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IP/08/274

Brüssel, den 21. Februar 2008

EU-Zwischenprognose: Weniger Wachstum und vorübergehender Inflationsschub

Das Wirtschaftswachstum der EU dürfte sich in diesem Jahr auf 2,0 % (Euroraum: 1,8 %) abschwächen, da einige der in der Herbstprognose genannten Abwärtsrisiken – anhaltende Finanzmarktturbulenzen, Konjunktureinbruch in den USA und hohe Rohstoffpreise – tatsächlich eingetreten sind. Für die EU und den Euroraum wurde die Prognose vom November um 0,4 Prozentpunkt abgesenkt. Nach dem kräftigen Preisanstieg bei Lebensmitteln und Energie dürfte die diesjährige Inflation in der EU bei durchschnittlich 2,9 % und im Euroraum bei durchschnittlich 2,6 % liegen, d.h. ½ Prozentpunkt über der letzten Prognose. Im letzten Quartal 2008 ist jedoch wieder mit einer weitgehenden Normalisierung der Teuerungsrate zu rechnen..

„Europa bekommt den globalen Gegenwind in Form von niedrigerem Wachstum und höherer Inflation zu spüren. Seine größere Widerstandskraft, die es den bereits durchgeführten Reformen verdankt, und die gesunden Fundamentalfaktoren helfen Europa aber , dem rauen Klima zu trotzen. Auch die bisherigen Anstrengungen zur Herstellung eines ausgeglichenen oder überschüssigen Haushalts zahlen sich jetzt aus, denn so können die automatischen Stabilisatoren in den meisten Fällen frei wirken. Der beste Weg, die aktuellen weltwirtschaftlichen Schocks abzuwehren, besteht jedoch darin, die Strukturreformen unbeirrt fortzusetzen, weiterhin eine solide und stabile makroökonomische Politik zu betreiben und die im Oktober vom Ecofin-Rat beschlossene Roadmap zügig umzusetzen“, so Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia.

Das reale BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal (QoQ) schwächte sich im vierten Quartal 2007 von 0,8 % auf 0,5 % in der EU (und 0,4 % im Euroraum) ab. Nach einer jüngsten Pressemitteilung von Eurostat ergibt sich damit für das Gesamtjahr 2007 eine Wachstumsrate von schätzungsweise 2,9 % in der EU und 2,7 % im Euroraum.

Für das Jahr 2008 erwartet die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Europäischen Kommission nun ein Wachstum von 2,0 % in der EU und 1,8 % im Euroraum, d.h. je 0,4 Prozentpunkt weniger als in ihrer Herbstprognose. Berechnungsgrundlage sind neue Zwischenprognosen für Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen, Spanien und das Vereinigte Königreich, die zusammen 80 % des EU-BIP erwirtschaften.

Globales Umfeld wird ungünstig

Die gegenwärtige und künftige Lage der Weltwirtschaft ist Anfang 2008 mit ungewöhnlich großer Unsicherheit behaftet. Die Neubewertung der Risiken, die im Sommer vergangenen Jahres an den Finanzmärkten einsetzte, ist noch nicht abgeschlossen. Infolgedessen sind die Bedingungen im internationalen Finanzsystem störanfällig, denn mehrere Kreditmarktsegmente sind in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt worden. Die Spreads sind nach wie vor groß und die Risikobereitschaft hat abgenommen.

Vor den jüngsten Turbulenzen waren die Volkswirtschaften der EU durchweg in guter Verfassung. Daten für das vierte Quartal 2007 deuten jedoch auf eine gewisse Konjunkturabschwächung hin, bedingt durch die Auswirkungen sowohl der Verschärfung der Kreditbedingungen als auch der konjunkturellen Talfahrt in den USA, die das Wachstum der Weltkonjunktur gedämpft haben, auch wenn es nach wie vor über seinem langfristigen Durchschnitt liegt. Auch die hohen Öl- und Rohstoffpreise spielen eine Rolle.

