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Trotz erster Anzeichen einer Verbesserung schrumpft Wirtschaft des Euroraums weiter

European Commission - IP/09/1031   29/06/2009

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IP/09/ 1031

Brüssel, den 29. Juni 2009

Trotz erster Anzeichen einer Verbesserung schrumpft Wirtschaft des Euroraums weiter

Von einem Ende der Rezession ist die Wirtschaft des Euroraums zwar immer noch weit entfernt, aber dank der robusten und gut koordinierten Maßnahmen der EU zeigt die Wirtschaftstätigkeit laut Eurogebiet-Quartalsbericht erste Anzeichen einer Neubelebung. Auch die Indikatoren für die wirtschaftliche Einschätzung und die Finanzmärkte senden dem Bericht zufolge langsam wieder positive Signale. Der Bericht enthält eine erste Bewertung der Wirksamkeit der mitgliedstaatlichen Maßnahmen zur Stützung der Banken und befasst sich – insbesondere im Hinblick auf die Finanzierbarkeit der Schuldenlast – auch mit den Herausforderungen der Zukunft. In einem ersten Abschnitt werden die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf das Potenzialwachstum untersucht. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf den wirtschaftlichen und budgetären Herausforderungen einer alternden Bevölkerung in Krisenzeiten.

Die meisten Finanzmärkte zeigen ermutigende Anzeichen für eine Stabilisierung, auch wenn die Rahmenbedingungen weiterhin instabil bleiben . Die Spreads auf den Geld- und Anleihemärkten sind angesichts der positiveren wirtschaftlichen Einschätzung und der geringeren Risikoscheu gesunken, und auch die Finanzierungsbedingungen haben sich im Euroraum im Zuge sinkender Kosten für Bankdarlehen, Fremdkapital und Beteiligungskapital verbessert. Beim Geld- und Kreditwachstum ist in den vergangenen Monaten dagegen eine weitere Verlangsamung eingetreten, die hauptsächlich aus der äußerst schwachen Wirtschaftstätigkeit, teilweise aber auch aus Zugangsschwierigkeiten resultiert. Laut einer Eurostat-Veröffentlichung vom 3. Juni fiel das BIP im Euroraum im ersten Quartal 2009 um 2,5 %; als Hauptursachen werden hierfür Bestandsanpassungen und ein anhaltend starker Investitionsrückgang genannt. Positiv ist dagegen zu verzeichnen, dass der Rückgang des privaten Verbrauchs durch die Verlangsamung der Verbraucherpreisinflation und die relativ günstigen Entwicklungen beim frei verfügbaren nominalen Einkommen eingedämmt wurde. Während die „harten“ Daten bisher noch keine Aufhellung erkennen lassen, beginnt sich in Erhebungen in den meisten Ländern des Euroraums doch langsam wieder eine Zunahme des Vertrauen abzuzeichnen. Auch der Welthandel zeigt Anzeichen einer Verbesserung, bleibt insgesamt aber gedämpft.

Die Mitgliedstaaten haben den Banken seit Herbst 2008 erhebliche Unterstützung gewährt und konnten dadurch dazu beitragen, eine Kernschmelze auf den Finanzmärkten zu vermeiden. Diese Maßnahmen, die hauptsächlich auf Rekapitalisierung, Kreditabsicherung und Entlastung der Bilanzen abzielten, haben sich positiv auf die Kapitalausstattung der Banken und den Zugang zum Wholesale-Finanzmarkt ausgewirkt.

Die Entwicklung der Preisindikatoren für die „finanzielle Not“ lassen auf deutliche Verbesserungen auf den Interbankenmärkten schließen. Dennoch kann von einer Rückkehr zu normalen Bedingungen nur teilweise die Rede sein und bleibt die Gesamtlage instabil. Insbesondere werden noch weitere signifikante Abschreibungen von Vermögenswerten erwartet, wie auch eine neue EZB-Studie bestätigt.

Die Haushaltspolitik ist im Euroraum ein wichtiges Instrument zur Unterstützung der Wirtschaftstätigkeit, muss derzeit jedoch mit dem hohen Druck auf die öffentlichen Finanzen zurechtkommen. Nach dem Tiefstand im Jahr 2007 wird im Euroraum bis zum Jahr 2010 eine Erhöhung der durchschnittlichen Schuldenquote um 18 Prozentpunkte auf 84 % des BIP erwartet, die sich in den darauffolgenden Jahren wegen der hohen staatlichen Defizite fortsetzen dürfte. In Verbindung mit der erwarteten Zunahme der durch die Bevölkerungsalterung bedingten Ausgabenbelastung und der ungünstigen Auswirkungen auf die Produktionskapazität wird damit auch die langfristige Tragfähigkeit in Frage gestellt und sind robuste Rückzugsstrategien gefordert.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise dürfte in den nächsten Jahren aufgrund der niedrigeren Beschäftigungs- und Produktivitätsniveaus auch das Wachstumspotenzial abschwächen, da Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Anlageinvestitionen wahrscheinlich abnehmen oder stagnieren werden. Im Zeitraum 2000-2006 lag das Potenzialwachstum des Euroraums bei durchschnittlich 1,8 %, dürfte Schätzungen zufolge im Jahr 2008 aber auf 1,3 % gefallen sein und in diesem und im nächsten Jahr lediglich 0,7 % betragen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Finanzkrisen in der Regel intensivere und dauerhaftere Auswirkungen haben als durch andere Faktoren verursachte Rezessionen und ein geringeres Produktivitätswachstum nach sich ziehen können. Auch dauert es wahrscheinlich länger, ehe das Potenzialwachstum aus den Zeiten vor der Krise wieder erreicht wird. Deshalb werden zeitnahe und angemessene Reaktionen benötigt, um neue Arbeitsplätze zu schaffen – die beispielsweise die CO 2 -arme Industrie bieten kann; ferner sollten die Fertigkeiten durch Praktika und die Verringerung der Anzahl von Schulabbrechern verbessert werden, wie die Kommission vorschlägt. Wichtig ist es aber auch, politische Fehler der Vergangenheit zu vermeiden (z. B. Protektionismus, der den Binnenmarkt untergräbt, oder Maßnahmen, die zu einer Verringerung des Arbeitsangebots führen).

Über die Krise hinaus dürfte die alternde Bevölkerung während der nächsten Jahrzehnte eine substanzielle Belastung für das Wachstum darstellen, was sich bereits ab 2020 zeigen wird. Ein aktives und gesundes Altern ist heute für sehr viele Menschen eine durchaus realistische Aussicht. Diese Entwicklung stellt unsere Gesellschaften aus kultureller, organisatorischer und wirtschaftlicher Sicht jedoch vor neue Herausforderungen. Ab dem Beginn des nächsten Jahrzehnts wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter voraussichtlich abnehmen, was sich negativ auf Potenzialwachstum und Haushaltslage auswirken wird. Deshalb müssen die Prioritäten heute eindeutig auf der Suche nach Auswegen aus der Krise und eine rasche Rückkehr zu soliden öffentlichen Finanzen liegen. Strukturreformen, die durch demographische Veränderungen erforderlich werden, sollten mit Nachdruck weitergeführt werden und insbesondere darauf abzielen, die Beschäftigungsquoten deutlich anzuheben und die alternden Babyboomer dazu zu bewegen, länger auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben statt früh in Rente zu gehen.

http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article15481_en.htm


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