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IP/08/1074

Brüssel, den 2. Juli 2008

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Kommission will Internet für Behinderte leichter zugänglich machen

15 % der Europäer leiden unter der einen oder anderen Form von Behinderung. Für viele ist es schon ein Problem, die kleine Schrift auf den Internetseiten zu lesen oder überhaupt Webseiten aufzurufen oder Online-Dienste in Anspruch zu nehmen. Trotz wiederholter Aufrufe seitens der EU und der Regierungen, hier Abhilfe zu schaffen, sind die Erfolge eher dürftig: Die überwiegende Mehrheit der Webseiten hält sich an keine allgemein akzeptierten nutzerfreundlichen Standards. Heute hat die Europäische Kommission eine öffentliche Konsultation zu der Frage eingeleitet, wie die Webseiten in Europa noch leichter zugänglich gemacht werden können – angefangen mit den Internetangeboten öffentlicher Verwaltungen. Alle Beteiligten sind aufgefordert, hierzu Stellung zu nehmen. Dabei geht es auch um Technologien wie das Digitalfernsehen. Die Konsultation läuft bis zum 27. August 2008.

Für viele Bürger in Europa ist der Zugang zum Internet zwar wichtig, doch sie können es aufgrund von Behinderungen einfach nicht nutzen. So lange das Web nicht für alle Menschen wirklich leicht zugänglich ist, gehen die Vorteile des Internets noch an vielen Menschen vorbei. Hierfür gibt es durchaus einfache Lösungen warum schaffen es also nur so wenige Internetanbieter, sie auch tatsächlich umzusetzen?“ fragt Viviane Reding, EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien. „Je mehr Menschen das Internet nutzen, desto besser für die europäische Wirtschaft und die Online-Inhalte. Ich fordere die Internetbranche und die öffentlichen Verwaltungen dazu auf, sich noch mehr dafür einzusetzen, dass das Internet für alle leichter zugänglich ist. Die Verantwortlichen sollten sich klar machen, dass sie wahrscheinlich in wenigen Jahren selbst zu denjenigen gehören werden, denen es Probleme bereitet, am Bildschirm zu lesen.“

Das Durchschnittsalter der europäischen Bevölkerung nimmt rasant zu, so dass 2020 schon 25 % der Gesamtbevölkerung über 65 Jahre alt sein dürften. Ältere Menschen haben häufig Probleme bei der Nutzung des Internets, da ihr Sehvermögen für das Lesen am Bildschirm nicht mehr ausreicht oder motorische Probleme den Umgang mit der Maus erschweren. Dabei gibt es einfache Lösungen, die den Menschen den Zugang zum Internet erleichtern und ihnen Seiten erschließen, die sie sonst nicht nutzen könnten. Dadurch wird auch ihre Teilhabe am sozialen und wirtschaftlichen Leben erweitert. Zu den einschlägigen Lösungen zählen:

- Vergrößerung der von den Browsern genutzten Schriftgröße

- Bereitstellung gesprochener Bildschirmtexte mit Hilfe unterstützender Software

- Internetnavigation mit Hilfe der Tastatur statt mit der Maus

Leicht zugängliche Websites sind häufig für alle Nutzer – behinderte und nichtbehinderte - von Vorteil. Das 1994 mit Unterstützung der Kommission gegründete World Wide Web Consortium legt gemeinsame Spezifikationen, wie etwa Leitlinien für die Zugänglichkeit des Internets (Web Content Accessibility Guidelines) fest. 2007 waren jedoch nur 5 % der öffentlichen Internetseiten und weniger als 3 % der Webseiten privater Anbieter in der EU entsprechend dieser Leitlinien „vollständig zugänglich“ (MeAC). Mehrere Mitgliedstaaten (u. a. Österreich, Frankreich, Italien, die Niederlande und Portugal) haben Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu verbessern, etwa durch Einführung von Leitlinien und Vorgaben für die Internetseiten öffentlicher Stellen. Solche Konzepte werden in der EU aber nach wie vor sehr uneinheitlich verfolgt. Bei weiteren neuen Produkten wird deutlich, zu welchen Problemen die mangelnde Zugänglichkeit der Webseiten führen kann: So erschweren Verständnis- und Motorikprobleme die Navigation in den elektronischen Programmführern für das Digitalfernsehen.

2001 hat sich die Europäische Kommission ihrerseits mit der Zugänglichkeit der öffentlichen Webseiten des „Europa“-Portals befasst (IP/01/1309) und ist nun dabei, diese Zugänglichkeit auch umzusetzen. Die Kommission prüft derzeit den Einsatz von Bildschirmlesern. Diese setzen den Bildschirminhalt sowohl in Sprache als auch aktualisierbare Braille-Schrift um, damit auch blinde Menschen die Webseiten „lesen“ können (versuchen Sie es, indem sie auf das Lautsprecher-Symbol neben der Überschrift unter http://ec.europa.eu/roaming klicken).

Die heute begonnene öffentliche Konsultation soll Klarheit darüber verschaffen, welche Maßnahmen die Mitgliedstaaten ergreifen könnten, um den Zugang zum Web zu erleichtern, und befasst sich auch mit allgemeineren Themen im Zusammenhang mit den Informations- und Kommunikationstechnologien für behinderte Menschen.

Eine bessere Zugänglichkeit des Internets trägt auch zur Verwirklichung der überarbeiteten sozialpolitischen Agenda bei (IP/08/1070).

Hintergrund:

Diese öffentliche Konsultation findet im Rahmen der Initiative der Europäischen Kommission für Wachstum und Beschäftigung in der Informationsgesellschaft (IP/05/643) statt. 2005 verabschiedete die Europäische Kommission eine Mitteilung zur „e-Accessibility“ (IP/05/1144), in der sie unterstrich, wie wichtig es ist, die Nutzung vieler IKT-Produkte zu erleichtern. 2006 verpflichteten sich die EU-Mitgliedstaaten dazu, bis 2010 die Kluft in der Internet-Nutzung durch ausgrenzungsgefährdete Bevölkerungsgruppen – etwa ältere Menschen, Behinderte und Arbeitslose – zu überwinden (IP/06/769). 2007 verabschiedete die Kommission eine Mitteilung, in der sie dazu aufrief, die Anstrengungen zur Ausweitung der digitalen Integration („e-Inclusion“) und des barrierefreien Zugangs („e-Accessibility“) zu forcieren (IP/07/1804).

Das Konsultationspapier der Kommission ist abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/einclusion

Beiträge sind zu senden an: einclusion@ec.europa.eu

In der Studie „Measuring progress of eAccessibility in Europe“ (MeAC) wird untersucht, inwieweit die „Web Content Accessibility Guidelines“ des „World Wide Web Consortium“ eingehalten werden. Sie ist abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/information_society/activities/einclusion/library/studies/meac_study/index_en.htm

Das „World Wide Web Consortium“ an dem sich heute über 400 Unternehmen und Behörden beteiligen, wurde 1994 mit Unterstützung der Europäischen Kommission gegründet. Die von ihm herausgegebenen „Web Content Accessibility Guidelines“ finden Sie unter:

http://www.w3.org/TR/WCAG10/

Neues Portal der Europäischen Kommission für Soziales:

http://ec.europa.eu/social


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