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IP/08/631

Brüssel, den 23. April 2008

Europäischer Qualifikationsrahmen: eine neue „Übersetzungshilfe“ für Qualifikationen

Die Europäische Kommission begrüßt die formale Annahme des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) durch das Europäische Parlament und den Rat am 23. April 2008. Nun können die Mitgliedstaaten dieses optionale System übernehmen, das das lebenslange Lernen und die Mobilität fördern wird, indem es das Verständnis und den Vergleich persönlicher Qualifikationen in ganz Europa erleichtern wird.

Eine Empfehlung über die Einrichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (EQR) wurde heute offiziell vom Europäischen Parlament und vom Rat unterzeichnet.

Mit der Empfehlung wird ein Referenzrahmen geschaffen, der die unterschiedlichen Qualifikationssysteme und -rahmen der einzelnen Länder miteinander verbindet. Der EQR wird als „Übersetzungshilfe“ dienen, so dass Abschlüsse für Arbeitgeber, Bürger und Einrichtungen vergleichbarer und verständlicher gemacht werden und Arbeitnehmer und Lernende ihre Qualifikationen in anderen Ländern nutzen können.

Der EQR ist ein Rahmen für lebenslanges Lernen und deckt Qualifikationen ab, die in allen Bildungsbereichen erworben wurden, darunter allgemeine Bildung, Hochschulbildung und berufliche Bildung. Das Kernstück bilden acht Referenzniveaus vom Abschluss der Pflichtschule (Niveau 1) bis hin zu Spitzenqualifikationen (Niveau 8: Doktorat oder Vergleichbares).

Die drei höchsten Niveaus entsprechen den im Rahmen des Europäischen Hochschulraums im Zuge des Bologna-Prozesses definierten Hochschulabschlüssen, wie Bachelor, Master und Promotion. Sie können jedoch auch für hochspezialisierte berufliche Qualifikationen stehen.

Damit der EQR auf unterschiedliche Systeme anwendbar ist, basieren die Qualifikationsniveaus auf Lernergebnissen (was ein Lernender weiß, versteht und kann) und nicht mehr auf dem Lerninput (Dauer eines Lernprozesses, Art der Einrichtung usw.).

Mobilität

Der EQR wird die Verständlichkeit und Vergleichbarkeit von Qualifikationen aus unterschiedlichen Ländern verbessern und somit die Mobilität der Bürger fördern. In diesem Sinne ergänzt und flankiert er die bestehenden Programme und Instrumente, die den Europäern das Leben und Arbeiten überall in der EU ermöglichen sollen, wie das Erasmus-Programm für die Mobilität von Studierenden und den Europass, ein Standarddokument, in dem die Bürger ihre Qualifikationen transparent darstellen können.

Zurzeit könnte zum Beispiel ein Unternehmen in Irland zögern, einen Bewerber aus Ungarn einzustellen, weil es die Qualifikationen dieser Person nicht genau versteht. Doch sobald der Rahmen eingeführt ist, werden ungarische Zeugnisse einen EQR-Verweis (z. B. EQR Niveau 5) tragen, so dass die Arbeitgeber in Irland das Niveau der fraglichen Qualifikation besser einschätzen können.

Lebenslanges Lernen

Viele Mitgliedstaaten erstellen bereits eigene Nationale Qualifikationsrahmen (NQR) entsprechend dem EQR. Qualifikationsrahmen werden immer stärker als Instrumente wahrgenommen, mit denen die unterschiedlichen Teile des Bildungssystems eines Landes miteinander verbunden werden können, so dass die Bürger ganz unterschiedliche Bildungswege gehen können, indem sie beispielsweise freier zwischen verschiedenen Einrichtungen, wie Universitäten und Berufsbildungsinstituten, wechseln können oder sich ihre nicht formale Bildung anerkennen lassen.

Der EQR – und seine nationalen Pendants – tragen somit der Realität moderner Laufbahnen und moderner Lernmethoden Rechnung: Die Laufbahn einer Person umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Lernarten – einige davon strukturiert, andere informell –, die jedoch lebenslang verfolgt werden. Der EQR und die NQR können somit dazu beitragen, die Gesellschaften in Europa für die Herausforderungen der wissensbasierten Wirtschaft zu rüsten.

Die nächsten Schritte

Konkret sieht die Empfehlung vor, dass die Mitgliedstaaten ihre nationalen Qualifikationssysteme bis 2010 an den EQR koppeln und dass individuelle Zeugnisse und Abschlüsse ab 2012 einen EQR-Verweis tragen sollten, damit Arbeitgeber und Einrichtungen die Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten von Bewerbern richtig einschätzen können.

Die Kommission und die Mitgliedstaaten arbeiten bereits gemeinsam an der praktischen Umsetzung. Eine beratende Gruppe, der Vertreter von Regierungen und Sozialpartnern (Arbeitgeber und Gewerkschaften) angehören, wird die Verfahren koordinieren, die für die Kopplung der nationalen Systeme an den EQR erforderlich sind.

Weitere Informationen:

MEMO/08/265, Frequently asked questions about the European Qualifications Framework:

http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/08/265&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=fr

GD Bildung und Kultur: Der Europäische Qualifikationsrahmen:

http://ec.europa.eu/education/policies/educ/eqf/index_en.html


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