbar gemacht werden kann? Sollte die Zusammenarbeit mit den Verlegern in Bezug auf urheberrechtlich geschütztes Material verbessert werden? Wäre es eine gute Idee, europäische Register für verwaiste und vergriffene Werke einzurichten? Wie sollte langfristig die Finanzierung von Europeana aussehen?

Hintergrund

Europeana wurde von der Europäischen Kommission im November 2008 eingerichtet ( IP/08/1747 ). Von 2009 bis 2011 werden rund 80 % des Finanzbedarfs von Europeana (2,5 Millionen Euro jährlich) aus dem EU-Programm e Content plus gedeckt. Mitgliedstaaten und Kultureinrichtungen werden den Rest beisteuern. Bis 2013 kann die Europäische Kommission Europeana mit weiteren 9 Millionen Euro aus ihrem Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation unterstützen. Das Europeana-Büro wurde bei der Nationalbibliothek der Niederlande in Den Haag eingerichtet. Betreiber ist die Stiftung für die Europäische Digitale Bibliothek.

Am Tag der Inbetriebnahme von Europeana im November 2008 war der Ansturm auf die Website so groß, dass sie gleich zusammenbrach ( MEMO/08/733 ). Inzwischen funktioniert sie jedoch einwandfrei.

Eine Pressemappe über Europeana finden Sie unter folgender Internet-Adresse:

http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/cf/itemlongdetail.cfm?item_id=5181

Europeana – die digitale Bibliothek Europas: http://www.europeana.eu/

Initiative der Europäischen Union zu digitalen Bibliotheken:

http://ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/index_de.htm

Annex

Overview of the contribution of EU Member States to Europeana

in % of the total number of objects (4.6 million)

– situation end July 2009 –

EU countries

France

47%

Germany

15.4%

Netherlands

8%

United Kingdom

7.9%

Sweden

5.2%

Finland

4%

Greece

1.6%

Italy

1.2%

Belgium

1.1%

Slovenia

0.7%

Spain

0.6%

Estonia

0.4%

Luxembourg

0.4%

Poland

0.3%

Romania

0.3%

Austria

0.2%

Portugal

0.2%

Hungary

0.1%

Latvia

<0.1%

Cyprus

<0.1%

Bulgaria

<0.1%

Czech Republic

<0.1%

Denmark

<0.1%

Ireland

<0.1%

Lithuania

<0.1%

Malta

<0.1%

Slovakia

<0.1%

Non EU countries

Norway

4.3%

Switzerland

0.4%


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