Navigation path

Left navigation

Additional tools

Riesiger Internet-Adressraum soll bis 2010 in Europa verfügbar werden

European Commission - IP/08/803   27/05/2008

Other available languages: EN FR DA ES NL IT SV PT FI EL CS ET HU LT LV MT PL SK SL BG RO

IP/08/803

Brüssel, den 27. Mai 2008

Riesiger Internet-Adressraum soll bis 2010 in Europa verfügbar werden

Der wachsende Bedarf an Internet-gestützten Dienstleistungen lässt sich aufgrund der knapper werdenden Internet-Adressen künftig nur noch decken, wenn entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Die Internet-Nutzer und -Anbieter müssen daher zum Umstieg auf die neue Version des Internet-Protokolls (IP-Version 6 oder IPv6) ermutigt werden, der eine enorme Erweiterung des Adressraums zur Folge hat, wie sie nur etwa mit der Verlängerung der Telefonnummern im 20. Jahrhundert vergleichbar ist. Die Europäische Kommission hat Europa heute daher das Ziel gesteckt, IPv6 bis 2010 in 25 % der Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Haushalten zu nutzen, und in diesem Zusammenhang zu konzertierten Maßnahmen auf europäischer Ebene aufgerufen. Denn nur wenn alle Akteure rechtzeitig auf einen effizienten Wechsel vorbereitet sind, lassen sich zusätzliche Kosten für die Verbraucher vermeiden und Wettbewerbsvorteile für innovative europäische Unternehmen sichern.

„Nur wer sich frühzeitig auf die nächste Generation des Internets vorbereitet, ist für die Zukunft gerüstet und hat später nicht das Nachsehen,“ sagte die EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien Viviane Reding. „Auch wenn die Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen kurzfristig versucht sein könnten, ihren Bedarf an die engen Vorgaben des alten Systems anzupassen, würde Europa dadurch bei der Nutzung modernster Internet-Technik ins Hintertreffen geraten und könnte in eine ernsthafte Krise geraten, sobald der Adressvorrat des alten Systems einmal zur Neige geht. IPv6-Adressen gibt es dagegen buchstäblich wie Sand am Meer. Wenn die neuesten Internet-Anwendungen wie Funketiketten in Geschäften, Fabriken und auf Flughäfen, intelligente und energiesparende Heiz- und Beleuchtungssysteme sowie fahrzeuginterne Netze und Navigationssysteme in Europa genutzt werden sollen, steigt der Bedarf an IP-Adressen bereits um das Tausendfache. Ich rufe die Mitgliedstaaten daher dazu auf, dafür zu sorgen, dass ihre öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen IPv6 bis 2010 in breitem Umfang nutzen.“

Die seit 1984 genutzte Version 4 des Internet-Protokolls stellt etwa 4,3 Milliarden Adressen bereit, von denen ca. 700 Millionen oder 16 % noch für neue Verbindungen verfügbar sind. Das neue Internet-Protokoll IPv6 bietet dagegen einen nahezu unbegrenzten Vorrat an IP-Adressen und unterstützt so neue Anwendungen, die Geräte erfordern, deren Zahl oder Kosten die Möglichkeiten des alten Protokolls übersteigen. Dank IPv6 wird es für die privaten Nutzer wesentlich einfacher, eigene Netze aufzubauen und sie mit dem Internet zu verbinden.

Mit IPv6 werden auch innovative Internet-Anwendungen erleichtert, insbesondere wenn sehr viele kleine und einfache Geräte miteinander vernetzt werden müssen. So wird es beispielsweise möglich, das Energiemanagement für die Straßenbeleuchtung und intelligente Gebäude zu verbessern und Sensoren zur Fernbedienung von Haushaltsgeräten einfach und sicher über das Internet zu verbinden. Dadurch entstehen wiederum neue Anreize und Möglichkeiten für die Unternehmen, Innovationen voranzutreiben und den Weg für die nächste Generation von Internet-Anwendungen zu bereiten.

Die meisten neuen Computer und Server großer Hersteller sind bereits IPv6-fähig, können jedoch nur über ihre alten IPv4-Adressen erreicht werden. „GEANT“, das europäische Backbone-Internetnetz für die Forschung ist bereits zu 100 % IPv6-kompatibel und hat Europa eine Spitzenstellung bei der Nutzung von IPv6-Adressen verschafft. Diesen Vorsprung muss das öffentliche Internet jedoch noch aufholen. Für eine schnelle Verbreitung des neuen Protokolls sind daher konzertierte Maßnahmen aller Akteure in Europa erforderlich. Dabei sollten Backbone-Netze sowohl das alte als auch das neue Protokoll unterstützen.

In Japan verfügt das Unternehmen NTT (Nippon Telecom and Telegraph) inzwischen bereits über ein öffentliches IPv6-Backbone-Netz, und in China sollen noch vor den Olympischen Spielen Netze installiert werden, die sowohl IPv4 als auch IPv6 unterstützen. Die US-Regierung setzt bei öffentlichen Ausschreibungen IPv6-Fähigkeit voraus, wobei die Internet-Technologie jedoch der in der EU genutzten Technik ähnlich sein muss.

Die Kommission hat die Mitgliedstaaten heute in einer Mitteilung dazu aufgefordert, mit dem öffentlichen Sektor in Europa eine Vorreiterrolle zu übernehmen und dazu eigene Internet-Netze sowie Behördenwebsites und elektronische Behördendienste auf IPv6 umzustellen. Auch die wichtigsten europäischen Websites sollen nach dem Plan der Kommission eine wichtige Rolle spielen. Dazu möchte die Kommission bis Ende 2008 Zusagen von mindestens 100 Betreibern der wichtigsten europäischen Websites, wie etwa Rundfunksender oder Online-Nachrichtendienste, erhalten. Die von der Kommission verwaltete EU-Website „Europa.eu“ soll bis 2010 über IPv6 zugänglich sein. Als Anreiz für die europäische IT-Industrie sollten die Mitgliedstaaten (wie die Europäische Kommission und die US-Regierung) die IPv6-Nutzung zur Voraussetzung für öffentliche Ausschreibungen machen, das Problembewusstsein in Unternehmen und Organisationen schärfen und diese bei der Umstellung unterstützen.

Die Kommission lädt bedeutende Vertreter der IT-Branche zu einer Startveranstaltung am 30. Mai in Brüssel ein, bei der sie diese Initiative zur Förderung des neuen Internet-Protokolls in Europa vorstellen wird.

Hintergrund

Die Europäische Kommission hat bereits 90 Millionen Euro in die IPv6-Forschung investiert. So hat sie im Jahr 2002 einen Aktionsplan zur Vorbereitung auf die IPv6-Einführung ins Leben gerufen, so dass Europa bereits über eine Vielzahl von Fachleuten auf dem Gebiet der IPv6-Anwendung verfügt (IP/02/284). Die europäischen Forschungsnetze sind bereits IPv6-fähig, und das europäische GEANT-Netz (IP/08/354) ist bei der Anwendung des neuen Internet-Protokolls weltweit führend. Im Zuge der EU-Forschungsrahmenprogramme wurden darüber hinaus bereits mehr als 30 direkt auf IPv6 bezogene europäische FuE-Vorhaben gefördert.

Eine Pressemappe einschließlich der heutigen Mitteilung der Kommission ist auf der folgenden Website abrufbar:

http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=4133

Annex

Projected depletion of existing (IPv4) Internet addresses

[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]

Source:  Alex Band RIPE NCC, based on data generated by Geoff Huston APNIC


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website