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IP/08/1988

Brüssel, den 16. Dezember 2008

Umwelt: Verlust an Biodiversität bis 2010 nur mit erheblichen zusätzlichen Anstrengungen zu stoppen

Die EU wird ihr Ziel, den Verlust an Biodiversität bis 2010 zu stoppen, nicht erreichen, wenn in den kommenden zwei Jahren keine erheblichen zusätzlichen Anstrengungen unternommen werden. Dies ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen der ersten umfassenden Bewertung der Umsetzung des Aktionsplans zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der EU. Trotz einiger ermutigender Resultate, wobei insbesondere die Erweiterung des Natura-2000-Netzes von Schutzgebieten und bedeutende Investitionen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zu nennen sind, bleibt die Einbeziehung von Biodiversitäts- und Ökosystembelangen in andere Sektorpolitiken eine große Herausforderung. In der neuen Mitteilung der Kommission werden die Prioritäten für weitere Maßnahmen herausgearbeitet.

„Der fortlaufende Verlust an Biodiversität ist besorgniserregend, nicht allein wegen des Wertes der Natur an sich, sondern auch wegen des damit einhergehenden Rückgangs an lebenswichtigen „Ökosystemdienstleistungen“. Wir haben uns für 2010 ein ehrgeiziges Biodiversitätsziel gesetzt, wir wissen, was zu tun ist, und wir verfügen über die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Ich fordere alle Mitgliedstaaten daher auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um die Vielfalt an Lebensformen und die Gesundheit der Ökosysteme, die für unseren Wohlstand und unser Wohlergehen unentbehrlich sind, zu erhalten“, erklärte der für Umwelt zuständige Kommissar Stavros Dimas.

Enorme Anstrengungen erforderlich

Im Jahr 2006 legte die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Eindämmung des Verlusts an biologischer Vielfalt bis 2010 vor, in dem konkrete Maßnahmen sowie die Zuständigkeiten der Gemeinschaftsorgane und der Mitgliedstaaten festgelegt sind. Der heutige Bericht gibt einen Überblick über die erzielten Fortschritte und bietet die letzte Möglichkeit einer Bestandsaufnahme vor 2010. Untersucht werden die folgenden vier großen Politikbereiche: biologische Vielfalt in der EU, EU und Biodiversität auf globaler Ebene, biologische Vielfalt und Klimawandel, Wissensbasis. Erstmals wird auch eine Zusammenfassung der in den einzelnen Mitgliedstaaten erzielten Fortschritte gegeben.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen lauten, dass es enormer Anstrengungen bedarf, wenn die EU ihre Zielvorgabe für 2010 einhalten will, und dass die Europäische Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten sehr viel unternehmen müssen, damit die EU ihr Ziel auch nur annähernd erreichen kann.

Die Politiken und Rechtsvorschriften der EU bieten eine solide Grundlage, auf der die Biodiversitätsproblematik angegangen werden kann, doch müssen sie wirksam umgesetzt werden. In der neuen Bewertung werden prioritäre Maßnahmen für die kommenden Jahre aufgeführt, von verstärkten Bemühungen zur Bewirtschaftung und Wiederherstellung von Gebieten des Natura-2000-Netzes bis hin zu Maßnahmen zur Wiedergesundung der Ökosysteme und zur Wiederherstellung von Ökosystemdienstleistungen in ausgedehnten Landstrichen der EU sowie in Süßwasser- und Meeresgebieten.

Biologische Vielfalt in der Europäischen Union

Die Bewertung erhält zahlreiche positive Feststellungen. Durch gezielte Maßnahmen konnte der Rückgang von gefährdeten Arten und Lebensräumen umgekehrt werden; allerdings müssen solche Maßnahmen in sehr viel größerem Maßstab durchgeführt werden. Das Natura-2000-Netz wurde erheblich erweitert und umfasst nun über 25 000 Schutzgebiete (17 % der Landfläche der EU), doch bedarf es weiterer Anstrengungen, um das Netz – insbesondere in Bezug auf Meeresschutzgebiete – zu vervollständigen.

Auch beim Schutz von Meeres- und Süßwasserökosystemen hat es Fortschritte gegeben, wobei vor allem der Erlass der neuen Richtlinie für eine Meeresstrategie zu nennen ist, wohingegen die gescheiterte Verabschiedung der vorgeschlagenen Bodenrahmenrichtlinie eine große legislative Lücke hinterlässt. Die Kommission hat vor kurzem Optionen für eine EU-Strategie gegen die zunehmende Bedrohung durch invasive Arten vorgelegt.

Die Mitgliedstaaten verwenden – besonders im Rahmen von Agrarmaßnahmen und Maßnahmen zur regionalen Entwicklung - in zunehmendem Maße EU-Fördermittel für den Naturschutz und den Schutz der Biodiversität, wobei der tatsächliche Nutzen für die Biodiversität jedoch noch nicht feststeht. Außerdem müssen Biodiversitätsbelange besser in die verschiedenen Sektorpolitiken einbezogen werden.

EU und Biodiversität auf globaler Ebene

Außerhalb der EU schwindet die Biodiversität weltweit in einem nie dagewesenen Tempo dahin, und die Schädigung der Ökosysteme hat häufig ein kritisches Ausmaß erreicht. Neue Themen wie Biokraftstoffe und Ernährungssicherheit stellen bedeutende Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung dar. Eine von der Europäischen Kommission und Deutschland initiierte Studie über den ökonomischen Wert von Ökosystemen und biologischer Vielfalt wird es den Entscheidungsträgern erleichtern, dieser Frage und dem Zusammenhang mit der Armutsbekämpfung mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Außerdem muss näher untersucht werden, wie sich der EU-Verbrauch an Lebensmitteln und Non-Food-Erzeugnissen wie Sojabohnen, Palmöl und Metallerzen auswirkt und wie er zum weltweiten Verlust an Biodiversität beiträgt.

Biodiversität und Klimawandel

Im Bericht wird gefordert, der kritischen Rolle gesunder Ökosysteme umfassender Rechnung zu tragen, da diese widerstandsfähiger gegenüber Umweltbelastungen und durch den Klimawandel weniger stark gefährdet sind. 2009 wird die Kommission ein Weißbuch über die Anpassung an den Klimawandel vorlegen, das die Synergien zwischen Biodiversitäts- und Klimaschutzpolitik stärken dürfte.

Die Wissensgrundlage

Da die Ausarbeitung einer Biodiversitätspolitik entsprechende Kenntnisse voraussetzt, muss weiterhin sichergestellt werden, dass die Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten in angemessener Höhe Finanzierungsmittel zur Verfügung stellen. Darüber hinaus unterstützt die Kommission den Vorschlag zur Errichtung einer zwischenstaatlichen wissenschaftspolitischen Plattform für Biodiversität und ökosystemare Dienstleistungen (Intergovernmental Science Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services and Ecosystems Services, IPBES), um die globale politische Entscheidungsfindung verstärkt auf eine unabhängige wissenschaftliche Grundlage zu stellen.

Weitere Informationen:

http://ec.europa.eu/environment/nature/biodiversity/comm2006/index_en.htm


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