Bei der Beurteilung, wie sich die Veränderung des internationalen Umfelds auswirkt, kommt Umfrageindikatoren zum jetzigen Zeitpunkt ungewöhnlich große Bedeutung zu. Nachdem die Vertrauensindikatoren im vergangenen Sommer einen Höchststand erreicht hatten, sind sie seit dem stetig gesunken. Allerdings liegt der von der Kommission ermittelte Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung sowohl in der EU als auch im Euroraum nach wie vor über seinem langfristigen Durchschnitt.

Die aktuellen Prognosen für die sieben größten EU-Länder lassen auch darauf schließen, dass die Wachstumsflaute möglicherweise nur von kurzer Dauer ist, denn die Quartalszahlen deuten auf eine gewisse Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte 2008 hin. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die US-Konjunktur unter dem Einfluss der erheblichen Lockerung der monetären und finanzpolitischen Bedingungen rasch wieder Aufwind erhält und sich die Lage an den Finanzmärkten allmählich wieder normalisiert.

Höhere Inflation durch steilen Anstieg der Lebensmittel- und Rohstoffpreise

Mit geschätzten Durchschnittsraten von 2,3 % in der EU und 2,1 % im Euroraum hielt sich die Inflation 2007 in Grenzen, zog jedoch im letzten Quartal an. Auf Jahresrate hochgerechnet hatte sie im Januar 2008 bereits schätzungsweise 3,2 % erreicht. Ausschlaggebend für den jüngsten Inflationsschub waren die Lebensmittel- und Energiepreise sowie ungünstige Basiseffekte. Auch die Kerninflation erhöhte sich auf 2,3 %, was auf Dienstleistungen, nichtenergetische Industriegüter und verarbeitete Lebensmittel zurückgeführt werden kann. Auch auf der Erzeugerstufe nimmt der Preisdruck allmählich zu. Ausgehend von den Trends an den Futures-Märkten dürfte der Durchschnittspreis pro Barrel Brent-Rohöl im Jahr 2008 bei schätzungsweise 90 USD und damit auf Dollarbasis 15 % über der Herbstprognose liegen.

Angesichts dessen wurden die Prognosen für die Verbraucherpreisinflation im Jahr 2008 um 0,5 Prozentpunkt auf 2,9 % in der EU und 2,6 % im Euroraum heraufgesetzt. Wegen der höheren Ölpreise erfolgt diese Aufwärtskorrektur auf breiter Basis für die Mehrheit der sieben größten EU-Länder. Bis Ende 2008 dürfte die Inflation jedoch im Einklang mit der Herbstprognose in der EU wieder auf gut 2 ½ % (und im Euroraum auf gut 2 %) sinken, wenn sich der Preisanstieg bei Lebensmitteln und Rohstoffen annahmegemäß abflacht.

Risikobeurteilung

Die Risiken für die Wachstumsaussichten bleiben abwärtsgerichtet. Die US-Konjunktur hat sich drastischer abgeschwächt und noch ist ungewiss, wie sich die Lockerung der finanzpolitischen und monetären Bedingungen auswirken wird. Die Krise an den Finanzmärkten ist noch nicht überwunden. Letztlich schlagen sich auch die Rohstoffpreise auf das Wachstum und die Inflation in Europa nieder. Die Risiken für die Inflationsaussichten scheinen nun zwar ausgewogener, sind jedoch nach wie vor aufwärtsgerichtet, wobei insbesondere die höheren Inflationserwartungen Anlass zur Sorge geben.

Der ausführliche Bericht unter: http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article12054_en.htm

Tabelle 1: Reales BIP-Wachstum
[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]
Note: the quarterly figures are working-day and seasonally adjusted, while the annual figures are unadjusted.

Tabelle 2: Verbraucherpreisinflation
[ Die Graphik finden sie im PDF und WORD PROCESSED Dokument ]


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