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Brüssel, den 29. Juni 2007
Umweltkommissar Stavros Dimas erläuterte hierzu: "Die Menschen in ganz Europa werden die bedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheit, Arbeit und Wohnen zunehmend zu spüren bekommen, und die anfälligsten Mitglieder der Gesellschaft werden am härtesten betroffen sein. Wir müssen den Kampf gegen die Klimaänderung an zwei Fronten kämpfen. Die globalen Treibhausgasemissionen müssen drastisch gesenkt werden, um zu verhindern, dass künftige Klimaänderungen lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, gleichzeitig muss sich Europa jedoch auch der heute bereits spürbaren Erderwärmung anpassen.”
Er fügte hinzu: "Wenn die EU und ihre Mitgliedstaaten eine kohärente Strategie nicht im voraus planen, könnten wir gezwungen sein, auf die immer häufiger vorkommenden Krisenfälle und Katastrophen mit überstürzten und unvorhergesehenen Anpassungsmaßnahmen zu reagieren, was sich als sehr viel kostspieliger erweisen würde."
Klimaauswirkungen auf globaler und europäischer Ebene
Ziel der Europäischen Union ist es, die Erderwärmung auf höchstens 2°C über dem vorindustriellen Stand zu begrenzen, denn jenseits dieses Schwellenwertes nimmt das Risiko irreversibler und möglicherweise katastrophaler Veränderungen unseres Planeten dramatisch zu. Dennoch kämpfen viele Teilen der Welt schon jetzt mit den negativen Folgen des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur um 0,76°C, und aktuelle Trends deuten darauf hin, dass sich die Erde in diesem Jahrhundert um weitere 1,8° bis 4°C erwärmen wird.
Bereits eine Erwärmung von 2°C wird spürbare Folgen haben, auch in Europa, wo die Temperaturen bereits im letzten Jahrhundert um fast 1°C gestiegen sind; dies ist schneller als der globale Durchschnitt, und die Folgen sind deutlich messbar - Gletscher schmelzen, und tief liegende Skistationen werden möglicherweise schließen müssen. Für Südeuropa wird noch mehr Trockenheit prognostiziert, mit Temperaturen, die Sommerurlaube unerträglich machen können. Die Hitzewelle vom Sommer 2003 hat schätzungsweise 70 000 Todesopfer gefordert. Weitere Klimaänderungen werden die natürliche Umwelt Europas und nahezu alle Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche hart treffen, auch die Land- und Forstwirtschaft, die Fischerei, den Fremdenverkehr und das Gesundheitswesen. Vor allem Küstengebiete, tief liegende Delta-Regionen und dicht besiedelte Flussebenen könnten vermehrt unter Stürmen und Hochwasser zu leiden haben. Außerdem könnte der Klimawandel größeren Bevölkerungsumsiedlungen, auch in Nachbarregionen, Vorschub leisten.
Vorteile der Anpassung
Angesichts dieser bereits spürbaren und der künftigen Folgen der Klimaänderung sind Anpassungsmaßnahmen heute eine unverzichtbare Ergänzung zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. Weil sie potenziellen Schadens-situationen vorgreifen wird und Gefahren für Ökosysteme, menschliche Gesundheit, Eigentum und Infrastrukturen minimieren, könnten frühzeitige Anpassungsmaßnahmen deutliche Wirtschaftsvorteile erbringen und soziale Umwälzungen verhindern. In Form neuer Märkte für innovative Produkte und Dienstleistungen könnte die Anpassung auch neue Wirtschaftsperspektiven eröffnen.
Optionen für Maßnahmen auf EU-Ebene
Alle Akteure müssen aktiv in den Anpassungsprozess eingebunden werden, und um die Kosten niedrig zu halten, müssen die Maßnahmen der Mitgliedstaaten, Regionen und Gemeinschaften effizient koordiniert werden. Durch Anpassung ihrer Regelungen, Behebung der Wissensmängel und Koordinierung von Strategien kann die Europäische Union einen wichtigen Beitrag zur Anpassung leisten.
Durch den Binnenmarkt oder gemeinsame Politiken sind bestimmte Sektoren wie Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Schutz der Biodiversität und Fischerei auf EU-Ebene weitgehend integriert. Daher wäre es sinnvoll, Anpassungsziele in diese Politikbereiche und in die Förderprogramme der EU, beispielsweise in den Bereichen regionale Entwicklung, Landwirtschaft, Fischerei, Soziales, Forschung und Entwicklung des ländlichen Raums, einzubeziehen.
Das Grünbuch[1] sieht vier Schwerpunktbereiche für Anpassungsmaßnahmen vor:
Nächste Schritte
Mit der am 3. Juli im Gebäude Charlemagne stattfindenden Konferenz soll eine allgemeine öffentliche Debatte lanciert werden, die auch eine bis November laufende Internet-Befragung einschließt. Das Grünbuch ist auch an die Organe und Ausschüsse der EU gerichtet. Die Antworten auf die Befragung werden bei der Erarbeitung einer Mitteilung über die Anpassung an den Klimawandel, die die Kommission bis Ende 2008 vorlegen will, berücksichtigt.
Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/environment/climat/eccp_impacts.htm
[1] KOM(2007) 354. Anpassung an den Klimawandel in Europa – Optionen für Maßnahmen der EU. Grünbuch der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen.