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IP/08/1617

Brüssel, den 3. November 2008

Herbstprognose 2008-2010: BIP-Wachstum in der EU und im Eurogebiet kommt fast zum Stillstand

Das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union wird voraussichtlich im Jahr 2008 mit 1,4 % nur die Hälfte des Wertes von 2007 erreichen und im Jahr 2009 noch einmal deutlich bis auf 0,2 % absinken, bevor es 2010 schrittweise wieder auf 1,1 % ansteigt (für das Eurogebiet werden 1,2 %, 0,1 % und 0,9 % erwartet). Die Herbstprognose der Kommission zeigt, dass sich die Finanzkrise stark auf die Wirtschaft in der EU auswirkt und die wegen der Lage am Immobilienmarkt in mehreren Mitgliedstaaten ohnehin schwierigen Probleme zu einem Zeitpunkt, an dem die Auslandsnachfrage rasch nachlässt, noch verschärft. Zwar konnte durch die umfangreichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte erreicht werden, dass wieder Vertrauen aufgebaut wird, doch bleiben die Situation prekär und die Prognosen mit beträchtlichen Risiken behaftet. Folglich dürfte die Beschäftigung im Zeitraum 2009-2010 nur minimal zunehmen, nachdem im Zeitraum 2007-2008 immerhin 6 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden konnten, und die Arbeitslosigkeit dürfte im Prognosezeitraum wieder um ca. 1 % ansteigen, nachdem sie den niedrigsten Wert seit über zehn Jahren erreicht hatte. Positiv ist zu vermerken, dass der Inflationsdruck wegen der sinkenden Ölpreise abnimmt und dass sich die Risiken von Zweitrundeneffekten abschwächen. Nach dem Erreichen ihres besten Standes seit 2000 wird sich die Haushaltslage insgesamt wieder verschlechtern, und die Rettungspakete könnten zu einem Anstieg der Staatsschulden führen.

„Der wirtschaftliche Horizont hat sich jetzt erheblich verdüstert, da die Europäische Union die Folgen der Finanzkrise zu spüren bekommt, die sich im Herbst verschlimmert und das Vertrauen bei Unternehmen und Verbrauchern beeinträchtigt. Die Schwellenländer halten sich bisher noch besser als die EU und die USA, aber auch sie werden wohl kaum verschont bleiben. Wir müssen auf EU-Ebene koordiniert handeln, um die Wirtschaft zu unterstützen - in der Art, wie wir es für den Finanzsektor getan haben. Die Kommission erläuterte letzte Woche ihre Vorstellungen für Maßnahmen zur Unterstützung des Aufschwungs, die auf eine Ankurbelung der Investitionen und die Förderung von Beschäftigung und Nachfrage abzielen. Wir möchten jetzt die Vorstellungen der Mitgliedstaaten hören und dann vor allem zu einem Konzept für ein gemeinsames Vorgehen auf EU-Ebene kommen,” so Joaquín Almunia, der für Wirtschafts- und Währungsfragen zuständige Kommissar.

Nach der heute veröffentlichten Wirtschaftsprognose der Kommission wird das Wirtschaftswachstum in der EU stark zurückgehen und im Jahr 2008 nur noch 1,4 % erreichen. Im Jahr 2007 lag es noch bei 2,9 %. Für 2009 wird ein Stillstand der EU-Wirtschaft erwartet, das Wachstum wird dann nur noch 0,2 % erreichen, bevor es sich im Jahre 2010 wieder bis auf 1,1 % erholt. Die entsprechenden Zahlen für das Eurogebiet in diesem Zeitraum sind 1,2 %, 0,1 % und 0,9 %. Der Wert für 2007 betrug 2,7 %.

Starkes Nachlassen des globalen Wachstums

Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr deutlich sinken und nur noch 3,75 % erreichen, im Jahr 2009 sogar nur noch 2,25 % nach der außergewöhnlich guten Leistung von durchschnittlich 5% im Zeitraum 2004-2007. Dies wird zunächst besonders die Industrieländer betreffen, aber in zunehmendem Maße auch die Schwellenländer. Ursache dafür sind die Finanzkrise und der derzeitige Verfall der Immobilienpreise in vielen Ländern, aber auch die sich mit Verzögerung auswirkenden hohen Rohstoffpreise. Im Jahr 2010 dürfte mit der Stabilisierung der Finanzmärkte, die sich positiv auf Vertrauen und Handel auswirken wird, wieder ein allmählicher Anstieg des Wachstums zu erwarten sein.

Die Prognose bleibt belastet durch erhebliche Unsicherheit über die Frage, wer letzten Endes die Hauptlast der Kreditausfälle tragen wird und welches deren Ausmaß sein wird. Die Kreditkonditionen haben sich erheblich verschärft, und trotz der jüngsten Kapitalspritzen dürfte der Bankensektor das Deleverage fortsetzen, so dass die Kredite weiter knapp gehalten werden.

