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Flexicurity: gute Arbeitsplätze für mehr Menschen

European Commission - IP/07/919   27/06/2007

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IP/07/919

Brüssel, 27. Juni 2007

Flexicurity: gute Arbeitsplätze für mehr Menschen

Heute schlägt die Kommission vor, gemeinsame Flexicurity-Grundsätze aufzustellen, um Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Arbeitszufriedenheit dadurch zu fördern, dass Flexibilität und Sicherheit für Arbeitnehmer und Unternehmen miteinander verbunden werden. Flexicurity‑Strategien können dabei helfen, die europäischen Arbeitsmärkte zu modernisieren und die Herausforderungen und Chancen der Globalisierung besser zu bewältigen beziehungsweise zu nutzen. Sie umfassen gleichzeitig flexible und sichere vertragliche Regelungen, aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, umfassende Strategien des lebenslangen Lernens und moderne Systeme des Sozialschutzes, die während Zeiten der Arbeitslosigkeit eine angemessene Einkommensunterstützung bieten. Die Kommission legt auch eine Reihe von typischen Flexicurity-Optionen vor, um die Mitgliedstaaten bei der Konzeption ihrer nationalen Flexicurity-Strategien zu unterstützen und ihnen besseren Erfahrungsaustausch von bewährten Verfahren zu ermöglichen. In Übereinstimmung mit der Lissabon-Strategie der EU für Wachstum und Beschäftigung sollen die gemeinsamen Flexicurity-Grundsätze sicherstellen, dass mehr Europäer aus der sich schnell verändernden globalen Wirtschaft größtmöglichen Nutzen ziehen.

Vladimír Špidla, der EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit, sagte: „Flexicurity ist am besten geeignet sicherzustellen, dass die europäischen Bürger sich auf ein hohes Niveau der Beschäftigungssicherheit verlassen können, sodass sie in jeder Phase ihres Berufslebens einen angemessenen Arbeitsplatz finden und auf eine erfolgreiche berufliche Laufbahn in einem sich rasch verändernden ökonomischen Umfeld hoffen können.“ Er fügte hinzu: „Flexicurity schafft ein Gleichgewicht zwischen Rechten und Pflichten, für Arbeitnehmer und Unternehmen wie für staatliche Stellen: Alle sind verpflichtet, einen Beitrag zur Beschäftigung und für nachhaltiges Wachstum zu leisten. Bei dem Flexicurity‑Ansatz handelt es sich nicht darum, die Sicherheit für eine Gruppe zu verringern, um sie für eine anderen zu erhöhen. Es geht nicht um entweder oder, Flexibilität und Sicherheit ergänzen sich vielmehr. Jetzt müssen alle Akteure zusammenarbeiten, damit gewährleistet ist, dass dieser Weg für Europas Volkswirtschaften, Arbeitnehmer und Unternehmen erfolgreich ist.“

Europa muss neue Wege finden, seine Arbeitsmärkte flexibler zu gestalten und gleichzeitig Beschäftigungssicherheit zu bieten. Flexicurity stellt einen umfassenden arbeitsmarktpolitischen Ansatz dar, der die Gewährleistung ausreichender Flexibilität in vertraglichen Regelungen – die den Unternehmen und Beschäftigten die Bewältigung des Wandels ermöglichen – verbindet mit der Sicherheit für Arbeitnehmer, auf ihren Arbeitsplätzen zu verbleiben oder rasch neue finden zu können, wobei in den Übergangsphasen ein angemessenes Einkommen gewährleistet sein muss. In der Mitteilung wird herausgestellt, dass dieser Ansatz sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Unternehmen von Vorteil ist. Mit Hilfe der Flexibilität soll sichergestellt werden, dass Arbeitnehmer ohne Schwierigkeiten eine Stelle finden und von einer Stelle zu einer anderen wechseln können; das schließt sowohl externe Flexibilität wie auch interne Flexibilität innerhalb desselben Unternehmens ein. Die Sicherheit ist nicht nur ein Anliegen der Arbeitnehmer, sondern auch der Unternehmen: wird die Qualifikation der Belegschaftsmitglieder verbessert, verschafft dies auch dem Arbeitgeber zusätzlich Sicherheit und Nutzen. Flexibilität und Sicherheit verstärken sich gegenseitig.

In der Mitteilung, die auf umfassenden Anhörungen von Akteuren beruht, werden die wichtigsten Flexicurity-Komponenten umrissen und Vorschläge für acht gemeinsame Flexicurity-Grundsätze vorgestellt. Auf diese Grundsätze sollten sich die Mitgliedstaaten als Bezugspunkte einigen:

  • Die Wachstums- und Beschäftigungsstrategie der EU entschlossener umsetzen und das europäische Sozialmodell stärken;

  • ein Gleichgewicht zwischen Rechten und Pflichten finden;

  • die Flexicurity an verschiedene Umstände, Bedürfnisse und Herausforderungen in den Mitgliedstaaten anpassen;

  • die Kluft zwischen Arbeitnehmern in atypischen, manchmal unsicheren Beschäftigungsverhältnissen einerseits (so genannten „Outsidern“) und Arbeitnehmern mit unbefristeten Vollzeitstellen andererseits (den „Insidern“) verringern;

  • bei der Flexicurity interne und externe Formen dadurch entwickeln, dass den Beschäftigten eine berufliche Karriere im Unternehmen (interne Flexicurity) und Beweglichkeit auf dem Arbeitsmarkt (externe Flexicurity) erleichtert wird;

  • die Gleichstellung der Geschlechter voranbringen und Chancengleichheit für alle fördern;

  • ausgewogene Maßnahmenbündel erarbeiten, um ein Klima des Vertrauens zwischen Sozialpartnern, staatlichen Stellen und sonstigen Akteuren zu fördern;

  • eine gerechte Aufteilung von Kosten und Nutzen von Flexicurity-Maßnahmen und einen Beitrag zu einer fundierten und finanziell tragbaren Haushaltspolitik sicherstellen.

In der Mitteilung werden zudem vier typische „Optionen“ für die Mitgliedstaaten aufgezeigt, anhand derer sie ihre eigenen, an die Herausforderungen auf nationaler Ebene angepassten Flexicurity-Strategien entwickeln können. Selbstverständlich gibt es keine Einheitslösung – die Arbeitsmarktsituationen unterscheiden sich in der EU erheblich voneinander. In einigen Ländern könnte man zum Beispiel die Bemühungen auf die Erarbeitung von Lösungen innerhalb der Unternehmen konzentrieren, in anderen könnte der Schwerpunkt eher auf Übergängen zwischen Arbeitsverhältnissen liegen. Diese Optionen sind auf der Grundlage der Erfahrungen und Maßnahmen der Mitgliedstaaten ausgearbeitet worden, die von der Expertengruppe Flexicurity und ihrem Berichterstatter, Professor Ton Wilthagen, analysiert wurden.

Die einzelnen, von dem Flexicurity-Ansatz und seinen Komponenten abgedeckten Aspekte sind nicht neu – die Flexicurity-Strategien bieten jedoch einen neuen, integrierten Ansatz, bei dem sich die verschiedenen Faktoren gegenseitig ergänzen können.

Die Finanzinstrumente der EU für die Kohäsionspolitik – und insbesondere der Europäische Sozialfonds für den Zeitraum 2007-2013 – können einen wesentlichen Beitrag zu den Haushaltsaspekten der Flexicurity leisten, zum Beispiel durch Ausbildungsmaßnahmen auf Betriebsebene, Programme des lebenslangen Lernens und die Förderung des Unternehmertums.

Aus einer Eurobarometer-Umfrage aus jüngster Zeit (Herbst 2006) geht hervor, dass die europäischen Bürger die für die Flexicurity kennzeichnende Notwendigkeit von Anpassung und Wandel erkennen und akzeptieren. 72 % meinen, man sollte Beschäftigungsverträge flexibler gestalten, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern; 76 % glauben, dass es heutzutage nicht länger möglich ist, das gesamte Berufsleben bei demselben Arbeitgeber zu verbringen und 88 % sind der Auffassung, dass lebenslanges Lernen die Chancen verbessert, schnell einen Arbeitsplatz zu finden.

Der Flexicurity kommt eine wichtige Stellung in den von den Mitgliedstaaten einstimmig vereinbarten Integrierten Leitlinien zu, die der Umsetzung der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung auf europäischer wie nationaler Ebene zugrunde liegen. Erfolg kann die Flexicurity nur haben, wenn sich alle Akteure engagieren. Die Kommission ermutigt die Mitgliedstaaten dazu, mit den Sozialpartnern mit dem Ziel zusammenzuarbeiten, ihre Flexicurity-Ansätze in ihre nationalen Reformprogramme im Rahmen der Strategie einzubeziehen.

Nähere Angaben :

Link zur Mitteilung

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:52007DC0359:EN:NOT

Link zum Expertenbericht mit Flexicurity-Beispielen aus 27 Mitgliedstaaten

http://ec.europa.eu/employment_social/employment_strategy/flex_expert_de.htm

Hintergrund:

http://ec.europa.eu/employment_social/employment_strategy/flex_meaning_de.htm

Stakeholder-Konferenz zum Thema Flexicurity, 20. April 2007:

http://ec.europa.eu/employment_social/employment_strategy/flex_stakeholderconference_en.htm


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