IP/08/313
Brüssel, 27. Februar 2008
Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte: “Europa muss auch künftig für Investitionen offen bleiben. Staatsfonds sind keine alles verschlingenden Ungeheuer, sondern versorgen die Märkte mit neuem Kapital und sind somit ein stabilisierender Faktor. Sie können zuverlässige Geldgeber für Unternehmen sein, die langfristige Investitionen benötigen. Damit dem so ist, müssen wir uns auf einen weltweit gültigen, auf Freiwilligkeit basierenden Verhaltenskodex verständigen. Diesem Ziel dient unser heutiger Vorschlag. Wir wollen verhindern, dass einige Staatsfonds in einer Grauzone operieren und zu anderen als wirtschaftlichen Zwecken genutzt werden. Die Mitgliedstaaten der EU sollten sich auf ein gemeinsames Handlungskonzept verständigen und nicht im Alleingang Maßnahmen ergreifen, die den Binnenmarkt fragmentieren könnten. Ich habe bereits deutlich gemacht, dass wir eigene EU-weite Vorschriften vorschlagen könnten, wenn auf freiwilliger Basis kein Ergebnis zustande kommt. Mit Blick auf die internationalen Finanzmärkte sollten die Staats- und Regierungschefs klarstellen, dass Europa ein gemeinsames Handlungskonzept entwickeln wird, um die Schwachstellen zu beseitigen, die durch jüngsten Turbulenzen am Markt an die Oberfläche gekommen sind.”
Staatsfonds
In ihrer Mitteilung schlägt die Kommission den EU-Staats- und Regierungschefs ein ausgewogenes und verhältnismäßiges gemeinsames Handlungskonzept vor, das legitime politische Interessen schützt, ohne in die Falle des Protektionismus zu geraten.
Übergeordnetes Ziel ist die Aufrechterhaltung eines offenen Investitionsumfeldes bei gleichzeitiger Verbesserung der Transparenz, Berechenbarkeit und Verantwortlichkeit von Staatsfonds. Zu diesem Zweck muss die Verwaltung von Staatsfonds klarer und für die Außenwelt besser verständlich werden. Auch die Informationen, die den Märkten über Investitionsvolumen, -ziele und -strategien sowie die Herkunft der Mittel zur Verfügung stehen, müssen an Qualität gewinnen.
Die EU sollte sich aktiv einbringen, um die Arbeit in internationalen Gremien weiter voranzubringen. Im Oktober 2007 haben die Finanzminister der G7 internationale Organisationen und insbesondere den IWF und die OECD aufgefordert, sich Gedanken zu den Staatsfonds zu machen. Der IWF ist dabei, in Zusammenarbeit mit den Fondseignern einen Verhaltenskodex für Staatsfonds auszuarbeiten. Die OECD beschäftigt sich derzeit mit der Erfassung bewährter Verfahrensweisen mit Blick auf die Empfängerländer. Der EU-Beitrag zu diesen internationalen Bemühungen sollte in dem in der Mitteilung entwickelten gemeinsamen Handlungskonzept bestehen.
Die Mitteilung enthält fünf Grundsätze:
Weiterhin verweist die Mitteilung auf einige grundlegende Management- und Transparenzstandards, die in einen von den Staatsfonds freiwillig übernommenen Verhaltenskodex Eingang finden sollten, die international Zustimmung findet und auf den laufenden Arbeiten des IWF aufbaut. Ein auf internationaler Ebene vereinbarter Verhaltenskodex ist der effektivste und zweckmäßigste Weg, um Bedenken wegen einer möglichen Gefährdung der normalen marktwirtschaftlichen Funktionsabläufe durch international operierende Staatsfonds zu zerstreuen.
Eine der wesentlichen Befürchtungen ist, dass einige Staatsfonds in einer Grauzone operieren, wo sie weder die Höhe des Anlagevermögens noch die Investitionsziele noch die Art und Weise ihres Risikomanagements offenlegen müssen. Auch besteht die Sorge, dass die Eigner von Staatsfonds nicht so sehr wirtschaftliche als vielmehr strategische geopolitische Interessen verfolgen und damit sowohl Märkte verfälschen als auch Sicherheitsprobleme für die EU und ihre Mitgliedstaaten schaffen könnten.
Das gemeinsame Handlungskonzept, das die Kommission vorschlägt, soll unkoordinierte Reaktionen verhindern, die den Binnenmarkt fragmentieren und die europäische Wirtschaft insgesamt beschädigen. Es soll auch dem handelspolitischen Ziel der EU, die Märkte von Drittländern für EU-Investoren zu öffnen, neuen Schub verleihen. Diese Bestrebungen würden erschwert, wenn die EU den Eindruck erwecken würde, im Innern ungerechtfertigte Schranken errichten zu wollen. Die Kommission ersucht den Europäischen Rat, dieses Konzept zu unterstützen und darauf aufbauend die Empfängerländer zu veranlassen, ihre Märkte weiterhin für Investitionen offen zu halten und zudem klare Richtlinien für den Zugang zu den Investitionen schaffen, während die Staatsfonds-Eigner aufgefordert werden, sich nach Möglichkeit bis 2008 auf einen Verhaltenskodex zu verständigen.
Stabilität der Finanzmärkte
Der ECOFIN-Rat verabschiedete im Oktober 2007 eine Roadmap, die zu einer besseren Finanzregulierung und -aufsicht führen soll, um die Lücken zu füllen, die sich angesichts die jüngsten durch die US-Immobilienkrise verursachten Turbulenzen aufgetan haben. Die Roadmap stützt sich auf vier Eckpunkte: Verbesserung der Transparenz, zuverlässige Bewertung von Finanzprodukten, höhere aufsichtsrechtliche Anforderungen und reibungsloseres Funktionieren der Finanzmärkte.
Die heutige Kommissionsmitteilung zur Stabilität der Finanzmärkte richtet an die Staats- und Regierungschefs auf dem Frühjahrsgipfel die Aufforderung, aufbauend auf der Roadmap noch einen Schritt weiter zu gehen und auf höchster politischer Ebene zu erklären, nach welchen Grundsätzen die EU ihr Handeln im Inneren und in internationalen Gremien ausrichten wird.
Diese Grundsätze lassen sich wie folgt zusammenfassen: Das Risikomanagement obliegt weiterhin primär den Finanzinstituten und Investoren, der Regulierungs- und Aufsichtsrahmen muss mit den sich rasch wandelnden und neuartigen Finanzprodukten Schritt halten und die Zusammenarbeit zwischen den Regulierungsinstanzen in der EU und darüber hinaus muss intensiviert werden.
Der Europäische Rat sollte sich ferner darauf verständigen, dass sowohl auf europäischer Ebene als auch in internationalen Gremien auf folgende Ziele hingearbeitet wird:
Die Kommission möchte eine politische Einigung mit dem Rat und dem Europäischen Parlament herbeiführen, um noch vor April 2009 die nötigen Änderungen am Regelwerk vornehmen zu können.
Die Europäische Wirtschaft hat die Turbulenzen auf den
Finanzmärkten, die Konjunkturabschwächung in den USA und die hohen
Energie- und Rohstoffpreise relativ gut verkraftet. Nichtsdestotrotz besteht in
den oben genannten Bereichen Handlungsbedarf. Obwohl die Kommission in ihrer
jüngsten wirtschaftlichen Zwischenprognose eine leichte Korrektur nach
unten vorgenommen hat, bleibt das projizierte Wachstum für die EU bei
2 %. Durch die Reformen der Lissabonner Wachstums- und
Beschäftigungsstrategie sind die Volkswirtschaften Europas
widerstandsfähiger geworden. Der nächste Zyklus der
Lissabon-Strategie, den der Europäische Rat voraussichtlich
unterstützen wird, wird die EU zusätzlich vor künftigen
Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten schützen.
Ausführlichere Informationen sind den Kurzmitteilungen 08/123
und 08/126
zu entnehmen. Der Wortlaut der Mitteilungen wird demnächst auf der Website
des Generalsekretariats
(http://www.ec.europa.eu/commission_barroso/president/index_de.htm)
veröffentlicht werden.