Trübe Aussichten für die EU

Angesichts solcher Rahmenbedingungen und zunehmend pessimistisch ausfallender Fakten und Zahlen in den letzten Monaten wird jetzt für das dritte Quartal 2008 ein Rückgang des BIP sowohl in der EU als auch im Eurogebiet erwartet. Auch auf längere Sicht bleiben die Aussichten trübe, zumal die Wirtschaft in mehreren Ländern der EU in eine Rezession gerät oder kurz davor steht.

Bei den Investitionen, die Hauptmotor des letzten Aufschwungs waren, ist ein besonders abrupter Rückgang zu beobachten, was auf die Auswirkungen gleich mehrerer Schocks zurückzuführen ist: eine nachlassende Nachfrage und ein spürbarer Vertrauensverlust bei den Investoren, strengere Finanzierungsbedingungen und geringere Verfügbarkeit von Krediten.

Der Verbrauch dürfte in diesen unsicheren Zeiten zurückhaltend bleiben, obwohl das Wachstum des verfügbaren Realeinkommens sich wieder erholen dürfte, wenn die Inflationswirkung der höheren Rohstoffpreise nachlässt.

Die Nettoausfuhren werden voraussichtlich das BIP positiv beeinflussen, da die Einfuhren wohl stärker zurückgehen dürften als die Ausfuhren, was zum Teil den günstigen Auswirkungen der jüngsten Abwertung des Euro in Bezug auf seinen realen effektiven Wechselkurs zuzuschreiben ist.

Beschäftigung und Staatsfinanzen stark betroffen

Die Beschäftigung wird im Zeitraum 2009-2010 mit etwa 250 000 neuen Stellen in der EU und 500 000 neuen Stellen im Eurogebiet zunehmen, das ist deutlich weniger als die 6 Millionen neuer Arbeitsplätze, die in der EU im Zeitraum 2007-2008 entstanden sind (davon 4 Millionen im Eurogebiet). Folglich dürfte die Arbeitslosigkeit in den nächsten zwei Jahren um etwa 1 % zunehmen. Daraus würde für 2009 eine Arbeitslosenquote von 7,8 % in der EU und von 8,4 % im Eurogebiet resultieren, wobei 2010 sogar noch ein weiterer Anstieg möglich ist.

Die ungünstigen Prognosen werden sich auf die Staatsfinanzen auswirken und unter der üblichen Annahme einer unveränderten Politik dazu führen, dass das Defizit bei den gesamtstaatlichen Haushaltssalden von unter 1 % des BIP im Jahre 2007 in der EU 2008 auf 1,6 %, 2009 auf 2,3 % und 2010 auf 2,6 %, steigen wird. Für das Eurogebiet wird ein Anstieg des Defizits auf 1,3 % in diesem Jahr, auf 1,8 % im Jahr 2009 und auf 2 % im Jahr 2010 erwartet. Die meisten Länder werden betroffen sein, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Auch die Ungewissheiten über die haushaltspolitischen Auswirkungen der finanziellen Rettungspakete belasten die diesbezüglichen Perspektiven.

Inflation dürfte rasch zurückgehen

Erfreulich ist hingegen, dass die Inflation in der EU ihren Höhepunkt überschritten haben dürfte und 2009 wohl rasch bis auf 2,5 % und 2010 auf etwa 2,25 % zurückgehen wird (für das Eurogebiet werden 2,2 % und 2,1 % erwartet). In diesen Aussichten ist allerdings ein leichter Aufwärtstrend gegenüber der Frühjahrsprognose aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise im Sommer enthalten. Andererseits verringern der jüngste deutliche Rückgang der Rohstoffpreise, die deutlich geringeren Wachstumserwartungen und die Entspannung am Arbeitsmarkt die Gefahr von Zweitrundeneffekten erheblich.

Abwärtsrisiken herrschen vor

Diese Prognose ist durch erhebliche Ungewissheiten und Abwärtsrisiken belastet. Der finanzielle Druck könnte sich noch erhöhen, könnte länger anhalten oder sich stärker auf die Realwirtschaft auswirken und damit zu weiteren negativen Auswirkungen führen. Das würde den derzeitigen Verfall an einigen Immobilienmärkten noch verstärken, Bilanzen unter Druck setzen und könnte sowohl den notwendigen Deleverage-Prozess im Finanzsektor behindern als auch über negative Effekte für Wohlstand und Vertrauen auch den privaten Verbrauch bremsen. Andererseits dürften bei einer Verschlechterung der Wachstumsaussichten die Rohstoffpreise in Zukunft eher fallen als steigen. Dadurch würde der Inflationsdruck sinken und Inflationsrisiken ausgeglichen.

Ein ausführlicherer Bericht ist abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/economy_finance/thematic_articles/article13288_en.htm

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