IP/08/1836
Brüssel, 28. November 2008
EU-Kommissarin Kuneva: „Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Marktbedingungen für die europäischen Verbraucher zu verbessern und ihnen Zugang zu den besten Angeboten zu verschaffen. Um ihre Bedürfnisse aber gezielt befriedigen zu können, müssen wir die Verbraucher richtig verstehen. Dabei könnte uns die Verhaltensökonomie mit ihren äußerst aufschlussreichen Erkenntnissen helfen. Zudem bietet die heutige Konferenz die Chance, die Kluft zwischen Forschung und Politik zu überbrücken, damit beide Seiten einen Lern- und Erfahrungsaustausch verwirklichen und sich in ihrer Arbeit zum Nutzen der Verbraucher gegenseitig ergänzen können.“
Die Verhaltensökonomie untersucht, wie Menschen alltägliche Entscheidungen treffen: sie stellt die herkömmliche Wirtschaftstheorien in Frage und bedient sich experimenteller Daten, um die Gründe für diese Entscheidungen zu erforschen. Mit ihrer Hilfe lässt sich möglicherweise erklären, warum menschliches Verhalten nicht immer eigennützig ist (Beispiel Spenden), warum manchmal ökonomisch nicht logische Entscheidungen getroffen werden (z. B. Treue zu einem Energieversorger, wo auch ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter möglich wäre) oder warum bestimmte Artikel den Vorzug vor absolut gleichwertigen Artikeln erhalten.
Die Verhaltensökonomie könnte einmal zu dem werden, was für Autos der Windkanal ist: eine Methode, um verbraucherrelevante EU-Maßnahmen in einem breiten Spektrum von Bereichen, von der Energie über die Gesundheit bis hin zur Umwelt, zu testen, zu optimieren und zu straffen.
Sie hilft dabei, unerwartete menschliche Verhaltensweisen und Reaktionen besser zu verstehen, damit die Verbraucherbedürfnisse in der Politikgestaltung optimal berücksichtigt werden können.
In der heutigen Konferenz werden vor allem Beispiele dafür vorgestellt, wie die Verhaltensökonomie in der EU und anderswo bereits ein besseres politisches Umfeld geschaffen hat, und es wird eine Debatte über ihren möglichen Nutzen und ihre Wirkung stattfinden. Thematisiert werden auch wichtige Fragen, etwa ob die Politik überhaupt in Verbraucherentscheidungen eingreifen darf oder soll.
Die Konferenz kann über Webstreaming unter folgender Adresse mitverfolgt werden: http://scic.ec.europa.eu/streaming/ccab.